#kidi 15: Learner Personas erstellen mit KI

KI-Illustration, die eine Frau zeigt, die eine „Persona Card“ hält, mit KI- und Gehirn-Symbolen und dem Text „#kidi 15“ in einer Teal- und Ocker-Farbpalette.
Bild KI-generiert mit Gemini.

Wenn wir Lernangebote entwickeln, denken wir oft an „die Zielgruppe“, zum Beispiel an Betriebsrät:innen im Handel. Das ist ein hilfreicher Startpunkt, reicht aber für ein gutes Lerndesign nicht aus. Wir müssen verstehen, was Lernende in unseren Kursen antreibt und wie sie ticken. Hier kommt die Learner Persona ins Spiel: ein fiktiver, aber realistischer Steckbrief einer typischen Person aus der Zielgruppe. Dieser Beitrag zeigt Schritt für Schritt, wie wir Learner Personas mit KI erstellen und wie wir sie für unsere Seminare nutzen können.


Eine gute Learner Persona geht weit über demografische Daten wie Alter, Beruf oder Wohnort hinaus. Sie erfasst zusätzlich emotionale und psychologische Aspekte des Lernens. Ein Steckbrief könnte zum Beispiel so aussehen:


Schritt 1: Daten sammeln

Eine Persona ist nur so gut wie das Material, auf dem sie basiert. Die gute Nachricht: Material haben wir meistens schon. Im Idealfall haben wir Antworten aus einem Vorabmail (Beruf, Erfahrungen, Erwartungen, Befürchtungen), Notizen und Feedbacks aus früheren ähnlichen Seminaren, vielleicht sogar Daten aus einer Lernsoftware – wann sich Teilnehmende einloggen, mit welchem Gerät, wo sie aussteigen. Je vielfältiger das Material, desto stabiler wird die Persona am Ende.

Der Goldstandard wäre, mit ein bis zwei Personen aus eurer Zielgruppe ein längeres Gespräch zu führen. Hardman empfiehlt 90 bis 120 Minuten pro Person, mit dem Ziel, möglichst reichhaltige narrative Daten zu erfassen. Eine Studie von Park und Kolleg:innen (2024) zeigt: KI-Personas auf Basis solcher Interviewdaten sagen menschliches Verhalten zu rund 85 Prozent korrekt voraus – deutlich besser als händisch erstellte. Im Alltag sind solche Interviews oft unrealistisch, daher arbeiten wir mit der abgespeckten Variante.

Schritt 2: Persona erstellen

Material haben wir zusammengetragen, jetzt kann ein KI-Tool daraus eine Persona verdichten. Ein möglicher Prompt:

„Hier ist mein gesammeltes Material zur Zielgruppe für ein Seminar zu [THEMA]. Verdichte es bitte zu einer Learner-Persona. Sie soll alle Bestandteile des klassischen Steckbriefs enthalten (Demografisches, Bildungshintergrund, Lernmotivation, Hürden, Lernverhalten, Ziele) und die sechs psychologischen Dimensionen abdecken (kontextueller Druck, Verhaltensmuster, kognitive Präferenzen, emotionale Trigger, Lernerfahrungen, Einschränkungen). Wichtig: Schreib hinter jeden Punkt, ob die Info aus dem Material stammt oder eine Ergänzung von dir ist. So kann ich Befund von Hypothese unterscheiden. Wenn das Material auf mehrere unterschiedliche Profile hinweist, sag das offen, statt eine Mischpersona zu bauen.“

⚠️ Datenschutz: Anonymisiere das Material, bevor es in die KI wandert. Es soll keine personenbezogenen Daten enthalten.

Und was, wenn wir keine Daten gesammelt haben?

In dem Fall können wir Annahmen treffen aufgrund unserer Erfahrungen. Dafür bitten wir ein KI-Tool wie Mistral, Claude oder Gemini, uns Fragen zu stellen:

„Ich plane ein Seminar zu [THEMA] für [ZIELGRUPPE]. Ich habe wenig empirische Daten. Stell mir konkrete Fragen, deren Beantwortung dir genug Material gibt, um eine vollständige Learner-Persona zu bauen – mit klassischem Steckbrief und den sechs psychologischen Dimensionen. Vermeide Ja/Nein-Fragen.“

Aber Achtung: Bei Annahmen besteht immer die Gefahr, dass die Persona vor allem unser eigenes Bild der Zielgruppe spiegelt. Gute Learner Personas basieren im Idealfall auf echten Daten.

Beispiel für eine Learner Persona mit KI-Unterstützung

Die fertige Persona speicherst du zum Beispiel als Textdokument. Wenn du regelmäßig damit arbeitest, kannst du sie in einem KI-Tool dauerhaft als Kontext hinterlegen. Wie das geht, zeigen wir in einem eigenen kidi-Beitrag.

Zunächst laden wir die Persona (als Dokument) in ein KI-Tool hochladen und schreiben:

„Du bist die Learner Persona [NAME], die auf den unten bereitgestellten Daten basiert. Du reagierst wie eine echte Person mit konkreten Erfahrungen, Emotionen, Verhaltensmustern und Motivationen. Bleib während unseres gesamten Gesprächs in deiner Rolle und bezieh dich auf konkrete Erfahrungen aus deinem Hintergrund, wenn du Entscheidungen triffst oder Reaktionen ausdrückst.
Daten: [PERSONA-STECKBRIEF EINFÜGEN]“

Quelle: Prompt-Beispiel von Philippa Hardman

Jetzt können wir der Persona Fragen stellen. Zum Beispiel:

  • Hier ist meine Seminarausschreibung [einfügen]. Was klingt für dich interessant – was macht dich neugierig? Was würde dich davon abhalten, dich anzumelden?
  • Hier ist meine geplante Agenda [einfügen]. An welchem Punkt würdest du aufhorchen? Wo würdest du gedanklich aussteigen?
  • Was sollte in diesem Seminar auf keinen Fall passieren?
  • Beschreib mir eine Lernsituation, in der du dich wohlfühlst – und eine, in der du dich unwohl fühlst.
  • Hier sind meine Lernziele [einfügen]. Welches klingt für dich nützlich? Welches geht an deiner Realität vorbei?
  • Hier ist ein Fallbeispiel [einfügen]. Fühlst du dich angesprochen? Was geht dir dabei durch den Kopf?
  • Nenne mir eine Situation aus deinem Berufsalltag, die ich als Fallbeispiel für [THEMA einfügen]nutzen kann.
  • Hier sind die wichtigsten Inhalte des Seminars [einfügen]. Stell dir vor, das Seminar liegt zwei Wochen zurück. Jemand fragt dich, was du mitgenommen hast. Was sagst du? Was hätte dir noch geholfen?

Bau deine Persona pro Seminartyp. Lieber einmal sauber aufbauen und öfter nutzen als jedes Mal neu erstellen. Aktualisieren musst du sie dennoch regelmäßig.

KI macht Personas weicher, als reale Menschen sind. Im Gespräch wird die Persona im Verlauf immer kooperativer, weil KI will dir schmeicheln. Erinnere die KI explizit daran, in der Rolle zu bleiben.

Achtung bei marginalisierten Gruppen: Je weiter eine Zielgruppe vom Mainstream der Trainingsdaten entfernt ist, desto stereotyper wird die KI-Persona. Bei solchen Gruppen sind echte Stimmen umso wichtiger.

Viel Spaß beim Ausprobieren!

Autorin: Irene Steindl

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Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen unter gleichen Bedingungen 3.0 Österreich Lizenz.
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