#grumo_25: Long time no see – Neustart nach längerer Pause

Ferien, Karenz, Corona-Home-Office, … es gibt viele Gründe, warum sich Teams oder Teile davon eine Zeit lang nicht oder weniger oft sehen. Auch unsere fünf Expert_innen sind davon betroffen: Nach einigen Video-Treffen vor dem Sommer und einer längeren Sommerpause sehen sie sich heute nach vielen Monaten zum ersten Mal wieder physisch am selben Ort. Alle fünf haben haben wieder begonnen, mit Gruppen und Teams zu arbeiten und beim heutigen Treffen soll es um das Thema „Neustart nach der Pause“ gehen.

Yasemine und Beate kommen als erstes in das kleine Kaffee, in dem sich die Gruppe heute trifft. Schon aus der Ferne strahlen sie sich an und winken sich zu wie wild. „Ha. Ich weiß jetzt gar nicht… Darf ich dich umarmen?“ fragt Beate schließlich, als sie sich näher gekommen sind. Yasemine, heftig nickend: „Ja, sehr gern!“

Rudi hat die beiden schon von der Weite bei ihrer kleinen Interaktion beobachtet und holt sich nun lachend auch eine Umarmung ab. „Früher hab ich ja viele Kolleg_innen und Bekannte mit Bussi-Bussi begrüßt,“ meint er, als sich die drei an ihren Tisch setzen und ihre G-Nachweise zücken, „aber jetzt ist das gar nicht mehr selbstverständlich. Ich finde man muss sich mit allen wieder neu einigen.“ Beate nickt. „Ich finde das aber gar nicht so schlecht,“ meint sie. „Bei mir hatten sich schon so Automatismen eingeschliffen und ich finde die Gelegenheit Begrüßungsrituale zu überdenken und neu zu definieren ganz angenehm.“

Schließlich kommen auch Maria und Paul noch dazu und die kleine Gruppe kommt sofort ins Plaudern. Es ist, als ob sie sich erst gestern das letzte Mal gesehen hätten. Nach 20 Minuten lehnt sich Beate zurück und sagt: „Man könnte meinen, wir brauchen gar keinen Neustart, weil wir eh sofort wieder gut in alten Mustern laufen. Trotzdem denke ich, es würde uns helfen, wenn wir ein bisschen strukturierter an die Sache herangehen. Mit den Teams, mit denen ich im Herbst wieder gestartet habe, mache ich zum Beispiel eine Einstiegsrunde mit drei Fragen. Wollen wir das auch ausprobieren?“ Die anderen nicken. Auch sie wissen aus Erfahrung, dass allzu schnelle Vertrautheit trügerisch sein kann. Daher bewährt es sich, bei Gruppen, die sich länger nicht gesehen haben, den Wiedereinstieg ganz bewusst zu gestalten.

Strukturierter Einstieg

  • Was waren die Highlights des Sommers?
  • Woher komme ich jetzt gerade?
  • Was wünsche ich mir von diesem Treffen?

Beate erklärt, dass es ihr bei den drei Fragen darum geht, die Zeit, in der sich die Gruppe nicht gesehen hat, mitzunehmen und eine gute Überleitung zum Hier und Heute zu finden. Reihum beginnen die fünf Kolleg_innen zu erzählen. 30 Minuten später wissen sie, dass..

  • Rudi gerade von einer sehr anstrengenden Vorbesprechung kommt und immer noch gedanklich an der Auftragsklärung hängt,
  • Maria im Sommer Zores mit ihrem Auto hatte und eine neue Ausbildung begonnen hat,
  • Paul besorgt ist, dass die Kindergärten wieder schließen und er und seine Frau Betreuungspflichten und Berufstätigkeit meistern müssen,
  • Yasemine wieder ihre Eltern nicht besuchen konnte, aber über den Sommer zu einer passionierten Minigolferin geworden ist und
  • Beate eine tolle Weiterbildung gemacht und gerade noch schnell das Bad zuhause geputzt hat.

Alle fünf haben sich auf das Treffen heute sehr gefreut und hoffen darauf, wieder einen regelmäßigen Austausch wie vor dem Sommer zu schaffen.

Längere Pausen, Karenz und Co.

Maria wiegt nachdenklich den Kopf. „Ich find strukturierte Einstiege wirklich hilfreich und bei uns hat das jetzt gut funktioniert, weil wir uns über den Sommer alle nicht gesehen haben. Was aber, wenn zum Beispiel eine Kollegin oder ein Kollege aus der Karenz zurück kommt – ich kann der Person ja dann nicht die Highlights des ganzen letzten Jahres erzählen. Das wäre doch eine Überforderung.“ Paul, Beate und Maria, die alle drei schon länger im institutionellen Kontext tätig sein, haben sofort Beispiele parat über geglückte und weniger geglückte Wiedereinstiege nach längerer Abwesenheit.

Yasemine hat solche Prozesse schon öfter begleitet und bald entspinnt sich eine intensive Diskussion. Gerade durch Home-Office Regelungen sei es vermehrt zu Situationen gekommen, berichtet sie, wo ein Teil der Belegschaft schon wieder im Büro war und ein anderer Teil immer noch von zu Hause gearbeitet hat. „Das ist besonders tricky“ meint sie, „weil man den Eindruck hat, die Kolleg_innen sind ja „eh da“ obwohl sie eben nicht da sind und vieles, das sozial und informell im Büro läuft, nicht mitbekommen.“ So können sich leicht Gefühle von Ausschluss und fehlender Zugehörigkeit einstellen. Häufig passiert das schleichend und wird erst bemerkt, wenn schon irgendwo ein Konflikt oder Unzufriedenheit brodelt.

Einfach gut drauf schauen

Paul hat die letzten Minuten hauptsächlich zugehört und schaltet sich nun in die Diskussion ein: „Wahrscheinlich hilft es schon, ein waches Auge drauf zu haben.“ Yasemine und Maria schütteln beide gleichzeitig den Kopf. „Das meinen viele und oft ist genau das die Falle“ entgegnet Maria. „Am Besten ist es, wenn man die Situation tatsächlich wie einen Neustart behandelt“ meint Yasemine. Sie erzählt, dass die Teams, die sich tatsächlich Zeit nehmen, die Rückkehrer_innen und das bestehende Team aktiv in Diskussion miteinander zu bringen, die besten Erfahrungen machen. „Oft verläuft der Prozess ganz undramatisch. Sich Zeit nehmen für ein paar Verabredungen in einem begleiteten Rahmen, um über Wünsche und Befindlichkeiten zu sprechen, hilft sehr. Es holt die Leute dort ab, wo sie aktuell stehen und macht Veränderungen und Veränderungswünsche ansprechbar.“ Manchmal haben sich Prozesse und Abläufe verändert, die dem bestehenden Team gar nicht so bewusst sind und erst im konkreten Überlegen, was wie gemacht werden soll, können potentielle Irritationen gleich ausgeräumt werden.

Und wir?

Beate schaut schon seit längerem recht nachdenklich vor sich hin. Schließlich hebt sie den Kopf. „Mir ist grade aufgefallen, dass wir selber auch in diese „es ist eh alles wie früher“-Falle getappt sind“ meint sie. Die andere schauen sie fragen an. „Naja, als Wunsch haben wir formuliert, wir wollen es wieder genauso wie vor dem Sommer haben. Und wir haben gar nicht überprüft, ob das für alle so machbar ist oder auch so passt.

Ich zum Beispiel kann nicht zusagen, dass ich mich jeden Monat mit euch treffen kann. Ich hab ein neues Projekt übernommen und werde wahrscheinlich grade in der Anfangsphase recht intensiv dran arbeiten müssen. Maria hat in der Einstiegsrunde erzählt, dass sie eine Ausbildung begonnen hat und Rudi hat berichtet, dass er zugesagt hat, seine Enkelkinder regelmäßig zu betreuen. Also, vielleicht ist es eher eine Belastung, wenn wir eine Verbindlichkeit in der selben Intensität wie vorher von einander erwarten.“

Die anderen schauen verdutzt, dann beginnt Rudi zu lachen und die anderen stimmen ein. „Wir sind schöne Profis!“ meint er und greift sich an den Kopf. „Aber du hast natürlich recht. Ich hab schon seit Beginn ein mulmiges Gefühl, weil ich nicht weiß, ob ich alles unter einen Hut bringen werde. Auf die Idee, das anzusprechen, bin ich aber nicht gekommen.“ Auch die anderen können die Einschätzung von Beate teilen. Sie vereinbaren, dass sie sich zwar weiterhin treffen wollen, aber mit größeren Abständen.

Yasemine lehnt sich in ihrem Sessel zurück „Ich bin ja ganz froh, dass wir immer wieder merken, nicht vor allen Fehlern gefeit zu sein. Und es ist auch gut zu sehen, wie schnell und unhinterfragt alte Mechanismen funktionieren, selbst bei Leuten, die das Gefühl haben, aufmerksam darauf zu schauen.“ Die anderen stimmen ihr zu – nur Rudi schüttelt immer noch den Kopf „Seit 40 Jahren bin ich jetzt in dem Bereich tätig“ meint er „und immer noch stolpere ich über so banale Dinge.“ Maria klopft ihm auf die Schulter und meint „Deswegen holt man sich ja Unterstützung von außen: Weil man bei sich selber immer mindestens auf einem Auge blind ist.“ Rudi zuckt die Achseln. „Eh. Aber ich find es trotzdem immer wieder faszinierend, wenn es einem so vor Augen geführt wird.“

Die fünf plaudern noch ein Stündchen weiter, sie haben durch die Anfangsrunde der Sommerhighlights genügend Anknüpfungspunkte für Nachfragen und Vertiefungen. Dann vereinbaren sie das nächste Treffen für Anfang Dezember. „Vielleicht gibt es da schon einen Weihnachtsmarkt“ meint Yasemine und klatscht begeistert in die Hände.

Autorinnen: Gerda Kolb und Irene Zavarsky

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