#mm: Lernchecks 3

Verankerung statt Prüfung

Ich habe als Referent durch die Anwendung von Lernchecks mein Lehrverhalten verändert. Ich kam weg von der fixen Idee, möglichst viel und am besten alles zum Thema zu vermitteln. Stattdessen baute ich Wiederholungs-und Vertiefungsschleifen ein, wenn sich bei der Überprüfung des Lernerfolgs (Ist der Inhalt auch angekommen?) Lücken zeigten.

Wie wirken Lernchecks?

Defizite nicht erst zum Ende einer Veranstaltung zu erkennen, das ist die Kernidee von Lernchecks. „Reparieren“ können wir mit Wiederholungen, besser aber noch durch Beispiele. Manchmal scheitert Lernen, weil wir zu sehr verkürzen. Es ist gut, Sachverhalte kurz und knapp zu vermitteln, Infos bis „auf die Knochen abzunagen“. Aber manchmal braucht es ein wenig Fleisch, damit die Information verstanden wird. Dann besteht die „Reparatur“ aus dem Eingehen auf die Überlegungen dahinter.
Eine andere positive Wirkung von Lernchecks ist die Verankerung. Lernende müssen nachdenken: Habe ich die Infos noch drauf? Kann ich sie wiedergeben? Bei welchen Punkten tu ich mich schwer? In den Phasen, wo gerade Gelerntes noch einmal rekapituliert wird, alleine oder in Murmelgruppen, findet Verankerung im Gedächtnis statt.

Tests

Mit dem Einsatz von Tests im Erwachsenenlernen hatte ich lange Schwierigkeiten. Meine Befürchtung: Tests erinnern an Prüfungen an der Schule, die oft mit Versagensängsten verbunden sind, die wir aus dem Erwachsenenlernen verbannen wollen. Praktische Erfahrungen mit Tests in meinen Seminaren belehrten mich eines Besseren. Ich füge oft dazu: „Mit dem Test werdet nicht ihr geprüft, sondern ich. Habe ich es geschafft, den Inhalt so zu vermitteln, dass auch etwas hängen bleibt?“

Visualisierung zu den „5 Do’s im Training“

Meine erste Erfahrung mit einem Test: Nach einer ca. einstündigen Einheit über die 5 Grundlagen beim Vermitteln von Inhalten wollte ich wissen, was davon gespeichert ist. Ich führte die Gruppe aus dem Raum, damit niemand von der Visualisierung auf der Pinnwand „abschauen“ konnte. „Schreibt bitte die 5 Punkte in der Reihenfolge auf, wie sie euch einfallen!“ Das Ergebnis war ernüchternd: Nur wenige konnten sich an alle fünf Punkte erinnern, obwohl wir jeden Punkt ausführlich besprochen hatten. Bei späteren Tests zum gleichen Inhalt kündigte ich den Test vor der Einheit an, wiederholte unmittelbar vor dem Test: „Bringt ihr alle fünf Überschriften wieder zusammen? Schließt die Augen und versucht, euch zu erinnern.“ Die Ergebnisse wurden deutlich besser. Mein eigener Lernzuwachs: Ich achtete fortan ganz gezielt auf die Verankerung: Nicht zu viele Unterpunkte (Niemand merkt sich mehr als 5!), klare Struktur beim Vermitteln, eingängige Visualisierungen, Beispiele, Wiederholungen!

So veränderte der Einsatz von Lernchecks peu a peu meine Art zu lehren.

Härtetest

Der Härtetest läuft in Kleingruppen zu dritt oder zu zweit nach einer Lerneinheit. Die Story von den „Erlkönigen“ zu Beginn ist hilfreich. Erlkönige sind neu entwickelte Autos, die – noch getarnt – unter Extrembedingungen (z.B. auf Schotterpisten in der Wüste) getestet werden. Die 3 Rollen: Erlkönig (getestete Person), Tester:in und jemand zur Beobachtung/Auswertung. Ich verteile einen Satz Karten mit richtig schweren Fragen. Gerne mache ich das zum Thema PowerPoint. Eine der Fragen als Beispiel: Was bedeutet Bild-Text-Schere? (8 Fragen zu PowerPoint hier) Wenn eine Frage in der Kleingruppe nicht beantwortet werden kann, wird sie notiert und kommt ins Plenum, wo ich wiederholen bzw. aufklären kann (=Sofort-Reparatur).

Sofortreparatur bei der Methode „Ich, die Expert:in“

Bei vielen meiner Trainings und Seminare geht es darum, Multiplikator:innen auszubilden, die nach der Veranstaltung das Erlernte in der Expert:innen-Rolle weiter vermitteln. Wenn einige inhaltliche Punkte durchgenommen sind, werden kleine Gruppen oder Paare gebildet, die sich um die Visualiserung der Inhalte auf der Pinnwand versammeln. Aufgabenstellung: „Geht die Inhalte miteinander durch und schreibt auf grüne Karten die Punkte, bei denen ihr euch sicher seid und als Expert:innen fühlt. Auf rote Karten kommen die Inhalte, wo ihr noch unsicher seid, um sie weiter zu vermitteln.“

„Ich, die Expert:in“ zum Thema Lernchecks

Ein Teil der Sofortreparatur findet schon in den Kleingruppen statt, wenn die Inhalte nach grün und rot sortiert werden. Ein anderer Teil im Plenum. Die grünen und roten Karten sammle ich auf einer eigenen Pinnwand. Auf dem Foto so einer Sammlung fällt auf, dass derselbe Inhalt (z.B. Sitztanalyse) sowohl auf einer roten als auch auf grünen Karten steht. Das ist öfter so. Ich lasse dann die Teilnehmer:innen, die eine grüne Karte geschrieben haben, die Methode erklären.
„Ich, die Expert:in“ ist eine der wirkungsvollsten Lerncheck-Tools. Aber: Die Methode kostet Zeit, 20 Minuten sind dafür auf alle Fälle einzuplanen, bei umfangreicheren „Reparaturen“ auch mehr.

Zur Vertiefung

Autor: Ulli Lipp

Lust auf mehr? Zu allen Einträgen der Serie #mm kommst du HIER!

Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen unter gleichen Bedingungen 3.0 Österreich Lizenz.
Volltext der Lizenz

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.