Methoden für den Alltag
Mit einfachen Methoden lässt sich während eines Seminars überprüfen, ob und inwieweit Lernziele erreicht sind. Das ermöglicht eine „Sofort-Reparatur“. Bei Lerninhalten, die nach meiner Vermittlung noch nicht verstanden oder nicht anwendbar sind, kann ich nachbessern.
Die „Sitzt“-Analyse
Ich setze die Sitzt-Analyse gerne bei der Vermittlung von Methoden in Train-the-Trainer-Kursen ein, weil ich mir nicht sicher bin, ob nach Vorführen und Besprechen die Methoden auch durchgeführt werden können. Die beiden Fotos unten zeigen, wie es geht. Jede Methode bekommt eine Säule und alle Teilnehmenden drei Klebepunkte. Bevor alle losstürmen und punkten, erkläre ich noch, dass es nicht darum geht, ob ihnen diese Methode gefällt. Ziel des Punktens ist rauszufinden, welche der Methoden noch nicht ganz verstanden sind. Wo also nochmal eine Erklärung oder ein Beispiel notwendig ist. In dem Foto seht ihr, dass ich das Blitzlicht offensichtlich etwas schlampig erklärt habe. Ich habe da noch einmal ein Beispiel nachgeschoben.

Fragen provozieren
Fragen kommen nicht automatisch, wenn etwas nicht verstanden und daher unklar ist. Die Frage „Gibt es noch Fragen?“ wirkt oft so: „Eigentlich bin ich jetzt fertig und möchte aufhören!“ Dazu kommt auf Teilnehmer:innenseite der Gedanke: „Ich habe nicht alles verstanden. Aber wenn ich jetzt nachfrage, halten mich die anderen für dämlich.“ Deswegen der Lerncheck Fragen provozieren.
Meine drei Strategien zeigt das Bild auf der Methodenkarte:
Variante 1: Ich setz mich hin. „Vielleicht war das jetzt ein wenig schnell. Bei welcher der drei Methoden habt ihr noch eine Frage, wenn ihr an die Anwendung in euren Veranstaltungen denkt?“ Und dann warte ich schweigend und vor allem geduldig.
Variante 2: Die Fragekarten liegen auf den Plätzen bereit. Damit sie nicht als „Seminardeko“ missverstanden werden, kläre ich anfangs ihre Aufgabe im Rahmen von Lernchecks und plane das Aufschreiben ein: „Jetzt ist Zeit, eure Fragen aufzuschreiben. Wir sammeln sie und ich beantworte anschließend gesammelt.“
Variante 3: „Besprecht mit euren Nachbarn und notiert, wo es noch Klärungsbedarf gibt!“ das ist meine Lieblingsvariante. Die kostet zwar mehr Zeit, aber das kurze Gespräch mit Kolleg:innen unterstützt Lernen und Behalten.
Es gibt einen eigenen Blogbeitrag zu dem Thema Fragen und eine Dokumentation eines Seminartages zum Thema „Gute Fragen„.
Rätsel Quiz
Nicht nur für Online-Seminare, auch für Präsenzveranstaltungen gibt es inzwischen eine ganze Reihe von digitalen Tools zum Erstellen von Quiz, zum Beispiel Kahoot, Mentimeter oder Quizizz.
Im Netz gibt es eine ganze Reihe von kostenlosen Vorlagen für die „Millionen-Show“ (alias „Wer wird Millionär?“), wo man Frage und Antworten nur noch einzugeben braucht.

Ampelabfrage
Zu einem Thema stehen drei Aussagen auf verschieden farbigen A3 oder A4-Blättern wie im Beispiel zum Thema Murmelgruppen. Die Teilnehmenden bekommen in denselben Farben leere Moderationskarten. Sie werden geknickt, damit man sie aufstellen kann. Die vermeintlich richtige Farbe kommt nach oben. Es reicht ein Blick, um falsche Antworten zu erkennen.

Eine Runde ist natürlich zu wenig, da können mehrere folgen. Die Referent:in ist gefordert, weil das alles rein analog abläuft und Bewegung beim Wechseln der Aussagen verlangt. Das ist aber vielleicht auch der Reiz dieses Lernchecks. Auch wenn das Procedere digital viel einfacher zu gestalten ist.
TED hat hier übrigens nichts mit den heutigen TED-Talks zu tun, sondern steht für Tele-Dialog, einem frühen Verfahren, bei Fernsehsendungen als Zuschauer abzustimmen.
Wiederholungsgutschein
Noch ein analoger Lerncheck! Diese Methode eignet sich für umfassendere längere Lehrgänge, weil sie öfter angewendet werden kann. Den Teilnehmer:innen drücke ich zu Beginn der Einheit einen Wiederholungsgutschein in die Hand. Das ist die Methodenkarte im Kleinformat und hinten drauf zwei leicht ablösbare Klebepunkte. Nach einer Einheit stelle ich die Inhaltsübersicht auf Flipchart in den Mittelpunkt und bringe die Wiederholungsgutscheine ins Spiel: Lasst euch die Inhalte noch einmal durch den Kopf gehen. Wenn ihr zum besseren Verständnis eine Wiederholung, eine Vertiefung oder ein Beispiel von mir hören wollt, klebt einen der beiden Klebepunkte zu dem Punkt. Nach meiner Erfahrung ist eine ganz kurze Murmelgruppe vor dem Punkten nützlich.

Vor- und Rückseite der Wiederholungsgutscheine, wie ich sie austeile.
Zur Vertiefung
- Das ist der zweite von drei Beiträgen zum Thema Lernchecks. Der erste stellt die Idee Lerncheck an Beispielen vor. Der dritte (Verankerung statt Prüfung) zeigt an anderen Beispielen, wie Lernchecks das „Hängenbleiben“ von Lerninhalten fördern.
- Dokumentation zu einem Trainingstag über Lernchecks
- Weidenmann, Bernd (2011): Update für Trainer. Bonn, managerSeminare
- Leporello zu den Lernchecks
Autor: Ulli Lipp

Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen unter gleichen Bedingungen 3.0 Österreich Lizenz.
Volltext der Lizenz




