#thedi_16: Lernen, Neoliberalismus und Einsamkeit

Foto: Wien, S.V.

„In my solitude, You haunt me, With dreadful ease, Of days gone by“
Billie Holiday

Schneller, höher, weiter, effizienter, länger… Der Neoliberalismus fordert uns heraus, die täglichen „Challenges“ anzunehmen – schneller zu arbeiten, mehr zu arbeiten, länger zu arbeiten, billiger zu arbeiten… Weil der Standort es fordert, weil die Wirtschaft mehr Profit braucht, weil die anderen bereit sind so billig zu arbeiten… Und alle gegeneinander.

Der neoliberale Alltag und die durch den Neoliberalismus definierten sozialen Beziehungen prägen uns und ermöglichen eine neue psychologische Ökonomie, die sich durch ein beispielloses Gefühl der Einsamkeit auszeichnet (vgl. Lesetipps). Depression, Burn-Out, Einsamkeit sind die Folgen und die Zeitungen sind voll mit Berichten davon. Wollen wir das? Und können wir das noch lange?

Individualisierung – Konkurrenzierung – Vereinsamung

Ist der radikale und neoliberale Individualismus mit seiner gewalttätigen Verhinderung des kollektiven Denkens und der Behinderung jeglicher Praxis der Kollektivität, mit der brutalen und zwingenden „Wahlfreiheit“ von Nebensächlichkeiten, der autoritären Vorschreibung, wie wir denn frei zu sein haben, ist dieser neoliberale Indiviudalismus wirklich hegemonial und ohne Alternative?

Ist die rücksichtslose Betonung, alle seien gleich, egal ob Obdachloser, Migrantin oder Milliardär, und Unterschiede wären auf Leistungsunterschiede zurückzuführen und somit verdient, hegemonial? Können wir uns modernen ökonomischen Kalkülen in ihrer Verwobenheit mit neoliberalen Strategien eines Umbaus der Gesellschaft entziehen? Die Forderung oder Anrufung, lebenslang die eigene, neoliberale Freiheit in Bildungsprozessen zu realisieren, ist ein Kern dieses Umbaus. Wir leben in einer Gesellschaft, die fordert, alle müssten zu UnternehmerInnen ihrer selbst werden – unter Bedingungen, die diese dubiose Berufung unmöglich machen.

Wir müssen wieder lernen zusammenzuarbeiten, uns auf das Wichtige zu konzentrieren und uns nicht im Alltag aufzureiben in einer Spirale des „besser als die anderen“. Nicht besser als die anderen sondern mit den anderen, gegen die Verhältnisse, die uns einsam machen!

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Autor: Stefan Vater

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