Gute Fragen …

… fördern kritisches Denken und aktivieren Lernende

Ein ganzer Tag zum Thema „Fragen“? Schon bei der Vorbereitung des zweiten Tages der Trilogie 21 wurde den Referenten Michael Ziereis und Ulli Lipp klar, dass die passenden Fragestellungen entscheidend sind für den Lernerfolg unserer Teilnehmer*innen. Aus dem „Fragentag“ gibt es hier Anregungen und „heiße“ Tipps von Referent*innen und Teilnehmer*innen.

Fragen zum Start

Zum Kennenlernen und Aufwärmen: Natürlich beginnt der Fragentag mit Fragen. Aus einem Fragenkatalog speziell für die Anfangssituation wurden mit dem „Random Picker Wheel“ den Personen (Teilnehmenden wie Refererierenden) Fragen zugelost.

Zur Erwartungsabfrage: Welche Fragen möchte ich bis 17:00 Uhr beantwortet haben?

Ergebnis einer Fragensammlung am Anfang des Seminars

Im Seminar wurden alle Fragen im Laufe des Tages angesprochen und (portionsweise über den Tag verteilt) beantwortet. Wenn ihr auch eine Frage dazu habt oder eine der Antworten lesen wollt, schickt uns doch ein Mail an lipp-reisbach@t-online.de.

Gute Fragen/schlechte Fragen

Diese Unterscheidung ist nur auf den ersten Blick einfach. Eine geschlossene Frage, die nur „Ja“ oder „Nein“ als Antwort zulässt, gilt oft als schlechte Frage. In bestimmten Situationen kann sie aber genau richtig sein. Schauen wir zum Beispiel auf eine Veranstaltung mit jugendlichen Auszubildenden. Da ist die Eingangsfrage „Wer hatte von euch schon einmal etwas mit der Arbeiterkammer zu tun? Gebt bitte ein Handzeichen!“ sinnvoller als die offene Frage „Wie hilft euch die AK?“
Ob Fragen gut oder schlecht sind, entscheidet die Situation, in der sie gestellt werden. Natürlich gibt es ein paar Kriterien, denen Fragen genügen sollten: Kurz und knapp, verständlich, auf keinen Fall zu einfach. Ergebnisse aus den Gruppenarbeiten zu „Gute Fragen/schlechte Fragen“.

Vom Sagen zum Fragen

Mit Fragen Seminare, Schulungen, Workshops und Informationsveranstaltungen, die dann eigentlich nicht mehr Vorträge heißen dürfen, zu gestalten, bedeuten eine Veränderung des didaktischen Grundgedankens. Da ist nicht die/der Wissende auf der einen Seite und Lernende auf der anderen, die mit Informationen „abgefüllt“ werden. Lernende bringen Vorwissen und Erfahrungen mit und werden danach auch gefragt. Sie gestalten durch ihre Fragen den Lernprozess mit. Methodisch kann das ganz verschieden gestaltet sein. Das geht von einzelnen Fragen, die Lernende zum Nachdenken bringen, über das Lehrgespräch, in dem Referent*innen weniger als 50% des Redeanteils haben, bis zur Expert*innenbefragung, bei der Lernende die Fragen stellen, die Expert*innen beantworten.
Hier die Präsentation zur didaktischen Einordnung.

Heiße Tipps für den Frageneinsatz zum Aktivieren

Über den Tag verteilt gab es Tipps zum Frageneinsatz.
1) „PSSST“ – Die Pause nach der Frage: Es dauert, bis jemand sich die Frage durch den Kopf gehen lässt, eine Antwort für sich gedanklich vorformuliert, sich zur Wortmeldung entschließt. Haltet als Fragende die Pause aus, schweigt und vermeidet eine Wiederholung der Frage mit anderen Worten!

2) „Kopfstandfragen“ oder „paradoxe Fragen“ aktivieren Teilnehmer*innen stärker als normale Fragen. Die Antworten können auf dem Flipchart wie bei einer Zurufliste mitgeschrieben werden. Wir haben das im Seminar auch eingesetzt.

Die ganze Liste gibt es hier.

3) „Gibt’s noch Fragen?“ ist eine Floskel, die wir besser vermeiden. Was in den Köpfen der Teilnehmer*innen vorgeht und warum meist keine Antwort kommt, zeigt dieser PowerPoint-Comic. Anregungen, wie es anders geht, finden sich in diesem Blogbeitrag.

4) Fragestellungen genau überlegen und vorformulieren! Viele Methoden (Kartenabfragen, Zurufliste, Blitzlicht, Schätzfragen …) gehen von Fragen aus. Oft nimmt man die erst beste Formulierung, ohne groß nachzudenken. Besser: Wir formulieren schon bei der Vorbereitung drei verschiedene Fragen und wählen dann die beste aus.

5) Lernziele in Fragen umwandeln! Wir haben das für diesen Trilogietag versucht und die Lernziele aus der Ausschreibung (Lernergebnisse) als Fragen formuliert. Hier unser Ergebnis.

Die Mittagsaufgabe

In der Zeit zwischen 12:00 und 14:00 pickten sich die Teilnehmer*innen aus einem Text über Fragetechniken, die für sie selbst hilfreichsten Tipps heraus. Nach der Pause gab es einen Austausch.

Andersrum: Teilnehmer*innen stellen die Fragen

Ergebnisse aus einer Gruppenarbeit

Gute Fragen fördern kritisches Denken

Hier das ganze Gedicht zum Lesen oder im Vortrag von Ernst Busch

Was ist kritisches Denken?

Es gibt hochphilosophische Definitionen von kritischem Denken, die uns aber in der Praxis eher wenig helfen. Deshalb gingen wir von den Definitionen von „kritischem Denken“ aus, die Teilnehmer*innen schon vor dem Seminar formuliert und uns geschickt hatten. Hier ein Beispiel:

Hier weitere Definitionen der Teilnehmer*innen

Wir suchten nach Wegen, wie durch Fragen kritisches Denken gefördert werden kann. Das „Schauen durch andere Brillen“ und das Suchen nach Widersprüchen führt im Gedicht „Fragen eines lesenden Arbeiters“ zu einer veränderten Wahrnehmung von Realität. Im Gedicht ist es der Blick auf die Geschichte, beim Blick auf die aktuellen Verhältnisse funktioniert das genauso. Das zeigte sich auch in den Diskussionen in den Gruppen, die nach konkreten Situationen suchten, wie Fragen zum kritischen Denken führen können. Hier einige Anregungen aus den Gruppen.

Eine Teilnehmer*innen-Formulierung soll hier am Ende stehen:
„Lehrt, wie man denkt, nicht, was man denkt!“

Autoren: Michael Ziereis und Ulli Lipp

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