#mm: Mind-Mapping

Eine (fast) universelle Methode für Schulung und Seminar

Alle kennen Mind Maps. Die vielen Einsatzmöglichkeiten von Mind-Mapping in Lehr- und Lernprozessen sind schon weit weniger bekannt. Deshalb dieser Beitrag mit Erfahrungen nach 30 Jahren Mind-Mapping.

Ziele der Methode

  • Darstellung komplexer Inhalte
  • Sammeltechnik für Einzelpersonen und Gruppen (für Vorwissen, Informationen, kreative Ideen, Feedbacks…)
  • Planung und Vorbereitung von Vorträgen und Schulungen
  • Mitvisualisieren von Diskussionen und Lehrgesprächen
  • Arbeitshilfe für Kleingruppenarbeiten
  • Lernhilfe für Teilnehmende

Kurzbeschreibung

Mind-Mapping ist eigentlich nur eine andere Art des Aufschreibens. Nicht von oben nach unten, nicht von links nach rechts, sondern von der Mitte eines möglichst großen Blattes ausgehend. Dort steht das Thema, die Fragestellung. Von da gehen als dickere Äste die Hauptaspekte (wie im linearen Text die Zwischenüberschriften) aus, die sich verzweigen. Für alle, die das zum ersten Mal machen, ist das gewöhnungsbedürftig. Meistens braucht es zwei, drei Anläufe, bis das flutscht. Die weitere Gestaltung kann mit Bildern, Farben und Pfeilen gemacht werden. Dafür gibt es keine Regeln.

Mir fällt auf, dass sehr viele Mind-Maps kennen, auch keine Schwierigkeiten haben, sie zu lesen (= Informationen entnehmen), aber selbst noch nie eins erstellt haben. Dann wird es Zeit. Stellt euch vor, ihr sollt in ein paar Minuten einen Kurzvortrag über euren Heimatort, (eure Gewerkschaft, euer Hobby …) halten. Schnappt euch ein Blatt Papier, nehmt es quer. Schreibt das Thema in einen Kreis in die Mitte! Hauptaspekte, die euch sofort einfallen, kommen auf dickere Äste, die sich beliebig verzweigen können. Auf geht’s! Ein paar Hilfestellungen gibt es hier auf einer Seite.

Wenn du noch nie ein Mind-Mapp selbst erstellt hast, wird es Zeit! Dauert auch nur ein paar Minuten!

Einsatzmöglichkeiten

Als Seminar-Überblick

Ich mache gerne den inhaltlichen Überblick über ein Seminar als Mind-Map, das dann sichtbar hängen bleibt. Da kann ich mehr ins Detail gehen als mit einer Liste am Flipchart und ich bin flexibel, kann Punkte je nach Bedarf ergänzen. Eine zeitliche Struktur (Wann kommt was?) fehlt. Das empfinde ich nicht als Nachteil. Oft ist es so, dass ein Inhalt (bei mir die Methoden) immer wieder auftaucht. Die Darstellung als Mind-Map macht das nachvollziehbar.

Übersicht über ein eintägiges Online-Seminar

Als Sammelmethode

Wir haben in größeren Gruppen schon Tests gemacht und eine Fragestellung (z.B. Wie gestalte ich eine gute Lernatmosphäre?) mit unterschiedlichen Sammelmethoden bearbeitet. Neben Mind-Maps (für alle sichtbar auf der Pinnwand oder über ein Mind-Map-Programm am Beamer) waren das Kartenabfrage und Zurufliste/Brainstorming. Die Ergebnisse unterschieden sich wenig. Auffällig: Per Mind-Mapping ging es immer schneller und es war mehr “Leben in der Bude”. Erschwerende Voraussetzung: Es braucht jemanden, die/der das Mind-Mappen an der Pinnwand oder mit dem digitalen Programm beherrscht. Für die Weiterarbeit an ausgewählten Einzelpunkten verwende ich gerne Klebepunkte. Übersichtlichkeit lässt sich mit Farbkreiden erhöhen. Hier als Beispiel eine Sammlung zu von Erfahrungen und Ideen für Seminarschlüsse.

Zur Visualisierung von Diskussionen

Hier ist nur das Interview mit der Auftraggeberin eines Seminars zum Thema Moderieren + Präsentieren mitgeschrieben.

Diskussionen und Gespräche werden selten visualisiert. Da gehen dann viele Beiträge und Ideen verloren. Das Mitschreiben (vor allem für alle sichtbar) ist aber auch anspruchsvoll und bei sprunghaft geführten Gesprächen fast unmöglich. In dem Fall ist Mind-Mapping die einzige Chance. Ein Tipp zum Üben: Versucht doch am Anfang bei einer Talkshow mitzumappen!

Inhaltliche Vorbereitung/Stoffsammlung

Ein Vortrag, eine Präsentation zu einem neuen Thema steht an. Bevor ich an die Recherche gehe und mich in die Infoflut im Netz stürze, schaue ich mit Hilfe einer Mind-Map in meinem Kopf nach: Was finde ich denn da zum Thema? Welche Infos, aber auch welche Fragen habe ich? Der große Vorteil: Das Thema strukturiert sich bei diesem Vorgehen und diese Struktur hilft mir bei der folgenden Recherche.

Der Trainer*innenleitfaden als Mind-Map

Meine Leitfäden sind fast immer Mind-Maps, außer ich arbeite mit Kolleg*innen mit einer Mind-Map-Allergie, dann wähle ich die Tabellenform. Vorteile für mich: Manche Seminarbausteine habe ich schon x-mal gemacht. Da steht dann nur der Hauptast und die Zeit, ich weiß schon was da zu tun ist. Anderes ist neu. Da kann ich den Ablauf mit Nebenästen und Bildern im Detail aufschreiben. Auch praktisch: Ich habe alles auf einem Blatt. Das erleichtert das spontane Umplanen enorm, wenn wieder einmal die Zeit davongelaufen ist. Manchmal ist das Mind-Map auch Manuskript.

Mind-Maps als Feedback am Ende

Ich bereite Mind-Maps auf Pinnwänden vor. Es gibt nur Hauptäste mit den Punkten, zu denen ich Feedback haben möchte. Verständlichkeit. Verhältnis Theorie und Praxis. Zeitliche Gestaltung. Raum für Austausch, um nur ein paar Beispiel zu nennen. Die Teilnehmer*innen haben dann Zeit, allein oder zu zweit die Mind-Maps zu ergänzen. Wenn sie fertig sind, kann ich nachfragen, wenn mir etwas unklar ist. Großer Vorteil: Ich mach mir ein Foto von den Pinnwänden und orientiere mich bei der nächsten Planung am Feedback.

Mind-Maps zur Dokumentation

Oft sind das einfach gestaltete Mind-Maps, die neben den inhaltlichen Aspekten (Hauptästen) auch andere Punkte enthalten können (je nach Interesse z.B. Aktivität der Teilnehmer*innen, Atmosphäre, methodische Gestaltung ..) Es gibt aber auch künstlerisch gestaltete Mind-Maps, die intensiv mit Bildern arbeiten. Folgendes Beispiel zeigt eine Verbindung von Mind-Mapping mit Sketchnotes.

Das Bild ist Teil einer Dokumentation eines Trainer*innentreffens und wurde von Mike Meister gestaltet.

Weitere Anwendungen

Dasselbe als PDF. Da ist die Schrift auch der kleinen Äste lesbar.
  • Darstellung vieler Infos auf einem Blatt: Viele Details und Informationen führen in der Regel zu Unübersichtlichkeit. Bei Mind-Maps ist das anders. Die Struktur mit den Haupt- und Nebenästen erleichtert die Orientierung.
  • Ein ganz großes Anwendungsfeld ist der Bereich Lernen mit Mind-Maps: Dazu gibt es auch im Netz viele Anregungen. Mind-Mapping hat Einzug in viele Schulen und Universitäten gefunden. So sehe ich Mind-Maps in den Schulheften meiner 11-jährigen Enkelin und es gibt Universitäten, wo Student*innen Klausuren als Mind-Maps abgeben können. Auf der Website der Akademie für Lernmethoden findest du eine Auseinandersetzung mit dem Thema Mindmapping zum Lernen und Einprägen.
  • Mind-Maps als Hilfe für’s Feedbackgeben: Nach einem Unterrichtsversuch (Präsentation…) soll ich Feedback geben. Ich bereite ein Mind-Map vor mit Hauptästen, wozu ich auf alle Fälle Beobachtungen machen möchte (Körpersprache, Visualisierung, Geschwindigkeit, Verankerung…). Weil das nur einen kleinen Teil des Blattes einnimmt, habe ich Platz für alle anderen Beobachtungen. Aus der Fülle kann ich vor dem Feedback einfach auswählen (mit Farbe), was ich auch anspreche.
  • In mehrmoduligen Ausbildungsgängen mit teilweise wechselnden Teilnehmer*innen machen alle ein Mind-Map über sich selbst auf A3 mit Name und Portrait in der Mitte. Da steht dann mehr drauf als ein paar dünne Informationen. Die A3-Blätter werden in jedem Modul wieder ausgehängt.

Wer hat’s erfunden?

Tony Buzan

Tony Buzan, der 2019 76jährig starb, entwickelte in den 70er Jahren die Methode Mind-Mapping. Ausgehend von den eigenen Lernschwierigkeiten in verschiedenen Bildungseinrichtungen wollte er wissen, wie unser Gehirn funktioniert und wie wir damit am besten „umgehen“. In einem Interview erzählt er, wie er die Methode Mind-Mapping erfand. Seine ersten Mind-Maps sahen tatsächlich noch wie Landkarten aus. Das Mind-Map über sich stammt aus einem Auftritt bei den TED-Talks.

Mind-Map-Allergiker*innen

Es gibt Menschen, die können mit Mind-Mapping nichts anfangen und reagieren ablehnend bis allergisch. Das hängt mit unterschiedlichem Denken zusammen. Wer ganz logisch und geordnet denkt, sich einen Inhalt vornimmt und den Punkt für Punkt abarbeitet und das gedankliche Springen zu ganz anderen Aspekten und Inhalten als störend empfindet, wird nicht glücklich mit Mind-Mapping, empfindet das als Chaos und lässt die Finger davon. Diejenigen, die aber gerne in Gedanken springen, assoziativ denken und gedankliche Purzelbäume nicht scheuen, haben mit dem Mind-Mapping die passende Arbeitstechnik. Das heißt nicht, dass wir wegen der Allergie auf Mind-Maps ganz verzichten müssen. Gerade gut vorbereitete Mind-Maps, in denen ein komplexer Inhalt übersichtlich in einer Abbildung dargestellt wird, kommt auch linear-analytisch denkenden Menschen entgegen.

Mind-Maps digital und online

Programme für die digitale Erstellung von Mind-Maps gibt es in Hülle und Fülle. Katharina Nierhoff hat in diesem Blog einen sehr hilfreichen Beitrag veröffentlicht. Sie stellt drei kostenlose Mindmapping-Tools vor: MindMeister, padlet und draw.io. Das Schöne in dem Beitrag: Dasselbe Thema “Lerninhalte verankern” wird mit den drei Programmen und einem handgezeichneten analogen Mind-Map visualisiert (hier jeweils nur als Ausschnitt).

Jeweils die kompletten Mind-Maps: Analog und draw.io
Links mit MindMeister, rechts mit padlet

Ich habe bei Katharina Nierhoff nachgefragt, ob die Infos aus ihrem Beitrag noch alle aktuell sind. In ihrer Antwort gibt sie auch noch neue Tipps:

An sich ist das noch aktuell. Es ist sogar so: Was im Artikel eher eine Recherchearbeit war, nutzen wir mittlerweile noch viel intensiver. Wir haben gerade einen Blended Learning Kurs (für Erzieher*innen)… aufgesetzt, in dem eine Aufgabe in der Online-Phase ist, eine Mindmap mit draw.io zum Thema Medienkompetenz zu erstellen. Hintergedanke ist dabei auch, die Methode und das Tool kennenzulernen…..

Und dann fällt mir noch ein, wie ich für mich am liebsten Mindmaps mache: Mit der Notitzen- App am iPad, also ganz old school handschriftlich.

Vorteile von Mind-Mapping am Rechner

Die Ergebnisse sind ganz einfach dokumentierbar. Der Platz geht (fast) nie aus, weil das Programm Äste verschiebt. Es werden verschiedene Möglichkeiten angeboten, mit den Mind-Maps weiter zu arbeiten. Teilweise können auch mehrere Personen gleichzeitig an einem Mind-Map arbeiten. Das erst macht Mind-Mapping zu einem optimalen Tool für Online-Seminare. Wir haben aber auch in Video-Konferenzen Mind-Maps live per Hand erstellt. Jemand aus der Gruppe macht das Mind-Map analog auf Papier und dieser Prozess wird mit einer Dokumentenkamera oder einer auf das Blatt gerichteten Webcam aufgenommen und präsentiert. Die Teilnehmenden gestalten den Inhalt auf Zuruf wie bei einem Brainstorming.

Es gibt noch einen Grund, Mind-Maps für Online-Schulungen einzusetzen: Ich bringe viele Informationen auf eine “Seite”, mehr als bei vielen anderen Visualisierungsarten. Im Seminarraum kann ich Flipchart, Pinnwand und Beamer parallel nutzen, das geht in der Videokonferenz nicht. Das ist allerdings kein Freibrief für überladene Mind-Maps.

Autor: Ulli Lipp

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