#visdo_21 – Digitales Zeichnen

Wenn es nicht Papier sein soll

visdo #18 ist der Frage nachgegangen, wie man Bilder, die man auf Papier gezeichnet hat, digitalisieren kann. Wir haben über Scanner und Apps gesprochen und festgestellt, dass es garnicht so kompliziert ist, analog gezeichnete Bilder zu digitalisieren. Was ist aber, wenn man diesen Umweg nicht gehen will? Gibt es Möglichkeiten Bilder direkt digital zu erstellen und zu bearbeiten? Klar, gibt‘s die! Schauen wir sie uns im Detail an…

Vektor vs. Pixel

Bevor ich zu Software und Hardware komme, noch kurz etwas Theorie. Um den Unterschied zwischen bestimmten Programmen zu erklären, muss man verstehen, was der Unterschied zwischen Vektoren und Pixel ist. Vektoren sind Kurven. Diese Kurven ermöglichen es uns, Bilder so klein zu machen wie eine Briefmarke oder so groß wie ein Haus und in beiden Fällen eine gute Bildqualität zu haben. Das bedeutet, egal wie groß ich ein Vektor-Bild mache, es wird nie unscharf. Pixel dagegen sind Bildpunkte, aus denen sich ein Foto beispielsweise zusammensetzt. Ein pixelbasiertes Bild besteht also nicht aus Kurven, sondern aus vielen kleinen Bildpunkten. Und daher kann man Pixel-Bilder auch nicht beliebig groß machen. Denn ab einer bestimmten Größe, sieht man diese Punkte und das Bild wirkt dann unscharf oder eben „verpixelt“.

Wenn Vektoren so praktisch sind, warum ist dann nicht jedes Bild ein Vektor? Nun, das hat mehrere Gründe. Einer ist, dass Bilder aus der realen Welt (also Fotos und Scans) in Pixeln aufgenommen werden. Vektoren dagegen müssen in einem eigenen Programm erstellt und in einem geeigneten Dateiformat exportiert werden.

Zeichnen am Tablet

Heutzutage sind Tablets weit verbreitet und die meisten unterstützen auch Eingabestifte, mit denen es sich zeichnen lässt. Gut zum Zeichnen geeignet sind Stifte mit einer dünnen Spitze und am besten jene, die Drucksensitiv (wenn man fest aufdrückt, wird die Linie dicker, wenn man sanft aufdrückt dünner) sind. Ich persönlich zeichne mit einem iPad und einem Apple Pencil – es gibt aber von verschiedenen Firmen Stifte und Tablets, mit denen man gute Ergebnisse erzielen kann. Welche Software man dazu verwenden kann, habe ich hier zusammengefasst:

Zeichentablets

Viele Profis nutzen eigene Zeichentablets. Auch diese sind mittlerweile ganz erschwinglich geworden. Zeichentablets sind keine Alleskönner wie Tablets (das iPad oder das Windows Surface zum Beispiel), sondern sind, wie der Name schon sagt, zum Zeichnen gedacht. Klassische Zeichentablets haben keinen Bildschirm. Man kann sie sich wie ein großes Trackpad vorstellen (das ist das Teil unter der Tastatur am Laptop, das man als Maus benutzt), das man mit einem Stift bedient. Neuere (und teurere) Modelle bieten mittelerweile aber auch eine Bildschirmfunktion an, sodass man direkt auf dem Bildschirm zeichnen kann.

Wozu man ein Zeichentablet braucht? Nun, das Gefühl des Stiftes auf der Oberfläche ist ein ganz anderes als bei den klassischen Tablets, wo hartes Plastik auf Glas trifft. Die Stifte sind genauer und die Software, die man am Computer zur Verfügung hat, ist nach wie vor leistungsstärker als die Programme auf iPad und Co. Wenn man sich der Illustration beruflich widmen will, ist ein Zeichentablet eine der besten Investitionen, die man tätigen kann. Für HobbyzeichnerInnen und jene, die für die Arbeit ab und zu Bilder digital erstellen wollen, halte ich ein Tablet aber für mehr als ausreichend.

Vorteile digitaler Bilder

Wenn wir die richtige Hard- und Software gefunden haben, bleibt immer noch die Frage: Wozu das alles? Tut es Papier und Stift nicht auch? Nun, das digitale Zeichnen hat einige Vorteile:

  • Fehler lassen sich im Handumdrehen rückgängig machen und korrigieren (das spart Zeit und Nerven)
  • Man kann Farben ganz exakt wählen (zum Beispiel ein Bild in der Logofarbe der Organisation kolorieren)
  • Vektorbilder lassen sich beliebig groß drucken (für Plakate beispielsweise)
  • Der Hintergrund des Bildes kann rein weiß oder transparent eingestellt werden
  • Fotos lassen sich mit Zeichnungen und Texte ergänzen
  • Viele Softwareprogramme bieten spannende Effekte (Verläufe, Spezialpinsel, Muster,…) an
  • Man kann (wenn das Bild richtig angelegt wurde) auch nachträglich leicht Änderungen vornehmen (Farben tauschen, Elemente dazuzeichnen oder entfernen)

Gerade in der heutigen Zeit, wo fast alles digital ist, finde ich, dass analoge und handgemachte Dinge einen besonderen Charme haben. Das Arbeiten mit den Händen, mit Farben, Stiften und Papier, lässt sich – zumindest was mich betrifft – mit keinen noch so tollen Gerät ersetzen. Es gibt aber viele Fälle, wo es effizienter, schneller, einfacher oder sinnvoller ist, digital zu arbeiten, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen. Ich hoffe, ich konnte euch diese Woche ein paar Tipps geben, die euch den Einstieg dazu erleichtern.

 

Autorin: Lana Lauren

Anmerkung zum Thema Soft- und Hardware:
Jede Woche kommen neue Geräte auf den Markt, alte verschwinden und es gibt ständig neue Software Updates. Daher kann ein einmalig erstellter Blogbeitrag nie das gesamte vorhandene und zukünftige Angebot an Soft- und Hardware auflisten. Die hier genannten Optionen sind als Hilfestellung gedacht und sollen erste Orientierung geben. Ergänzt gerne in den Kommentaren, wenn ihr findet, dass ich etwas Wichtiges ausgelassen habe und erkundigt euch vor einem Einkauf, was es Neues gibt.

Creative Commons Lizenzvertrag
Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Nicht-kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz.

Print Friendly, PDF & Email

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.