Einstiege und Impulse zum Thema Gender

Bestimmte Übungen eignen sich dazu, ein größeres Publikum an das Thema Gender heranzuführen oder als Einstieg am Anfang eines Seminars. Diese „Impulse“ können aber auch innerhalb von Seminaren im Zusammenhang mit anderen Übungen verbunden werden. Ein Zugang über Fragen, Anekdoten, Szenen, Bilder, Karikaturen oder einen Test zum Schmunzeln ermöglicht einen entspannteren Einstieg als die Konfrontation mit Fakten und Zahlen oder die Aufforderung zur direkten persönlichen Auseinandersetzung.

Dies kann dazu beitragen, Widerstände abzubauen. So lassen sich „Impulse“ in allen Arten von Seminaren und Gruppen einsetzen, eignen sich aber auch für Referate und den Einstieg in Kurzdiskussionen:

  • als Denkanstöße können sie auch im Raum stehen bleiben;
  • als Einstieg in eine Kurzdiskussion können die Antworten und Gedanken auf dem Flipchart festgehalten und visualisiert werden;
  • als Einstieg in eine vertiefte Diskussion eignet sich auch die Kartenabfrage; so können erste Antworten und Gedanken auf der Pinwand visualisiert und die Karten flexibel für die Weiterarbeit eingesetzt werden.

Folgende Übungen können beispielsweise benutzt werden, um Interesse zu wecken und die Bereitschaft zu fördern, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen

Quelle: Salto, Rolle, Pflicht und Kür. Gender Manual II. Verlag Pestalozzianum 2001, S. 4


1) Namen

„Ich lese euch verschiedene Namen vor, bitte hört einfach zu:
Marilyn Monroe – Erich Kästner – Mutter Theresa – Michael Häupl – Angela Merkel – Günther Grass – Mona Lisa – Ulrich Beck – Leonardo Da Vinci – Christine Nöstlinger – Maria Callas – Claudio Abbado.
Habe ich mehr Männer- oder mehr Frauennamen gelesen?“

Auflösung: Es waren gleich viele Männer- wie Frauennamen. Vermutlich werden mehr Frauennamen gehört, weil es ungewohnt ist, ausgeglichen Frauen und Männer genannt zu bekommen. Es scheint, als ob die Frauen stärker vertreten wären.

Entnommen aus: Salto, Rolle, Pflicht und Kür. Gender Manual II. Verlag Pestalozzianum 2001, S. 5


2) „Die wollen das!“

Eine Gruppe von Eltern organisierte eine Krankenhausbesichtigung für zwanzig Kinder: zehn Jungen und zehn Mädchen. Am Ende der Besichtigung schenkten Angestellte des Krankenhauses jedem Kind eine Mütze: Doktormützen für die Jungen, Schwesternhäubchen für die Mädchen. Aufgebracht über diese Art von Sexismus gingen die Eltern zur Krankenhausverwaltung. Sie bekamen zugesagt, dass in Zukunft anders verfahren werden sollte. Im Jahr darauf wurde eine ähnliche Besichtigung arrangiert und am Ende kamen die Eltern, um ihre Kinder abzuholen. Doch was mussten sie sehen? Genau das selbe Bild – alle Jungen hatten Doktormützen auf, alle Mädchen Schwesternhäubchen. Schnaubend vor Wut stürmten sie das Büro des Direktors und verlangten eine Erklärung. Doch der Direktor erklärte ihnen sanft: „Aber wir haben es dieses Jahr ganz anders gemacht. Wir haben allen angeboten, sich die Mütze auszusuchen, die sie wollten.“

Entnommen aus: Salto, Rolle, Pflicht und Kür. Gender Manual II. Verlag Pestalozzianum 2001, S. 7


3) Wer fällt Ihnen ein?

Wenn du an eine intelligente Person denkst, wer fällt dir dazu ein?

Didaktischer Hinweis für Trainer*innen: Notiere, wie viele Frauen, wie viele Männer genannt werden und gib das Ergebnis – vermutlich mehr Männer – anschließend bekannt.

Entnommen aus: Salto, Rolle, Pflicht und Kür. Gender Manual II. Verlag Pestalozzianum 2001, S. 5


4) Der Unfall

„Ein Vater fuhr einmal mit seinem Sohn zum Fußballspiel; mitten auf einem Bahnübergang blieb ihr Wagen stehen. In der Ferne hörte man schon den Zug pfeifen. Voller Verzweiflung versuchte der Vater, den Motor wieder anzulassen, aber vor Aufregung schaffte er es nicht, den Zündschlüssel richtig herum zu drehen, so dass das Auto von dem heranrasenden Zug erfasst wurde. Ein Krankenwagen jagte zum Ort des Geschehens und holte die beiden ab. Auf dem Weg ins Krankenhaus starb der Vater. Der Sohn lebte noch, aber sein Zustand war sehr ernst; er musste sofort operiert werden. Kaum im Krankenhaus angekommen, wurde er in den Notfall-Operationssaal gefahren, wo schon die diensthabenden Chirurgen warteten. Als sie sich jedoch über den Jungen beugten, sagte jemand vom Chirurgenteam mit erschrockener Stimme: ‚Ich kann nicht mit operieren – das ist mein Sohn.“

Wie erklären Sie sich das? Wie ist das möglich? Geben Sie nicht zu schnell auf!

Entnommen aus: Salto, Rolle, Pflicht und Kür. Gender Manual II. Verlag Pestalozzianum 2001, S. 63


5) Von wegen Männersache…

Wusstest du, dass in der Frühzeit des Computers, in den 1940er-Jahren, für die Programmierung vorwiegend Frauen eingestellt wurden? Damals ging man davon aus, dass es sich um einfache, ausführende Arbeiten handle, um manuelle Feinarbeit. Tatsächlich aber verlangte das Programmieren komplexe Fähigkeiten und Kenntnisse in abstrakter Logik, Mathematik und im Bereich elektronischer Kreisläufe und Geräte. Die Frauen der ersten Stunde setzten all dies ein, um ihre Arbeit ausführen zu können. Sobald klargeworden war, dass das Programmieren intellektuell anspruchsvoll war, wurde es für Männer attraktiv und schließlich zur Männerdomäne.

Entnommen aus:  Salto, Rolle, Pflicht und Kür. Gender Manual II. Verlag Pestalozzianum 2001, S. 6

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