Präsenz zeigen, Stimme stärken

Erfolgreiches Auftreten im Seminar, auf der Bühne und im Gespräch

In diesem praxisorientierten Kurs haben wir die stimmliche Arbeit mit Präsenz, Wahrnehmung und dramaturgischem Denken verbunden. Mit vielen praktischen Übungen haben die Teilnehmer:innen gelernt, ihre persönliche Präsenz in den Seminaren zu stärken und die Stimme bewusst einzusetzen. Die Teilnehmer:innen haben Ideen gesammelt, um ihre Nervosität in positive Energie umzuwandeln und einen authentischen und selbstbewussten Auftritt zu gewährleisten.

Nach dem Ankommen gab es einen Überblick über den Tag:

  • Kennenlernen
  • Herausforderungen
  • Körper – Stimme – Atem
  • Praxiswerkstatt
  • Umgang mit Nervosität

Danach ging es gleich ins Tun: Jede:r hat den Grund fürs Dabeisein und die größte Herausforderung auf Karten geschrieben – das kann eine konkrete Veranstaltung sein oder ganz allgemein der Wunsch, weniger nervös zu sein. Beim Vorstellen reihum haben wir die Themen gleich geclustert, sodass für alle sichtbar wurde, woran wir an diesem Tag arbeiten.

Und dann ging es auch schon direkt ins Ausprobieren: Das Vorstellen in der Gruppe wurde gleich mit einer Eigenschaft und einer passenden Pose verbunden – mit dem ganzen Körper und mit der Stimme.

Powerpose

Eine Powerpose ist eine offene und raumeinnehmende Körperhaltung, die Selbstbewusstsein signalisiert und das Selbstgefühl stärken kann, indem sie den Körper „groß“ macht. Es ist eine Bewegung, die den ganzen Körper mitnimmt, die Stimme zum Einsatz bringt und die euch Kraft gibt und Spaß macht. Das ist gleichzeitig Aufwärmen, Vorstellung und ein erster Schritt, Hemmungen abzulegen. Je mehr Spaß man daran hat, umso leichter fällt der Einstieg.

Konzentration auf die Wahrnehmung

Beim Raumlaufen spüren die Teilnehmenden, wie Körper, Atem und Stimme zusammenspielen: Aufrichtung, Haltung und Präsenz verändern sich, sobald wir bewusst durch den Raum gehen. Wir lernen den Raum kennen, nehmen uns selbst wahr und treten dann mit den anderen in Kontakt. Dabei haben wir unterschiedliche Dinge ausprobiert:

  • Wahrnehmung auf sich selbst richten (Füße, Atmung, Arme, etc.)
  • Wahrnehmung auf den Raum richten
  • Wahrnehmung auf die Anderen richten
  • Begrüßen – Kontakt aufbauen

Tipps

Bei allen Übungen im Stehen gilt..
>> locker in den Knien bleiben
>> langer Nacken
>> gute, elastische Aufrichtung

Sprechen ist Ausatmung
Wenn ich etwas sage, möchte ich mich mitteilen, ich möchte es hergeben, es muss raus. Das heißt, wir konzentrieren uns nur auf die Ausatmung – also auf das was wir sagen wollen!! – die Einatmung passiert von selbst.

Lippenschluss vs. Lippenöffnung
Wenn ich in Sprechbereitschaft bin, sind die Lippen tendenziell leicht geöffnet, der Atem kann von selbst einfallen, der Körper holt sich von selbst die Luft, die er braucht, ich muss nicht aktiv atmen.

Ausrichtung verändern
Sich immer wieder eine Veränderung der Gehrichtung gönnen, erhöht die Wahrnehmung des eigenen Körpers und auch des Raumes um sich herum (Rückwärts gehen, seitwärts gehen, …).

Aufrichtung von den Füßen her – 6 Punkt Stand
>> Gewicht gleichmäßig auf große Zehenballen, kleine Zehenballen, und Fersen verteilen
>> Knie leicht gebeugt
>> Wirbelsäule und Nacken lang denken

Neutrale Position = Präsenzstand
Präsenz = Aufmerksamkeit

erst wenn ich die volle Aufmerksamkeit erzeuge, kann ich auch von meinem Gegenüber volle Aufmerksamkeit erwarten bzw. erhalten!

Konzentration auf Körper und Atmung

In dem Seminar haben wir verschiedene Übungen durchgeführt, die unsere Konzentration auf unseren Körper und Atmung gelenkt haben. Zum Beispiel mit..

  • Anspannen und Lösen
  • Ökonomisches Sitzen
  • langer Nacken
  • massieren, ausklopfen, kreisen, etc. (auch mit Tennisball möglich)

Tipp: alles was dem Schultergürtel gut tut, tut auch der Stimme gut.

Zwischendurch wurden immer wieder die wichigsten Tipps gesammelt.

Konzentration auf eigenes Gesprächsverhalten

bevor wir sprechen:

  • Sprechbereitschaft – Lippen leicht geöffnet, so kann Luft einströmen
  • einen guten, sicheren Stand finden – evtl. leichte Gewichtsverlagerung
  • wir bauen Kontakt zu unserem Gegenüber auf (Augen, Konzentration)
  • Ruhe erzeugt Spannung
  • wir wissen, was wir sagen wolllen
  • bereit sein zu geben – bereit sein zu empfangen

Und nun folgte auch schon der erste Auftritt auf unserer Bühne: Jede:r begrüßt die Gruppe auf die eigene Art – ob mit „Servus“, „Guten Morgen“ oder ganz anders. Dabei nutzen wir den „Magic Moment“, also einen kurzen Moment der Stille, bevor das erste Wort kommt. Das Feedback gibt zunächst nur das Trainerinnen-Team. Danach probieren wir Varianten aus (Stimme, Lautstärke, Haltung) und vergleichen, wie wir uns selbst erlebt haben und wie wir auf die anderen gewirkt haben.

Wichtig zwischendurch sind immer wieder die eigenen Erkenntnisse: was haben wir beobachtet? Was nehme ich mit?

Energizer

Nach dem Mittagessen holten wir uns mit einem kleinen Energizer zurück in den Seminarraum: Schuhe aus, Tennisbälle raus! Neben der Fußmassage klopften wir uns ab und aktivierten die Thymusdrüse (leicht auf das obere Brustbein klopfen), dazu darf ein kräftiges „Hiuiüiu“ erklingen.

Ausprobieren der eigenen Situationen

Jetzt wird es persönlich: Wir bringen unsere eigenen Situationen mit – ein Vortrag, ein Seminareinstieg, ein schwieriges Gespräch. Damit das Feedback wirklich weiterhilft, klären wir vorher die wichtigsten Feedback-Regeln.

Alleine oder in kleinen Gruppen bereitet jede:r den eigenen Auftritt vor. Der Ablauf: erst den Rahmen bzw. die Situation kurz beschreiben, dann der Live-Auftritt (maximal 2 Minuten), danach Feedback von einer Person, die vorab zugeteilt wurde. 
Dafür teilt sich die Gruppe auf zwei Räume auf. Zum Abschluss sind wieder alle in einem Raum.

Konzentration auf Resonanz / Kehlkopf / Sprechwerkzeuge

  • Gähnen und Strecken
  • Sprechapparat: Ansatzrohr und Sprechwerkzeuge
  • Gesicht und Kopf sanft wachklopfen (Fingerkuppen)
  • Kiefer ausstreichen 
  • Zunge aktivieren
  • Pleuel Übung
  • Pferdeschnauben / Lippenflattern mit und ohne Stimme
  • Grimassen schneiden 
  • Sprechen mit gedehnter Zunge – Affensprache
  • ausschütteln und den Körper durchrütteln

Umgang mit Nervosität

Nervosität gehört dazu, und sie ist nicht unser Feind. Gemeinsam haben wir eigene Ideen und Good Practice gesammelt: Was hilft mir kurz vor dem Auftritt? Was mache ich, wenn mich die Aufregung erwischt? Auch Fehler können dabei zu Helfern werden.

Tipps und Tricks zur Stimmhygiene

Faktoren für eine gesunde Stimme sind Klang und Belastbarkeit. Für die Gesunderhaltung der Stimme gilt es, einige wichtige Punkte zu beachten:

    • Auf ausreichend Flüssigkeitszufuhr achten: 2-2,5 Liter pro Tag unterstützen die Feuchtigkeitsregulierung der Schleimhäute der Sprechwerkzeuge. Auch während des Sprechvorgangs ist es wichtig, genug zu trinken.
    • Sehr wichtig für Vielsprecher ist eine tägliche, kurze Aufwärmung der Stimme vor der Sprechtätigkeit. Dies sollte zum täglichen Programm gehören wie das Zähneputzen.
    • Wichtig ist, auf eine gute Luftfeuchtigkeit in Räumen zu achten (45-55%).
    • Koffein sollte nur in geringen Mengen getrunken werden (auch manche Schmerzmittel enthalten Koffein!). Man kann probeweise beobachten, ob sich z. b. Kaffee- oder Teegenuss während einer Pause auf das Sprechvermögen danach auswirkt.
    • Alkoholgenuss entzieht Feuchtigkeit. Wenn Alkohol konsumiert wird, sollte auf genügend Wasserzufuhr geachtet werden.
    • Rauchen ist Gift für die Stimme (aktiv und passiv).
    • Besonders bei Erkrankungen der Stimmorgane sollte man besonders heiße, kalte und scharfe Speisen und Getränke vermeiden.
    • Vorsicht ist geboten bei der Wahl von Lutschbonbons zur Befeuchtung der Stimme. Viele Produkte entziehen Feuchtigkeit. Empfehlenswerte Präparate sind „Isla-Moos“, „Eibischteig“, „Isla-Med“
    • Kurz vor dem Sprechen können einige Lebensmittel einen negativen Einfluss auf die Stimme haben: z.B. Nüsse, Schokolade, Zitrusfrüchte (Orangensaft). 
    • Besonders wichtig ist es, sorgsam mit der Stimme umzugehen. Dazu gehört auch, mit einer Erkältung nicht viel zu sprechen und Heiserkeit wirklich ernst zu nehmen und währenddessen die Stimme möglichst wenig zu beanspruchen und wenn dann mit möglichst wenig Druck sprechen. Nicht flüstern, vor allem bei Stimmverlust!
    • Räuspern vermeiden (es besteht die Gefahr, dass sich ein Räusperzwang entwickelt). Besser kurz summen oder weitersprechen und Schleim dann wegschlucken. Oder weghusten – husten ist viel besser als räuspern!
    • „Ur-Rotzer“ – eine Reinigung bei etwaigen Ablagerungen oder Schleim im Rachen: vor allem über den Gaumen Luft ziehen, dadurch kann ich den Schleim lösen und einfach wegschlucken.
    • Nach einer längeren Stimmbeanspruchung ist es wichtig, die Stimme mit leichten Summübungen zu entspannen und ihr dann Erholung zu gönnen.
    • Besonders ein gesunder Lebensstil (viel Bewegung, viel frische Luft, genug Schlaf, etc.) ist wichtig für eine gesunde Stimme.

    Erkenntnis des Tages – mein persönlicher AHA-Moment

    Zum Schluss hält jede:r den eigenen AHA-Moment fest: Was war meine wichtigste Erkenntnis des Tages? Und: Was setze ich als Erstes um?

    Trainerinnen: Regina Czurda & Michaela Schausberger

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