Online Seminardokumenation: Klein, aber oho

Potentiale von Kleingruppenarbeit erkennen und nutzen

10.- 12. November 2020
TrainerInnen: Peter Hofmann und Margret Steixner

Kleingruppenarbeiten werden oft eingesetzt und sind weder aus der Erwachsenenbildung noch aus der gewerkschaftlichen Arbeit wegzudenken – zuletzt auch immer öfters in virtuellen Umgebungen. Manchmal stößt das Arbeiten in Kleingruppen aber auch auf Widerstand oder wird als inoffizielle Pause nur halb ernst genommen. Das kann daran liegen, dass Ziele fehlen oder zu unklar sind. Wir befassen uns in diesem Seminar eingehend mit der Frage, wie Lernen und Zusammenarbeiten in Kleingruppen – virtuell oder in Präsenz – so gestaltet werden kann, dass bereichernde Diskussionen entstehen sowie konkrete Ergebnissen erzielt werden.

Konkret geht es um folgende Aspekte:

  • Wie können Gruppenarbeiten strukturiert geplant und optimal umgesetzt werden?
  • Welche Rolle spielt die Klarheit von Arbeitsaufträgen und wie können diese formuliert werden?
  • Mit welchen Methoden kann man Kleingruppenarbeit interessant und wirksam gestalten?
  • Wie können Ergebnisse gut in die Gesamtgruppe eingebracht werden?
  • Welche gruppendynamischen Aspekte sind bei Kleingruppen zu beachten und wie können sie gesteuert werden?

Das Programm

Die 2,5 Seminartage strukturierten sich entlang der drei großen Themenblöcke:

  • Formen von Gruppenarbeiten und Formulieren von Arbeitsaufträgen,
  • Methoden für Kleingruppenarbeit – online und Präsenz,
  • Sozialformen und Gruppendynamik

Der Aufbau der drei Seminartage orientiert sich an einer sich wiederholenden Struktur. Zum Start und Abschluss gibt es jeweils einen Austausch in der Gesamtgruppe. Dazwischen gibt es eine Aufgabe, die im Selbststudium und eine, die in einer Gruppenarbeit bearbeitet wird.

TAG 1: Orientierung schaffen und inhaltlich einsteigen

Wir starten mit einer Vorstellrunde, die im Online Setting mindestens so wichtig ist, wie im Präsenzseminar. Nach diesem ersten Block steigen wir inhaltlich ins Thema ein. Wir sammeln zunächst Fragen, die im Seminar beantwortet werden sollen und dokumentieren diese auf einem padlet, auf dem auch die Links zu allen weiteren padlets zu finden sind.

Diese erste praktische Aufgabe ist auch Grundlage für eine erste Selbstreflexion, in der das Gruppenerleben unter die Lupe genommen wird. Folgende Leitfragen werden gestellt:

  • Wie habe ich die unterschiedlichen Gruppengrößen erlebt?
  • Wann habe ich mich wohlgefühlt?
  • Wann konnte ich mich gut einbringen?
  • Was hat dazu beigetragen?
  • Was habe ich als störend empfunden?

TAG 1: Arbeitsaufträge formulieren

Bevor wir in das Thema der Arbeitsaufträge eintauchen, versuchen wir, anhand eines Rasters, unser Verständnis von Gruppenformen zu erweitern. Wir unterschieden

  • Brainstorming-Gruppen
  • Reflexions-Gruppen
  • aufgabenorientierte Gruppen
  • Beratungsgruppe
  • Arbeitsgruppe

und erarbeiten gemeinsam verschiedene Bedingungen, die nötig sind, um diese Formen von Gruppenarbeit erfolgreich umsetzen zu können (z.B. ideale Gruppengröße, Ort, Aufgabenbeschreibung, Ergebnispräsentation).

https://padlet.com/interculturalperspectives/qndsovtt0cr48cgw

Im zweiten Teil des Nachmittags beschäftigten wir uns mit der Frage, wie Arbeitsaufträge klar, konkret und anregend formuliert werden können. In Kleingruppen werden Arbeitsaufträge formuliert. Mithilfe einer Checkliste geben die anderen Gruppen Feedback zur Klarheit und Machbarkeit.

https://padlet.com/interculturalperspectives/nmy5wc85p5477943

Mit einer Diskussion und einer Reflexion, in der auch das Gruppenerleben einbezogen wurde, beenden wir den ersten Tag.

TAG 2 : Methoden für Kleingruppenarbeit

Den zweiten Tag des Seminars nutzen wir für eine intensive Auseinandersetzung mit Methoden. Dabei orientieren wir uns an einer von den TrainerInnen vorgeschlagenen Kategorisierung von Methoden und starten mit einem Brainstorming mithilfe von Flinga.

Brainstorming zu Methoden für Gruppenarbeiten:

Wir beginnen mit einem Brainstorming in zwei Gruppen und kommen schnell zu einer eindrücklichen Sammlung. Die jeweiligen Methoden werden einander erklärt und nochmal hinterfragt, welche sich besonders für das Arbeiten in Kleingruppen eignen.

https://flinga.fi/s/FLGL9T2

Die TeilnehmerInnen ordnen sich einer Kategorie zu, die für ihren Einsatzbereich spannend ist und nutzen die Selbststudiumszeit für eine eingehende Methodenrecherche.

Das Ergebnis der Methoden-Recherche ist eine sehr ertragsreiche Ernte:

https://padlet.com/interculturalperspectives/gavqkxxu1tw23f50

Am Nachmittag werden diese Methoden noch konkreter ausgearbeitet und dann in der Gruppe durchgeführt. So kommen wir in den Genuss, spannende Methoden zu erleben, die auch im Online-Setting genutzt werden können.

TAG 3: Sozialformen, Gruppendynamik und Abschluss

Am letzten Tag widmen wir uns der Frage, welche Dynamik in Kleingruppen entstehen und wie diese beobachtet, reflektiert und eventuell auch gesteuert werden kann. Wir starten mit ein paar gängigen Modellen zum Verstehen von Gruppenprozessen und gehen kurz auf die Soziodynamische Grundformel, die von Raoul Schindler (1956) entwickelt wurde, ein. Auch das Tuckmann-Modell (1965) der Gruppenentwicklung darf nicht fehlen. Diese Modelle helfen uns, ein Grundverständnis für Dynamiken in Gruppen zu bekommen.

Im Anschluss widmen wir uns dem Thema Sozialformen und den Phänomen, die wir bei Gruppenarbeiten häufig erleben.

5 Phänomene in Gruppenarbeiten nach Renkl, Gruber & Mandl (1995)

Der-Hans-der-macht’s-dann-eh-Phänomen (auch free-rider-Effect):

Die Arbeit wird denjenigen Gruppenmitgliedern überlassen, denen es wichtig ist, ein gutes Ergebnis zu erzielen. Aufgrund der Schwierigkeiten der Kooperation in einer Lerngruppe, sinkt die Kooperationsbereitschaft für weitere Gruppensituationen.

Ja-bin-ich-denn-der-Depp-Phänomen (auch succer-Effect):

Es kann als Folge des free-rider-Effects gesehen werden. Diejenigen, die die Hauptlast der Arbeit tragen, werden zunehmend verärgert und verlieren die Motivation für das Projekt.

Da-mach-ich-es-doch-gleich-lieber-selbst-Phänomen (Matthäus-Effekt oder Scheren-Effekt):

TeilnehmerInnen mit höherer Motivation und besseren Eingangsvoraussetzungen übernehmen oft die Hauptarbeit, da ihnen die Beiträge der anderen Gruppenmitglieder nicht gut genug sind oder es ihnen zu langsam vorangeht. Die „kompetenten“ TeilnehmerInnen arbeiten also mehr und lernen daher mehr als ihre KollegInnen.

Das-kann-und-mag-ich-nicht-mach-du-Phänomen (intrapersonaler Matthäus-Effekt):

Die Arbeit wird oft so aufgeteilt, dass diejenigen, die etwas Bestimmtes können, auch diese Arbeit ausführen. In dem Gebiet, das sie bereits können, vertiefen sie ihre Kenntnisse, was sie nicht können, lernen sie auch nicht.

Ich-habe-meinen-Teil-erledigt-Phänomen:

Manche Gruppenmitglieder weigern sich, weitere Beiträge zu leisten, da sie der Meinung sind, ihren Teil bereits geleistet zu haben.

siehe auch: Stangl, W. (2017). Lernen in Gruppen. [werner stangl]s arbeitsblätter. http://www.stangl-taller.at/ARBEITSBLAETTER/LERNEN/Gruppenlernen.shtml (2017-11-27).

„Critical Incidents“: Umgang mit schwierigen Situationen

Im zweiten Teil des Vormittag beschäftigen wir uns mit schwierigen Situationen, die in Rahmen von Kleingruppenarbeiten entstehen können. Jede/r TeilnehmerIn bearbeitet diese zunächst alleine, dann diskutieren wir sie im Plenum.

https://padlet.com/interculturalperspectives/hzp95ialcicv0lw4

Und hier noch die Dokumentation der Ergebnisse und Diskussionen.

Nach einer kurzen Reflexion und Sammeln der Lernergebnisse, evaluieren wir unsere gemeinsame Online-Lernerfahrung. Wir kommen zu dem Schluss, das Lernen auch im Online-Setting sehr spannend sein kann und die Lernziele durchaus erreicht wurden. Nichtsdestotrotz freuen wir uns sich schon alle auf das Zusammentreffen im Seminarraum.

Danke an alle, die dabei waren und zu diesem spannenden Lernprozess beigetragen  haben.

Hier noch die wichtigsten Links zum Thema.

Unsere Padlets und Flinga-Ergebnisse:

Grundlagen:

Gruppendynamik:

Allgemeine Methodenlinks:

Spezifische Methodenlinks:

TrainerInnen: Peter Hofmann und Margret Steixner

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