#grumo_18: Was tun, wenn mich die Gruppe nervt?

Unsere Expert*innen haben sich in #grumo_07 (Wenn Interessen sich widersprechen), #grumo_06 (Was, wenn ich mich vor der Gruppe fürchte?) und in #grumo_05 (Stürmend zur guten Performanz) schon mit Konflikten in der Gruppe und auch mit der notwendigen, wenn auch manchmal stürmischen Meinungsbildung beschäftigt. Heute reden sie darüber, was Trainer*innen tun können, wenn sie die Gruppe oder einzelne Personen draus – und das kann tatsächlich passieren – einfach nicht mögen.

Paul richtet die Kamera gerade: „Seht ihr mich jetzt besser?“ Wieder einmal trifft sich die Gruppe online. Paul ist aus seinem Ferienhaus im Waldviertel gar nicht zurück gekommen, online kann er auch von dort aus arbeiten. Er hat den anderen eben den tief verschneiten Garten gezeigt und versucht, die Kamera nun wieder auf sich zu richten. Sie plaudern kurz darüber, was sich seit den Feiertagen getan hat, dann leitet Maria ins Thema ein.

Früher war alles besser?

„Ich hab mir über die Feiertage Zeit genommen, meinen Keller auszumisten und dabei hab ich begonnen, in alten Seminaraufzeichnungen zu schmökern. Ich hab früher fast tagebuchartig bei meinen Seminaren mitgeschrieben“ erklärt sie. Dabei ist ihr aufgefallen, dass sie immer wieder Gruppen begegnet war, die sie einfach nicht leiden konnte. „In meiner Erinnerung waren meine Seminare alle immer super, aber anscheinend hab ich das währenddessen oft anders erlebt.“ Rudi hakt kurz ein und erklärt, dass das ein recht bekanntes neurologisches Phänomen ist: Das Hirn legt positive Erlebnisse verfügbarer ab, negative werden eher vergraben. „Daher haben wir oft den Eindruck: Früher war alles besser!“ schmunzelt er, „meistens stimmt das gar nicht.“

Schimpfen hilft, wenns ehrlich ist

Yasemine schaltet ihr Mikro ein und meldet sich zu Wort. Auch sie hat die Erfahrung gemacht, dass es immer wieder Veranstaltungen gibt, wo sie auf einzelne Teilnehmer*innen ganz besonders reagiert. Als Profi versucht sie das natürlich nicht ins Seminar einfließen zu lassen, aber es hat schon ordentlich gut getan, danach mit dem Co-Trainer oder der Co-Trainerin über die „blöde Gruppe“ zu schimpfen. Erstens hilft es, der Emotion Luft zu geben und außerdem ist sie dabei auch oft draufgekommen, was genau sie so stört. Weil zum Beispiel der Trainingspartner oder die Trainingspartnerin eine andere Sicht auf die Dinge hatte. „Wenn man sich ehrlich auf die Suche begibt, was es genau ist, das einen da so triggert, ist es ein bisschen wie Selbsterfahrung, nur dass man noch dafür bezahlt bekommt“ lacht Yasemine.  Beate schaut ein bisschen skeptisch: „Ich finde, es darf halt keine billige Ausrede werden. Wenn jede Gruppe immer blöd ist, dann stimmt was nicht mit der eigenen Haltung.“ Yasmine nickt heftig. „Na klar. Da ist dann klarer Weise die Frage, wer der Geisterfahrer ist.“

Gruppenphasen: (verhindertes) Storming

Paul bringt noch mal die Gruppenphasen ins Spiel und meint, dass es wohl auch darauf ankommt, womit die Gruppe grade beschäftigt ist. Eine Gruppe mitten im Storming kann zwischenzeitlich schon auch mal recht unsympathisch wirken, weil eben beim Ausmachen auch immer mal wieder die Fetzen fliegen. Dafür findet man sie danach auf einmal wieder voll in Ordnung und sogar sympathisch. Maria schaut nachdenklich und meint: „Ich glaube, ich finde Gruppen anstrengend, die mit vollem Einsatz versuchen das Storming zu verhindern. Wo dann alle dauernd Schmähbär*innen sind oder gar nix mehr sagen und sich auf eine Beobachter*innenposition zurückziehen. Das ist dann wie durch hüfthohes Wasser waten – da werde ich oft etwas ungeduldig…“ Die anderen nicken. „Wahrscheinlich ist deine Ungeduld auch ein Spiegel dafür, wie es anderen in der Gruppe geht. Die finden die Schmähbär*innen und Beobachter*innen wahrscheinlich genauso mühsam. Das kann man manchmal auch gut ansprechen und sich quasi in eine Stellvertreter*innen-Rolle begeben“ meint Yasmine.

Trainer*innen sind auch nur Menschen

Rudi hebt die Hand und nach einer kurzen Pause meint er: „Ich glaub, es ist auch ganz normal, dass uns manche Teilnehmer*innen sympathisch sind und manche nicht. Wenn eine Gruppe zu einem großen Teil aus uns nicht so sympathischen Leuten besteht, dann „mögen“ wir schnell mal die ganze Gruppe nicht. Plus: Es gibt bestimmt auch Gruppenkulturen, die uns „wuselig“ machen. Ich zum Beispiel krieg Ausschlag, wenn Leute anfangen mit den Händen zu wackeln um Zustimmung auszudrücken, andere finden das eine sehr angenehme Art, sich im Plenum zu positionieren. Ich glaub, manchmal dürfen wir nicht so streng mit uns sein, wir sind auch nur Menschen, die sich zwar bemühen, einen professionellen Rahmen zu halten, aber nicht frei von eigenen Emotionen sind.“ Yasmine wackelt mit den Händen und grinst schelmisch, Rudi verdreht die Augen und lacht laut auf. „Das war ja klar, dass du das jetzt gleich machen musst!“

Die Worte von Rudi und die Idee von Yasmine, den Ärger als Chance zur Selbsterfahrung zu sehen, bringen das Thema für alle zu einem runden Abschluss. Bezugnehmend auf die Erfahrung mit „nervigen“ Gruppen und Teilnehmer*innen vereinbaren unsere Expert*innen, sich öfter mal gegenseitig in 2er- oder 3er-Konstellationen zu coachen, um eigene Muster und Triggerpunkte besser zu erkennen.  Am Ende äußert Beate noch die Bitte, beim nächsten Treffen über die Möglichkeiten von Teambuilding im Online-Format zu sprechen, weil sie gerne Input für einen bevorstehende Auftrag hätte. Der entsprechende Erfahrungsschatz ist in der Runde unterschiedliche verteilt – noch mehr Grund also, der Bitte nachzukommen und für Know-How-Transfer zu sorgen!

Autorinnen: Gerda Kolb und Irene Zavarsky

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