#dido_39: Verzahnung von Präsenz und online Teil 1: Blended Learning

Das Beste aus zwei Welten

Die aktuelle Corona Pandemie hat uns das letzte Jahr immer wieder herausgefordert, neue, digitale Lernformate zu entwickeln und auszuprobieren. Doch auch das klassische Präsenzseminar hat seine Vorteile für die Aus- und Weiterbildung. Wie können nun Präsenzseminare mit digitalen Elementen optimal verzahnt werden? Eine vielseitige Möglichkeit ist das Format Blended Learning.

Unter Blended Learning verstehen wir Lernformate, bei denen wir das Lernen mit elektronischen Medien und das Lernen in Präsenz didaktisch sinnvoll verbinden. Wir stecken also die besten Zutaten aus beiden Welten in einen Mixer und erhalten einen Lernshake, der viele Vorteile bietet: Es geht dabei darum, das gemeinsame Lernen in der Gruppe und den Austausch vor Ort mit den Möglichkeiten digitaler Medien und Technologien zum selbstgesteuerten Lernen sinnvoll zu verknüpfen​.

Warum Blended Learning?

Einerseits kommen die Vorteile des e-Learning zum Tragen: Lernende können Inhalte flexibel erarbeiten und wiederholen, und zwar unabhängig von Arbeitszeiten und in ihrem eigenen (Lern-)Tempo. Gerade in der Erwachsenenbildung, wo der eigentliche Job und die eigenen Lebensumstände Flexibilität erfordern, ist das ein Vorteil und kann zum Gelingen von Bildung beitragen.

Andererseits werden rein digitale Lernangebote von Lernenden häufig nicht wie erhofft angenommen, wenn der persönliche Bezug zum/zur Lehrenden und den Mitlernenden fehlt. Hier kommen die Vorteile von Präsenzterminen zum Tragen. Durch die individuelle Betreuung und persönliche Kommunikation stärken wir die Motivation.

Wie soll ich es angehen?

Blended Learning Formate gibt es viele, und was für euch passend ist, hängt ab von Ressourcen, Zielgruppe, Lernzielen und Inhalten. Überlegt, was will ich erreichen und für welche Inhalte brauche ich einen persönlichen Austausch? Welche eignen sich gut dafür, sie selbstständig zu erarbeiten?

Hier ein Beispiel:

Innerhalb einer längeren Fortbildung ist ein inhaltlicher Block mit dem schwierigen Thema Datenschutz vorgesehen und in der Präsenzveranstaltung steht eine juristische Fachkraft zur Verfügung, die ihre fachliche Expertise mitbringt. In diesem Fall wäre es schade, wenn die wertvolle Präsenzzeit mit einem Frontalvortag mit einer grundlegenden Einführung verloren ginge. Stattdessen wurde die Onlinephase vorher genutzt, den Teilnehmenden die vorgesehenen Inhalte digital in Form von Video, Audio und Text zur Verfügung zu stellen. 

So eignen sich die Teilnehmenden grundlegende Kenntnisse vorab eigenständig und in ihrem Tempo an und bringen ein einheitlicheres Vorwissen mit und im Präsenzseminar bleibt Raum für die wertvolle kollaborative, interaktive Wiederholung, Vertiefung, Anwendung und Diskussion der Inhalte, gemeinsam mit dem Experten oder der Expertin. In anderen Fällen ist es sinnvoll, zuerst eine gemeinsame Einführung in Präsenz zu geben und die vertiefenden Aufgaben und Materialien im Anschluss online zur Verfügung zu stellen. 

Damit ein Blended Learning Format zielgerichtet funktioniert, braucht es auch ein Ziel und dieses sollte klar sein. Helfen können folgende Fragen:

  • Will ich in der Onlinephase vertiefende Materialien bereitstellen oder eine thematische Einführung vorwegnehmen?
  • Will ich die Online-Phase dazu nutzen, den Transfer in die Praxis zu begleiten oder eignet sich dazu besser ein Präsenzworkshop?
  • Reicht mir eine einfache Kombination aus Online und Präsenz oder will ich komplexe online Kurse entwickeln?

Beispiele für verschieden Settings von Blended Learning geben Dr. Katja Bett und Konrad Fassnacht in einer übersichtlichen Zusammenfassung zum Thema Die Blended-Learning-Formel Webinare + E-Learning + Präsenz.

Und in der Umsetzung?

Wenn die didaktische Überlegung steht, geht es an die Umsetzung. Hier einige Tipps aus der praktischen Erfahrung, die euch dabei helfen können:

1. Werkzeuge gut auswählen

Wer jetzt an große Lernplattformen wie Moodle und Co. denkt, hat zwar Recht, aber auch wer nicht so ein mächtiges Learningmanagementsystem zur Hand hat, kann sich mit ein paar kleineren Mitteln behelfen.

Um eure Onlinephasen zu gestalten, reichen erstmal auch Kollaborations- und Chattools wie slack oder die datenschutzkonforme Alternative RocketChat. Damit könnt ihr Dateien austauschen, sodass ihr in der Onlinephase Aufgaben und Materialien zur Verfügung stellen könnt und die Lernenden Abgaben hochladen können. Außerdem könnt ihr so unkompliziert Kontakt halten und für Fragen ansprechbar sein. Auch die Lernenden untereinander können sich vernetzen. Ein Videokonferenztool ist außerdem noch eine praktische Ergänzung für den Fall, dass eure Präsenzveranstaltung nicht vor Ort stattfinden kann. So könnt ihr stattdessen einen digitalen Raum für eure Präsenzveranstaltung verwenden. Tipps für gelungene Webinare gibt es hier schon viele auf dem REFAK Blog, unter anderem bei Alle dabei im Online-Express? und beim Erfahrungsbericht: Drei Tage BigBlueButton.

Außerdem praktisch ist es, mit einem Etherpad zu arbeiten, an dem Teilnehmende gemeinsam und kollaborativ arbeiten können. Das schafft auch während der Onlinephase ein Zugehörigkeitsgefühl und kann zur Vernetzung der Teilnehmenden beitragen. Es gibt eine Fülle weiterer Online Tools, die ihr einbeziehen könnt, wie Padlets, Flinga und Co.. Konzentriert euch aber zunächst darauf, was für euch zielführend ist, ganz nach dem Motto „Weniger ist mehr“.

2. Alle gut an Bord holen

Das Arbeiten mit digitalen Tools erfordert von den Lernenden einiges an digitaler Kompetenz. Wichtig ist daher, alle von Anfang an gut mitzunehmen, damit unterwegs niemand verloren geht, gerade in den selbstgesteuerten Onlinephasen.

Wichtig ist es daher, Tools ausführlich einzuführen, bevor es inhaltlich in die Tiefe geht. Macht z.B. vorab einen Technik-Check im Videokonferenzsystem oder startet schon mal eine kurzen Chat, in dem jede/r einmal etwas schreibt. Kurze, einfache Erklärvideos zu den Tools können auch hilfreich sein, um technische Schwierigkeiten auszuräumen.

3. Struktur und Abläufe deutlich machen 

Klingt logisch, ist aber gerade bei größeren Blended Learning Formaten sehr wichtig, um alle Schritte transparent zu machen. Nutzt dazu auch die Präsenzphasen, um ein Resümee zur letzten Onlinephase zu ziehen und einen Ausblick auf die nächste Phase zu geben. So verschränkt ihr beide Welten und für die Lernenden sind die nächsten Schritte klar. Vereinbart auch klare Abgabetermine für Aufgaben.

4. Onlineinhalte motivierend gestalten

Da die Lernenden in den Onlinephasen selbstorganisiert lernen, sollten die Inhalte und Aufgaben verständlich und ansprechend aufbereitet sein, sodass die Motivation aufrecht erhalten wird. Dabei seid ihr natürlich nicht auf reine Textdateien beschränkt. Auch Lernvideos, Podcasts oder Quizzformate sind Möglichkeiten, Inhalte interessant aufzubereiten.

5. Betreuung zwischen den Präsenzterminen

Macht klar, dass ihr in der Onlinephase bei Fragen und Problemen ansprechbar seid. Egal, ob über eine klar kommunizierte Kontaktmailadresse, ein Fragenforum oder auf dem direkten Weg im Chat. Wichtig ist, dass ihr schnell Lösungen und Antworten geben könnt, um die Teilnehmenden nicht zu verlieren.

Fazit:

Blended Learning heißt auf der einen Seite viel Unterstützung für die Lernenden, aber auch große Selbstbestimmung, wenn man es versteht, die Mischung richtig zusammen zu mixen. Vorsichtig sollte man allerdings beim Arbeitsaufwand sein. Das ein Teil der Inhalte digital ist, bedeutet nicht weniger Arbeit für die Teilnehmenden, sondern erfordert auch Selbstdisziplin. Mit einer klaren Kommunikation über den Arbeitsaufwand vorab, kann Blended Learning ein guter Weg sein, Online- und Präsenzlernen gut zu verzahnen und das Beste aus beiden Welten zu kombinieren.

Ausblick:

Im nächsten #dido schauen wir uns eine weitere Möglichkeit an, Online- und Präsenz zu verzahnen, nämlich bei hybriden Veranstaltungen: Wenn ein Teil der Personen nicht vor Ort im Raum ist.

Autorin: Katharina Nierhoff

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