#grumo_10: Teambuilding mit Abstand

Mit dem Start in die Herbstsaison haben unseren fünf Expert_innen für die Arbeit mit und in Gruppen weitere Erfahrungen gesammelt, was es bedeutet, unter den besonderen Bedingungen, die unseren Alltag momentan mit prägen, mit Gruppen zu arbeiten. Im aktuellen #grumo-Beitrag geht’s um den Umgang mit Abstandsregeln und unterschiedlichen Bedürfnissen und Rollen.

„Ich find das schwierig“ – Maria ist sichtlich frustriert. Nächste Woche soll ihr Lehrgang starten und sie bereitet gemeinsam mit Beate die Einheiten zum Teambuilding vor. „Wir müssen alles umplanen, die meisten Methoden, die wir normalerweise einsetzen, gehen nicht wegen der Abstandsregel und auf Diskussionen mit Maske bin ich auch schon gespannt.“ Nach und nach trudeln die anderen ein – ganz zum Schluss kommt auch Rudi, der sich bereit erklärt hat, seine Erfahrungen zu Teambuilding mit Abstand zu teilen. Er hatte letzte Woche schon die ersten Einheiten und nach anfänglichen Verwirrungen hat’s auch gut geklappt.

Ein Geschenk

„Ich weiß, du willst das jetzt nicht hören“, Rudi schaut Maria verschmitzt an, „aber irgendwie ist das Thema für den Gruppenstart fast ein Geschenk: alle sind betroffen, alle haben eine Meinung dazu, die Diskussion ist schnell recht emotional und man kann sich fast nicht nicht-positionieren.“ Maria verzieht skeptisch das Gesicht. „Ich weiß nicht, ich hab‘ eher das Gefühl, es macht alles etwas mühsamer – die Leute dürfen nicht herumgehen, und wenn, dann nur mit Maske, die Sessel stehen viel weiter auseinander und wenn was draußen stattfindet, ist die Akustik meistens so schlecht, dass sich alle schwer tun mit dem Zuhören.“ Rudi räumt ein, dass seine Bedingungen ausnehmend gut waren. Das Gespräch über die aktuelle Situation hat die Gruppe gleich einen Riesenschritt näher zueinander gebracht. „Es war einfach recht viel Offenheit über Ängste, Frustrationen und Befürchtungen auf ganz vielen verschiedenen Ebenen da“, teilt er seine Beobachtung den anderen mit. 

Unterschiedliche Bedürfnisse, unterschiedliche Verantwortlichkeiten

Bedürfnisse abfragen

Paul schaltet sich ein: „Also, ich hab‘ mein Seminardesign eigentlich nicht wirklich geändert: Kennenlernübungen und Kleingruppenübungen hab‘ ich genau so wie immer abgehalten. Ich hab‘ den Leuten nur mehr Zeit gegeben, sich in gebührendem Abstand zu finden oder – wenn sie an die Pinnwand rausgekommen sind – darauf geachtet, dass der Abstand zwischen ihnen groß genug ist. Aber das hat alles eigentlich gut funktioniert. Die Maske konnten sie am Sitzplatz abnehmen, daher waren Diskussionen auch in normalem Rahmen möglich.“ Er zuckt mit den Achseln: „Es hat alles ein bisschen länger gedauert, aber als dann die Routine drin war, hatten wir Corona fast vergessen.“ 

Yasmine hat noch nicht viel gesagt an dem Abend, jetzt meldet sie sich auch zu Wort. „Ich hab‘ schon das Gefühl, dass die Teilnehmer_innen unsicherer sind, wie sie sich verhalten sollen. Ich hab in der Erwartungsklärung klar gemacht, dass sie sich auch überlegen sollen, was sie brauchen, um sich beim Arbeiten miteinander sicher zu fühlen. Da sind halt die Bedürfnisse recht unterschiedlich. Nachdem das dann geklärt war, hatte ich den Eindruck, es läuft eigentlich ganz rund. Ich hatte da auch gleich die Gelegenheit, meine Position klar zu machen.“ Es entbrennt eine etwas aufgebrachte Diskussion, weil Maria meint, sie hat keine Lust, die Teilnehmer_innen dauernd  auf Abstandsregeln und Maskenpflichten aufmerksam zu machen. Rudi meint, dass er sich da schon zuständig fühlt dafür. Nach einigem Hin und Her einigen sie sich drauf, dass es wohl einfach wichtig ist, die eigene Rolle klar zu kommunizieren. Und je nachdem, ob man dann noch Vertreter_in des Veranstalters ist, oder zugebuchte Trainer_in, ist die Rolle wohl auch noch etwas anders angelegt.

Wie mit einer Hand Teig kneten

Beate und Maria haben jetzt schon ein bisschen mehr Plan, wie sie ihr Seminar anlegen wollen und Maria ist nicht mehr ganz so verzagt, wirkt aber immer noch etwas deprimiert. „Wisst ihr“, sagt sie schließlich, „ich hab‘ einfach Angst, dass meine Art zu trainieren so nicht mehr funktioniert. Ich fühl‘ mich in einer Gruppe wie ein Fisch im Wasser. Ich komme gerne mit den anderen in Kontakt und brauch‘ für meine Arbeit viel Mimik, Körpersprache, Rückmeldung und Interaktion. Ich lauf‘ gerne in den Kreis hinein und plaudere und scherze in der Kaffeepause mit den Teilnehmer_innen. Jetzt hab‘ ich den Eindruck, davon ganz vieles nicht zur Verfügung zu haben. Es ist wie mit einer Hand Teig kneten: ein bisschen mühsam und nicht ganz so produktiv.“ Die anderen nicken zustimmend. Alle fünf haben sich schon darüber Gedanken gemacht, was das jetzt für die Zukunft ihres Berufes heißt, wenn sich die Situation nicht wieder ändert, sondern Abstandsregeln noch länger notwendig sind.

Kreativ adaptieren

Beate lenkt das Gespräch wieder auf den geplanten Seminareinstieg: „Wir machen das schon. Viele Methoden kann man adaptieren, wenn man ein bisschen kreativ ist,“ meint sie und weist auf zwei Beiträge im REFAK Blog hin, der eine zu Methoden mit Abstand und der andere zu Lernen mit Abstand. „Ich glaub, es ist auch wichtig, den Teilnehmer_innen unsere Situation zu erklären. Die meisten haben sich vielleicht gar keine Gedanken dazu gemacht, dass es für uns eine neue Herausforderung ist, Teambuilding mit Abstand anzuleiten.“ Maria und Beate versprechen, beim nächsten Mal kurz zu berichten, wie der Lehrgangsstart für sie gelaufen ist. „Ich wollte euch auch noch über ein schräges Erlebnis erzählen, das ich vor Kurzem bei einem  Gruppencoaching hatte“, meint Paul, als die anderen schon fast beim Verabschieden waren. „Aber verschieben wir das einfach auf unser nächstes Zusammentreffen. Vorab schon soviel“, verrät Paul „es hat etwas mit Hierarchien innerhalb von Gruppen zu tun.“ Die anderen sind neugierig geworden und freuen sich umso mehr aufs nächste Mal.

Autorinnen: Gerda Kolb und Irene Zavarsky

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