#visdo_35 – Selbststudium

Wann beginnt das Seminar und wann ist es zu Ende? Wie gehe ich mit heterogenen Gruppen um, in denen die Teilnehmer*innen verschiedenes Vorwissen mitbringen oder wo das Lerntempo in der Gruppe sehr stark variiert? Wie gebe ich motivierten Teilnehmer*innen die Möglichkeit, Themen eigenständig zu vertiefen?

Die Antwort auf all diese Fragen ist: Selbststudium. Das selbständige Erarbeiten von Inhalten bringt viele Vorteile für die einzelnen Teilnehmer*innen sowie auch für den/die Vortragende*n und die Gruppe als Ganzes. Wie das genau gemeint ist und was es konkret bedeutet? Schauen wir es uns im Detail an.

Einsatzmöglichkeiten vor, nach und während dem Seminar

Bei der Planung von Seminaren und Webinaren kann man, noch bevor es losgeht, überlegen, ob und wenn ja, wann man Selbststudien-Elemente zur Verfügung stellen möchte. Hier ein paar Ideen:

Vor dem Seminar

  • Alle Teilnehmer*innen auf gleiches Level bringen: 
    Unterlagen zur Verfügung stellen, um Unterschiede im Wissensstand bei den Teilnehmer*innen auszugleichen. So kann man bei Seminarstart dann davon ausgehen, dass die Grundlagen bei allen bekannt sind und gleich ins eigentliche Thema einsteigen.
  • Erwartungen / Wünsche abfragen:
    Im Rahmen des Selbststudiums können auch Wünsche und Erwartungen an das Seminar abgefragt werden. So weiß der/die Trainer*in bereits vor Seminarbeginn, welche Themen für die Teilnehmer*innen besonders relevant sind und die Teilnehmer*innen haben sich beim Sammeln der Wünsche und Erwartungen damit auseinandergesetzt, was sie zu dem Thema schon an Wissen mitbringen und wo sie gerne noch mehr erfahren oder konkrete Fragen stellen wollen.
  • Vorwissen auffrischen:
    Wenn zwischen zwei Workshop-Terminen mehrere Wochen liegen, macht es Sinn, die Inhalte aus dem ersten Teil vor Beginn des zweiten Teiles nochmals in Erinnerung zu rufen.
  • Diskussionsgrundlage schaffen:
    Bevor es losgeht, können interessante (und gerne auch kontroverse) Zeitungsartikel, Praxisbeispiele, Fachartikel oder Videos bzw. Podcasts vorgestellt werden, die dann im Seminar besprochen werden.

Während des Seminars

  • Methoden Abwechslung:
    Das Selbststudium ist eine gute Abwechslung zu Frontalvortrag und Gruppenarbeiten.
  • für „Schnelle“:
    Weiterführende und vertiefende Inhalte können Teilnehmer*innen, die den regulären Stoff besonders schnell durchgearbeitet haben, das Warten auf den Rest der Gruppe verkürzen.
  • Hausübung:
    Eigenständig etwas auszuarbeiten ist eine gute Möglichkeit, um theoretisches Wissen auf ein Praxisbeispiel anzuwenden und kann sowohl im Seminar selbst als auch zwischen zwei Seminarteilen eingesetzt werden.
Beispiel 1: Links und Hausübung fürs Selbststudium (in miro)

Nach dem Seminar

  • Vertiefung / weiterführende Inhalte (Bücher, Links):
    Für interessierte Teilnehmer*innen sind Links zu spannenden Fachartikeln und Buchtipps immer eine gute Quelle, um sich auch nach dem Seminar weiter mit dem Thema auseinanderzusetzen.
  • Spezialthemen, die im Seminar keinen Platz hatten:
    Manchmal gibt es einzelne Teilnehmer*innen, die sich für Themen interessieren, die für den Rest der Gruppe nicht relevant sind oder die im Rahmen des Seminares keinen Platz finden. Hier besteht die Möglichkeit, nach dem Seminar Unterlagen anzubieten, die die offenen Fragen der Teilnehmer*innen beantworten.
  • Tipps und Tricks für Fortgeschrittene:
    Inhalte, die dem/der Trainer*in spannend erscheinen, die aber im Seminar selbst keinen Platz finden (meistens aus Zeitgründen), sind perfekt dazu geeignet, um nach dem Seminar in die Selbststudien-Unterlagen einzufließen. 
Beispiel 2: Lernvideos, Tipps und Tricks und Buchempfehlungen (in miro)

Die Wahl der Plattform

Bei der Planung des Selbststudiums für die Teilnehmer*innen sollte man sich auch gleich darüber Gedanken machen, wo bzw. wie man die Materialien zur Verfügung stellen möchte. In Frage kommen mehrere Optionen:

  • E-Mail und Cloud Storage (Dropbox, Google Drive):
    Technisch einfach umzusetzen, gut geeignet, um Inhalte zu verschicken, jedoch nicht für interaktive Methoden.
  • Digitales Whiteboard (wie zum Beispiel miro):
    Sehr gutes Tool, um Inhalte zur Verfügung zu stellen und diese auch gemeinsam mit der Gruppe zu bearbeiten. Interaktion wird gefördert und Teilnehmer*innen können auch eigene Dokumente hochladen.
  • Padlet:
    Gratis online Tool mit dem Inhalte geclustert werden können.
  • Lernplattform (Intranet, Homepage, Moodle, MS EduTeams…):
    Wenn eine Lernplattform bereits vorhanden ist, kann man diese nutzen, um Inhalte für das Selbststudium zu verwalten.

Die Inhalte

Bei den Inhalten empfiehlt es sich, auch beim Selbststudium auf einen guten Methodenmix zu achten. Abwechslung erhöht das Interesse bei den Teilnehmer*innen und lockert auch komplexe Themen auf. Es gibt viele Möglichkeiten:

  • Videos: YouTube Links oder eigene Lernvideos
  • Links: Internetseiten mit passenden Inhalten
  • Buchtipps: Literaturempfehlungen
  • Texte: Fachartikel, selbstgeschriebene Texte, relevante Zeitungsartikel,…
  • Bilder: Fotos oder Illustrationen zu dem Thema
  • Audio: Podcasts, selbsterstellte Audiofiles, Radiosendungen

Interaktion

Teil des Selbststudiums können auch interaktive Elemente sein, wie zum Beispiel:

  • Punkteabfrage: wie sehr hast du dich mit dem Thema schon theoretisch bzw. praktisch auseinandergesetzt? 
  • Post-it Kärtchen: Sammeln von Ideen im Rahmen eines Brainstorming, als Fragensammlung und Zusammenstellen von Praxisbeispielen.
  • Hausübung: Teilnehmer*innen laden Videos oder eigene Texte hoch und können Fragen stellen, Sammeln von Highlights (was hat mir gut gefallen) und Anmerkungen (wo gibt es noch etwas zu ergänzen).
Beispiel 3: Punktabfrage (in miro)

Vorteile des Selbststudiums

Das Selbststudium ist ein großartiges Tool, wenn man mit heterogenen Gruppen arbeitet (Gruppen, in denen die Teilnehmer*innen verschiedenes Vorwissen mitbringen oder wo das Lerntempo in der Gruppe variiert). Es hilft den Teilnehmer*innen dabei, Inhalte zu vertiefen. Durch die längere Beschäftigung mit dem Lernstoff (nicht nur während, sondern auch vor oder nach dem Seminar) mit dem Lernstoff, wird dieser leichter und länger gemerkt und der Transfer in die Praxis gefördert.

Autorin: Lana Lauren

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