#mm: „Nervige Methoden“ – Aufstellungen

„Steht auf und stellt euch zu dem Thema, das für euch passt!“

Illustration: Nicola Sekler

Jahrelang waren Methoden aus der Familie der Aufstellungen DIE Renner in der Erwachsenenbildung. Inzwischen verdrehen Teilnehmer*innen bei der Ankündigung bisweilen genervt die Augen.

Wozu Aufstellungen?

  • Zum Kennenlernen und Erfahrungen abfragen. Wir lassen Leute nach Himmelsrichtungen (Woher kommt ihr?), aufstellen. Wir lassen sie sich auf einer Bodenlinie zum Beispiel nach viel Erfahrung mit… bis Anfänger*in platzieren.
  • Zur Gruppenbildung: Stellt euch zu dem Thema, das ihr bearbeiten wollt.
  • Zur Bewertung von im Raum verteilten Statements. Geht zu dem Satz, der euch besonders wichtig ist, dem ihr am meisten zustimmen könnt.
  • Zum Aktivieren und zur Bewegung: Raus aus den Sesseln!

Wann und wo – der didaktische Ort

Aufstellungen eignen sich für den Anfang, für zwischendurch und den Schluss, sind also immer einsetzbar und darin liegt auch die Gefahr.

Allergieauslöser

Wir haben Allergien gegen Aufstellungen vor allem bei länger dauernden Kursen und Lehrgängen gefunden und bei Leuten, die viele Seminare besuchen.

Vermutungen, wann und warum unsere geliebten Aufstellungen nervig werden:

  • Inflation: Wir Trainerinnen lieben Aufstellungen, weil Bewegung und Aktivität mit Lerninhalten verbunden werden können und weil wir uns einen schnellen Überblick über Erfahrungen etc. in der Gruppe verschaffen können. Weil deshalb sehr viele Trainerinnen sehr oft und gern Aufstellungen machen, wird es den Teilnehmerinnen zu viel.
  • Zu viel Action: Es gibt den Teilnehmerninnen- Typus, der sich gerne zurücklehnt und einfach konzentriert zuhört, den dauernde Action ablenkt.
  • Erfahrungen mit Systemaufstellungen: Wenn es in der Gruppe oder bei Einzelnen Erfahrungen mit psychologischen Systemaufstellungen gibt (z.B. Familienaufstellungen nach Hellinger), werden mitunter unangenehme Erinnerungen geweckt.

Was tun?

  • Kollegialer Methoden Check: Einfach mal die anderen Trainer*innen fragen, welche Methoden sie einsetzen und ob das häufiger Aufstellungen sind.
  • Richtig“ Punkten (mit Klebepunkten auf einer Pinnwand) statt Punkten mit dem Körper
  • Handzeichenfragen
  • Digital unterstützte Abfrage: z.B. mit Mentimeter oder einem anderen Online-Tool
  • Begründen: Wir werden auf Aufstellungen nicht ganz verzichten und sie dosiert weiter einsetzen. Vielleicht hilft eine Begründung gegen allergische Reaktionen. „Ich möchte das Thema mit einer Aufstellung bearbeiten. Da werden die unterschiedlichen Positionen hier in der Gruppe schnell sichtbar.“

Autor: Ulli Lipp

Englische Übersetzung finden Sie hier

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