Starke Argumente gegen extreme Positionen – Ein Seminar, das bewegt

Als Trainer:in Haltung zeigen und Werte kommunizieren

Wie begegnet man extremen Positionen als Leiter*in eines Seminars, als Vortragende*r oder als Coach in einer Gewerkschaftsschule? Genau dieser Frage widmete sich das REFAK-Seminar „Starke Argumente gegen extreme Positionen“ von 11. bis 13. März 2026. Es bot den Teilnehmenden nicht nur theoretisches Wissen, sondern vor allem viel Raum zum Ausprobieren und Erleben.

Schon der Einstieg setzte auf Interaktion: Statt klassischer Vorstellungsrunde wurden in sogenannten „Triaden“ erste Hypothesen über andere Teilnehmende gebildet. Diese Methode machte auf spielerische Weise sichtbar, wie schnell wir mit Vorurteilen arbeiten, was vielleicht Vorteile aber auch Nachteile von Vorurteilen sind und wie die Eskalation zur Diskriminierung von statten geht.

Sind Stereotype schon etwas Verwerfliches?

Im weiteren Verlauf wechselten sich kompakte theoretische Inputs mit praxisnahen Übungen ab. Zentrale Begriffe wie Stereotype, Vorurteile und verbale Eskalation wurden verständlich erklärt und gemeinsam reflektiert. Dabei wurde stets der Bezug zur Praxis hergestellt: Welche Mechanismen wirken in konflikthaften Situationen? Und wie kann man ihnen konstruktiv begegnen? Wie kann ich die Störung, die durch extreme Positionen entsteht, vielleicht für meine eigenen Zwecke nutzen?

Üben, üben, üben

Ein besonderes Highlight waren die Simulationen: In realitätsnahen Szenarien konnten die Teilnehmenden unterschiedliche Reaktionsmöglichkeiten und Formate ausprobieren: von spontanen Schlagfertigkeitsübungen bis hin zu strukturierten Gesprächsstrategien. Auch Fish Bowl und Debate Club erfreuten sich großer Beliebtheit. Durch gezielte Beobachtungsaufträge und anschließende Analysen wurde das eigene Verhalten reflektiert und weiterentwickelt. Wir konnten auch gut einschätzen in welchen Situationen welche Formate hilfreich sein könnten.

Themen wie Antidiskriminierung, Zivilcourage und der Umgang mit Alltagsrassismus wurden intensiv diskutiert. Hier ging es nicht nur um das „Was“, sondern vor allem um das „Wie“: Wann greife ich als Trainer*in ein? Wie schütze ich mich selbst und meine Seminarteilnehmer*innen? Und wie bleibe ich dabei als Trainer*in handlungsfähig? Wo sind meine persönlichen Grenzen und wo kann/muss ich mich auf die Position meiner Auftraggeberin oder meines Auftraggebers zurückziehen: wenn die AK oder die Gewerkschaft für bestimmte Werte einsteht (z.B.: Antidiskriminierung oder geschlechtergerechte Sprache), dann kann ich die für meine Veranstaltung als selbstverständlich behaupten.

Wer neugierig geworden ist, aber leider nicht dabei sein konnte: hier noch ein paar Vorschläge Schlagfertigkeit zu üben.

Die 5‑Sekunden-Regel

Ziel: Spontanität trainieren, ohne impulsiv zu werden.
Methode: Bei einer provokanten Aussage kurz innehalten (max. 5 Sekunden). Diese Mini-Pause entspannt das Nervensystem und verhindert Überreaktionen.
Übung: Lass dir harmlose Spitzen zurufen (z. B. „Du bist spät!“) und antworte spontan nach kurzer Pause.

Reframing (Umdeuten)

Ziel: Provokationen entschärfen, indem du sie ins Positive drehst.
Beispiele: „Du bist hartnäckig.“ → „Ich nenne es zielstrebig.“ Übung: Schreibe 10 typische Vorwürfe auf und finde jeweils eine positive Umdeutung

Rückfragen stellen

Ziel: Zeit gewinnen und Gesprächsführung übernehmen.
Beispiele: „Was genau meinst du damit?“, „Wie kommst du zu dieser Einschätzung?“, „In welchem Zusammenhang sagst du das?“
Übung: Formuliere für 5 Provokationen passende Rückfragen.

Humor einsetzen

Ziel: Spannung lösen, ohne anzugreifen. Leichte Ironie reicht völlig aus.
Beispiele: „Schon wieder zu spät?“ → „Ich setze neue Standards.“
Übung: Sammle alltägliche Vorwürfe und entwickle humorvolle Antworten.

Trainer*innen: Irene Zavarsky und Alexander Schuller

Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen unter gleichen Bedingungen 3.0 Österreich Lizenz.
Volltext der Lizenz

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.