#dimi_06: Lernziele

Warum Lernziele Orientierung schaffen

Impressionen aus meinem Urlaub Foto: Margret Steixner

Willkommen zurück aus der Sommerpause. Welches Reiseziel hast du gewählt? Die heimischen Berge und Seen oder hat dich, so wie mich das Meer gerufen? Wo immer das Ziel lag, so war es sicherlich prägend für deine gesamte Urlaubsplanung. So ist es auch mit Lernzielen.

Definieren wir den Punkt, an dem wir am Ende eines Seminars oder eines Lehrgangs anlangen möchten, erhalten wir einen wesentlichen Orientierungspunkt, der über das Festlegen von Lerninhalten hinausgeht und wesentliche Anhaltspunkte für Seminarplanung und Durchführung bietet. Warum es Sinn macht sich die Lernziele genau zu überlegen und wie man diese idealerweise formuliert, darum dreht sich dieser Blogbeitrag.

„Der Langsamste, der sein Ziel nicht aus den Augen verliert, geht noch immer geschwinder, als jener, der ohne Ziel umherirrt.“ schrieb Gotthold Ephraim Lessing.

Foto: Margret Steixner

Ziele haben die Funktion, einen Endpunkt, den wir erreichen wollen, zu markieren. In Bildungsprozessen beschreiben die Lernziele das, was Lernende am Ende können sollen. Sie legen also die Kompetenzen fest, die in einem Lernprozess erweitert und aufgebaut werden. Diese entsteht nicht durch das reine Konsumieren von Lerninhalten. Kompetenz umfasst neben dem Wissen auch die Fähigkeiten und Fertigkeiten, die Lernende entwickeln, indem sie das Gelernte anwenden und in ihren Wissens- und Erfahrungsschatz integrieren.

In vielen Bildungsveranstaltungen bilden die Inhalte, die vermittelt werden sollen den zentralen Kristallisationspunkt der Planung und Seminardurchführung. Diese Ausrichtung birgt die Gefahr, dass Lernprozesse stark an der lehrenden Person, die ja in den meisten Fällen die Inhalte vermittelt, ausgerichtet bleiben. Gerade in der gewerkschaftlichen Erwachsenenbildung interessieren uns aber vor allem die Lernergebnisse– sprich:
Was sollen die Betriebsrät*innen oder Funktionär*innen am Ende können, um in ihrem Tätigkeitsbereich erfolgreich zu sein?

Ralf Arnold bringt den Unterschied von Wissens- und Kompetenzorientierung auf den Punkt, wenn er sagt: „Wir können eine input- und eine output-orientierte Pädagogik unterscheiden.“ Bei der input-orientierten Bildung geht es vor allem darum, welches und wieviel Wissen den Lernenden eingetrichtert werden kann. Die output-Orientierung, die vor allem in der Erwachsenenbildung lange Tradition hat, setzt als Endpunkt die Frage des Könnens –also die Kompetenz.

potenziaLLL: Gespräch mit Ralf Arnold

Befassen wir uns mit dem Thema Kompetenz, stoßen wir meist schnell auf ein Modell, das Benjamin Bloom bereits 1956 entwickelt hat und das später von anderen Wissenschaftler*innen aufgegriffen und weiterentwickelt worden ist. Bloom‘s Grundidee ist in fast allen Kompetenzmodellen erkennbar: Er versteht seine Taxonomiestufen als ein Klassifikationssystem, in dem die unterschiedlichen Ausformungen von Kompetenzen beschrieben werden.

Die Klarheit darüber, welche Kompetenzstufe die Lernenden in Bezug auf ein bestimmtes Thema erreichen sollen, bietet eine wesentliche Orientierung bei der Erstellung der Lernziele. Die Kompetenzstufen helfen uns aber auch bei der methodischen Planung und Umsetzung. Ein Blick auf die, im Taxonomiemodell verwendeten, Verben gibt Aufschluss über das angestrebte Kompetenzniveau. Grob gesagt können wir davon ausgehen, dass die niedrigeren Kompetenzstufen bereits durch Vorträge oder Präsentationen erreicht werden können, die höheren jedoch nur durch einen umfassenden Lernprozess, der neben der theoretischen Vermittlung auch Anwenden, Diskutieren, Erproben beinhaltet. Wie ein Lernprozess aufgebaut sein muss, um Wissen nachhaltig zu verankern, beschreibe ich in #dimi_11.

Was heißt das nun konkret?

Vielleicht fragst du dich, wie Lernziele formuliert werden und worin sich diese von den Lerninhalten unterscheiden. Schauen wir uns dazu ein konkretes Beispiel an. Die folgenden Lernziele sind der REFAK Seminarbeschreibung: „Gegenmacht bilden“ entnommen und lesen sich wie folgt:

Die TeilnehmerInnen

• verstehen, weshalb der ÖGB „Gegenmacht‟ verstärkt thematisiert
• kennen Theorien und Modelle gewerkschaftlicher Gegenmacht, deren Quellen, Ressourcen und strategische Möglichkeiten
• können die Zielgruppen gewerkschaftlicher Bildung mit deren Anliegen, Perspektiven und Spannungsfeldern auf dem „Spielfeld der Macht‟ besser verstehen
• können sich die vermittelten Theorien und Modelle für die Trainingsgestaltung nutzbar machen und die Teilnehmenden für die damit verbundenen Handlungsfelder, Systemlogiken und Spielregeln sensibilisieren
• kennen Werkzeuge zur Selbstreflexion, mit deren Hilfe BetriebsrätInnen die eigene Positionierung im Machtgefüge Betrieb erkennen
• können BetriebsrätInnen anleiten, die für sie aktivierbaren Machtressourcen benennen, analysieren und einschätzen zu können, um sie dann in eine gute und wirkungsvolle Strategie in der Interessenauseinandersetzung einzubauen

Formulieren von Lernzielen

Die Lernziele von „Gegenmacht bilden“ bieten gute Anhaltspunkte für die generelle Formulierung von Lernzielen. Was fällt dir auf, wenn du diese liest? Welche Tipps können wir daraus ableiten, die für das Formulieren von Lernzielen für dein Seminar hilfreich sein können?

Erstens sticht heraus, dass, wenn wir von Lernzielen sprechen, eigentlich die Lernergebnisse beschrieben werden. Zur Unterscheidung von Lernzielen und Lernergebnissen gibt es eine ausführliche wissenschaftliche Debatte, auf die ich hier nicht näher eingehen möchte. Wichtig ist für uns, festzuhalten, dass wir Lernziele aus der Perspektive der angestrebten Lernergebnisse beschreiben. Wer sich näher dafür interessiert, kann sich hier weiter vertiefen.

Zu unserer Orientierung:

Allgemein soll bei der Formulierung von Lernzielen folgendes beachtet werden:

  • Beschreibe die Lernziele aus der Perspektive des abgeschlossenen Lernprozesses, sprich welches Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten sollen die Lernenden besitzen.
  • Formuliere die Lernziele aus Sicht der Lernenden (= Lernendenorientierung)
  • Das Ausmaß der Lernziele soll an die Zielgruppe angepasst werden – weder zu viele noch zu wenige. Häufig definieren wir die Lernziele in der Seminarausschreibung recht allgemein und brechen diese dann in der Planung (siehe #dimi_05) in kleinere Subziele herunter.
  • Lernergebnisse sollen idealerweise beobachtbar und von außen nachweisbar sein. Hier muss gesagt werden, dass dieser Anspruch je nach Art der Lernziele unterschiedlich erfüllt werden kann. So ist eine betriebswirtschaftliche Kompetenz wie das Lesen einer Bilanz leichter überprüfbar als eine Verhandlungs- oder Konfliktkompetenz. Diese unterschiedlichen Arten von Kompetenzen werden aber möglicherweise in ein und demselben Seminar angestrebt- spricht häufig macht es Sinn sowohl
    • kognitive (Die Lernenden kennen unterschiedliche Modelle zur …)
    • affektive (Die Lernenden sind sich der Bedeutung ihrer eigenen Motivation bewusst und können diese gezielt kommunizieren…)
    • soziale Lernziele (Die Lernenden erkennen Spannungsfelder…)

zu definieren.

Neben diesen allgemeinen Hinweisen gibt es auch einige praktische Tipps zum Formulieren, die einfacher zu beschreiben und umzusetzen sind:

  • die Lernenden sind das Subjekt
  • verwende aktive Verben / Zeitwörter, denn diese beschreiben die Handlung, die mit dem Lernen verknüpft ist
  • nutzen Verben / Zeitwörter die das Lernziel konkret und klar beschreiben (z.B. „kennen“, „können“ bzw. „anwenden“, „beherrschen“ und „weitergeben“)
  • beschreibe, worauf sich das Können bezieht. Es kann hilfreich sein, dass Wörtchen „INDEM“ zu nutzen, um die Bedingung zu beschreiben, durch die das Lernziel erreicht werden soll

Gute Handreichung und Formulierungshilfen findest du hier.

Lernziele sind ein wesentliches Erfolgskriterium und ein Qualitätsmerkmal. Sie helfen uns nicht nur dabei, die Relevanz der Lerninhalte für die Tätigkeiten unserer Zielgruppe zu reflektieren, sondern bergen ein viel größeres Potential. Sind wir uns selbst im Klaren, welche Ziele wir im Seminar erreichen möchten, können wir diese auch wesentlich besser an die Lernenden kommunizieren. Dies dient dazu, dass Lernende den Sinn einer Lerneinheit besser erfassen und diese mit den eigenen Lernzielen abgleichen können. Schlussendlich helfen uns die Lernziele auch bei der Evaluierung der Lernergebnisse.

Denn wie sonst können wir am Ende wissen, ob wir das Ziel erreicht haben oder das Seminar eine Fahrt ins Blaue war?

Kann im Urlaub ja auch mal wunderschön sein……

Zum Weiterlesen:

Genannte (und auch andere) Bücher können HIER im Webshop des ÖGB-Verlags versandkostenfrei bestellt werden.

Autorin: Margret Steixner

Lust auf mehr? Zu allen Beiträgen der Serie kommst du HIER!

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