Seminardokumentation: Hilfe! Wohin mit dem ganzen Inhalt?

Seminarinhalte abspecken und ansprechend vermitteln

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27.-29.05.2019
Trainerinnen: Anja Centeno Garcia, Irene Steindl

Viel Stoff, aber zu wenig Zeit? Bei den TeilnehmerInnen bleibt wenig hängen? Zu viel Stoff verstopft den Durchblick und schmälert den Lernerfolg. Dieses Seminar schafft definitiv Abhilfe.

Das Programm im Überblick

  • „Mein Inhalt und ich“ – Vorstellrunde mit Storycubes
  • In eigenen Inhalten schwelgen („3 Brillen“, Fachlandkarte, Elevator Pitch)
  • Die Zielgruppe im Blick (der/die fiktive TeilnehmerIn, TV-Interview)
  • Interaktive Inputs zu Wahrnehmungs- und Lernpsychologie
  • Inhalte strukturieren, reduzieren und vermitteln (Kaffee-ABC, Leiter der Abstraktion, Siebe der Reduktion)
  • Arbeit an eigenen Materialien und kollegiale Fallberatung
  • Feedback in Kleingruppen

Wir „schwelgen“ in eigenen Inhalten

Nach einer Vorstellrunde unter dem Schlagwort „Mein Inhalt und ich“ und einer ersten Reflexionsrunde über die eigenen Inhalte, stellt Anja das von ihr erarbeitete Modell der „3 Brillen“ vor:

Der Blick auf die Inhalte erfordert 3 Brillen:
1. Fachliche Brille: Struktur und Bedeutung der Inhalte
2. Didaktische Brille: Bedeutung der Inhalte für das Lernen und/oder die berufliche Praxis
3. Pragmatische Brille: Blick auf Ziele, Zielgruppe und Zeitbudget des Seminars

Eine Teilnehmerin fragt: „Steht nicht die Zielgruppe am Anfang jeder Seminarplanung?“ Das ist zwar oft der Fall, aber nicht empfehlenswert. Es lohnt sich, die Inhalte (immer wieder) neu unter die Lupe zu nehmen. Oder „darin zu schwelgen“, wie Anja sagt. Sind die Inhalte in der Form noch aktuell? Relevant? Welche Bedeutung haben sie für die Gegenwart/die Zukunft?

Die TeilnehmerInnen beleuchten ihre Inhalte durch die verschiedenen Brillen und visualisieren sie anschließend in Form einer Fachlandkarte. Wo sind Gipfel und Täler der Inhalte? Was liegt nah am Thema, was weit weg? Wie stehen die Inhalte zueinander? Hier geht es weder um Kreativität, noch um zeichnerisches Können. Sondern darum, ein Gefühl für die eigenen Inhalte zu entwickeln.

Die Methode „Fachlandkarte“ kann man u.a. bei Martin Lehner oder hier nachlesen.

Mit dem Elevator Pitch bringen die TeilnehmerInnen ihr Seminarangebot ansprechend auf den Punkt – und präsentieren es in max. 60 Sekunden. Für wen ist das Angebot? Was ist das Besondere daran? Wie kommt die Vermittlung bei den anderen an?

Fazit: Beim Vermitteln ist es wichtig, klar zu kommunizieren. Präsentationen mit gutem Blickkontakt, bildhafter Sprache, konkreten Beispielen, Fragen und einer logischen Struktur bleiben besonders gut in Erinnerung.

Die Zielgruppe im Blick

Wie heißt es so schön? „Wer an alle denkt, denkt an niemanden!“ Wer ein Seminar, einen Vortrag oder eine Veranstaltung plant, skizziert am besten eine fiktive Teilnehmerin/einen fiktiven Teilnehmer. Je konkreter wir diese „Persona“ vor Augen haben, umso leichter fällt es uns, auf ihre Bedürfnisse einzugehen. Diese Fragen helfen dabei:

  • Warum besucht er/sie das Seminar?
  • Was wünscht er/sie sich?
  • Wie möchte er/sie Wissen vermittelt bekommen?
  • Was wird er/sie im Alltag umsetzen?
  • Was weiß er/sie nach 1 Jahr noch? …

Aus der Wahrnehmungs- und Lernpsychologie

Wenn wir Inhalte auswählen, strukturieren und reduzieren wollen, ist das kein rein sachliches Spiel mit unterschiedlich großen Blöcken. Damit wir sinnvoll entscheiden können, lohnt sich ein Blick auf wahrnehmungs- und lernpsychologische Aspekte. Das haben wir im Seminar mit Hilfe eines kurzen PowerPoint-Vortrages getan. Wer sich für Fragen des Erinnerns und Vergessens interessiert, findet hier Informationen.

Das Fazit der Teilnehmenden nach dem Input

Inhalte strukturieren, reduzieren, vermitteln

Stell dir vor, du hast 5 Minuten Zeit, um 18 Wiener Kaffeespezialitäten ansprechend zu vermitteln? Wie gehst du vor? Welche Inhalte wählst du aus? Was ändert sich, wenn du die Kaffeespezialitäten einer Milchallergikerin, einem Italiener oder einem Kind vermitteln willst?
Es geht nun also darum, Inhalte zu strukturieren, zu reduzieren und anschaulich aufzubereiten. In Kleingruppen haben sich die TeilnehmerInnen an die Arbeit gemacht und Anja und Irene mit genialen Einfällen überrascht.

Wer das gerne ausprobieren möchte … hier gibt’s die Kaffeespezialitäten à la carte:

Nach der Idee von Martin Lehner, in: Viel Stoff – wenig Zeit. Wege aus der Vollständigkeitsfalle, 2011

 Apropos Vermittlung …

Gerade abstrakte oder komplexe Inhalte sind oft schwer zugänglich. Lassen wir TeilnehmerInnen daher nicht zu lange im Meer der Abstraktion schwimmen. Schaffen wir „Inseln der Verständlichkeit“ – durch konkrete Beispiele, Erfahrungen aus dem Alltag, Anekdoten, Transferübungen, etc. Je komplexer die Materie, umso mehr Inseln braucht es zum Erholen und Verstehen.

„Intelligenz ist die Kunst, das Komplizierte auf das Einfache zu reduzieren, nicht umgekehrt.“ (André Comte-Sponville)

Jetzt heißt es: Loslassen!
Angenommen, für den Vortrag oder das Seminar steht nur die Hälfte der Zeit zur Verfügung. Oder noch weniger. Welche Inhalte bleiben übrig? Mit den „Sieben der Reduktion“ (nach Martin Lehner) nehmen die TeilnehmerInnen ihre Inhalte nochmal genau unter die Lupe.
Je kürzer die verfügbare Zeit, umso größer die Gefahr, in eine Vortragsdidaktik zu verfallen. Aber auch bei wenig Zeit gilt: Inhalte exemplarisch wählen und so vermitteln, dass die Lernenden auch lernen können. Weniger ist mehr!

Viel Zeit haben nun die TeilnehmerInnen, um ihre Inhalte auszusieben und an eigenen Materialien zu arbeiten: Ein Seminar auf neue Beine stellen, PowerPoint-Folien ausmisten, einen Vortrag mit lebendigen Inhalten entwickeln. Mit kollegialer Fallberatung, einer „Ordination“ durch Anja und Irene und anschließendem Feedback in Kleingruppen.

Hier zum Herunterladen noch ein paar hilfreiche Fragen zur Auswahl der Inhalte:

Lesetipps zum Vertiefen

  • Lehner, Martin (2012): Didaktische Reduktion. Bern: Haupt.
  • Lehner, Martin (2011): Viel Stoff – wenig Zeit: Wege aus der Vollständigkeitsfalle. 3. Aufl. Bern: Haupt.
  • Ritter-Mamczek (2011): Stoff reduzieren. Methoden für die Lehrpraxis. Opladen: Barbara Budrich.

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