#grumo_01: Mit Gruppen arbeiten

Die neue #GruppenMontag-Serie am REFAK Blog geht los!

Was bringt mir das Wissen über die Arbeit mit Gruppen?

Im #grumo beschäftigen sich Gerda Kolb und Irene Zavarsky mit Gruppen und allem was dazu gehört: Erwartungen, Kennenlernen, Konflikte, Störungen, Dynamiken, gute Einstiege und rasante Finishes. Es geht dabei nicht darum absolute Wahrheiten zu formulieren, sondern Möglichkeiten aufzuzeigen, wie in den jeweiligen Situationen (re)agiert werden kann und so das Handlungsrepertoire der Leser*innen zu erweitern und produktiven Austausch zu fördern. Kommentare über eigene Erlebnisse und Strategien sind herzlich Willkommen und sehr erwünscht!

Thema sind Gruppen, mit denen wir zu tun haben: als Workshopleiter*innen, als Referent*innen, als Teilnehmer*innen einer Weiterbildung, als Team-Mitglied, in einer Leitungsposition oder auch selbstorganisierte Gruppen. Eine solche ist zum Beispiel die, die sich beim REFAK Seminar kennengelernt hat und sich seither regelmäßig zum Austausch trifft. Um sie wird es im Folgenden gehen.

Unsere Fallgruppe

Da wäre zuerst einmal Beate: Sie ist Wirtschaftswissenschaftlerin und arbeitet seit einigen Jahren in einer Arbeiterkammer. Sie ist nicht nur jüngstes Gruppenmitglied, sondern auch ganz schön pragmatisch. Wenn sie eine Seminargruppe anleitet, steht für sie der Inhalt im Vordergrund. Beate ist vor allem interessiert an Tipps, um mit Störungen und Konflikten in Gruppen besser umgehen zu können. Paul ist Angestellter einer Gewerkschaft und dort als Administrator tätig, gleichzeitig ist er auch Lehrgangscoach in der Gewerkschaftsschule. Er liebt seine Arbeit und tut alles für die Gruppen, die er begleitet. Ein offener Umgang mit Reibereien und Konflikten ist nicht seine große Stärke. Ganz im Gegensatz zu Yasmine, Fachtrainerin und Einzelunternehmerin. Gruppendynamik ist ihr Ding, sie liebt herausfordernde Situationen und „dicke Luft“ und ist oft genervt von dem Feedback, dass sich die Gruppe mehr Inhalte erwartet hätte. Zu den regelmäßigen Treffen gehört auch Rudi, Psychotherapeut und Supervisor von Beruf. Er ist der Älteste der Runde und hat dementsprechend viel Erfahrung. Sein Augenmerk richtet er vor allem auf einzelne Personen in Gruppen und deren Funktionen, Rollen und Anliegen. Mit Maria, Lehrgangsleiterin einer Betriebsrätinnen Akademie, ist die Runde komplett. Sie hat schon viel mit Gruppen erlebt und weiß, dass es nicht immer ohne Reibung geht. Das findet sie zwar ganz spannend, gleichzeitig weiß sie aber, dass die Vermittlung von Inhalten bei den meisten Teilnehmer*innen höher im Kurs steht.

Kennengelernt haben sich die fünf bei einer Weiterbildung zum Thema – nonaned – Arbeit mit Gruppen. Sie haben sich auf Anhieb gut verstanden und beschlossen, ihre Erfahrungen und Erlebnisse füreinander zugänglich zu machen und treffen sich daher seit geraumer Zeit alle zwei Wochen zum Austausch und Reflexion. Schon oft haben sie sich gegenseitig mit Hinweisen und Tipps unterstützt und für die nächsten Monate lassen sie auch uns an ihrem fachlichen Austausch teilhaben.

Das erste Treffen der Fallgruppe

Bei ihrem ersten Treffen geraten sich Beate und Yasmin beinahe in die Haare, weil Beate darüber lästert, wozu man in der gewerkschaftlichen Erwachsenenbildung überhaupt über Gruppendynamik Bescheid wissen muss: Der Inhalt stehe doch im Vordergrund und es könnten sich ja alle vernünftig und erwachsen verhalten. Puh. Da ist es kurz hoch her gegangen. Paul war schon ganz verzagt. Zum Glück kann Rudi mit seiner Ruhe und Erfahrung ein bisschen Wind rausnehmen. Er erklärt, was es mit Gruppen so auf sich hat:

„Sobald drei oder mehr Menschen eine Gruppe bilden, entstehen bestimmte Dynamiken und Verhaltensweisen. Ob wir wollen oder nicht. Das ist nicht nur furchtbar spannend und lässt sich gut beobachten, sondern das Wissen darum, was in Gruppen geschieht, ist äußerst hilfreich, wenn wir in und mit Gruppen arbeiten.“ – „Aber was ist das überhaupt, eine Gruppe im Vergleich zu einem Haufen Menschen?“ wirft Beate ungeduldig ein. Rudi nickt: „Die gängigen Theorien gehen davon aus, dass es sich um mindestens drei Personen handelt, die gemeinsame Ziele haben, in regelmäßigem Kontakt miteinander stehen und sich der Gruppe auch zugehörig fühlen, sich also als „wir“ begreifen“.

Erst wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind, wird eine Ansammlung zu einer Gruppe.

Erst wenn alle drei Bedingungen erfüllt sind, sprechen wir von einer Gruppe. Eine Anhäufung von Menschen, die beispielsweise auf die Straßenbahn warten, gilt in einem soziologischen oder psychologischen Kontext nicht als Gruppe. Auch die maximale Anzahl der Personen spielt eine Rolle. In einer Gruppe sollte es möglich sein, den Überblick zu behalten, zu wissen wer dazu gehört und wer nicht, wer da ist oder fehlt, oder auch welche Anliegen es gibt. In der Literatur wird häufig 12 als die ideale Personenanzahl für eine Gruppe angegeben. Andere Gruppendynamiker*innen, das sind diejenigen, die sich in Theorie und Praxis mit Gruppen beschäftigen und deren Dynamiken erforschen, sprechen von maximal 16 oder gar 30 Personen als Gruppe, in dem vorab beschriebenen Sinn.“

Rudi lehnt sich zurück und Yasmin schaut Beate an: „Wir sind auch eine Gruppe – zumindest wenn wir uns weiterhin regelmäßig treffen. Da werden wir schon noch ein paar Dynamiken erleben.“ Beate schaut etwas skeptisch „Ist ja gut. Aber ich fange nicht jedes Treffen mit einer Wie-Geht’s-Mir – Runde an! Da krieg ich Ausschlag!“ Yasmin lacht und meint: „Nein, müssen wir ja nicht. Aber wenn ihr wollt, dann bereite ich für das nächste Treffen was vor zum Thema „Was brauchen längerfristige Gruppen am Anfang, damit sie gut arbeiten können?“. Dann können wir an uns selbst erproben, was für unsere Gruppenkultur passt.“ – Der Vorschlag wird angenommen und alle sind froh, dass sich Yasmin bereit erklärt hat, etwas vorzubereiten. Beim Gehen schubst Beate Yasmin noch mal an: „Ich wollt vorher nicht so heftig werden.“ – „Ist schon gut“ zwinkert Yasmin „Ich mag’s, wenn ein bisschen die Funken fliegen. Das bringt Leben in die Sache.“

Das nächste Mal: „Was brauchen Gruppen am Anfang, damit sie gut arbeiten können?“

Autorinnen: Gerda Kolb und Irene Zavarsky

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