#mm: …zurück in den Alltag…

icon_#mmZiel
**Bezug herstellen zum eigenen Arbeits- und Lebensumfeld
**verankern des Gelernten und Erarbeiteten
**Selbstreflexion

Kurzbeschreibung
Und jetzt? Um die TeilnehmerInnen mit dieser Frage am Ende eines Themenblocks und/oder Seminars nicht alleine zu lassen und direkt den Bezug zwischen dem Erarbeiteten und Gelernten und der eigenen Arbeits- und Lebensrealität herzustellen, gibt es zahlreiche Methoden. Grundsätzlich ist die dadurch angeregte Reflexion und der Praxistransfer gar nicht so einfach für Menschen, die das nicht gewohnt sind; eine schnelle Reaktion ist dann z.B. ein Unverständnis, was bitte jetzt 15min lang hier getan werden soll oder aber, was das bringen soll. Umso wichtiger ist deshalb
1. sich selbst gut darüber im Klaren zu sein, was genau das Ziel sein soll/ist, warum ich als ModeratorIn/TrainerIn denke, dass dies eine wichtige/richtige Abrundung ist
2. gut zu überlegen, welche Fragen und welche Vorgehensweise/Umsetzung (siehe unten) dafür sinnvoll sind
3. die Methode gut einzuleiten
Im Folgenden mögliche Fragen, die auf gar keinen Fall alle auf einmal gestellt werden sollten. Es ist eher eine Orientierung, in welche Richtung die Reflexionsfragen gehen könnten. Je nach Thema bietet sich dann eher die eine oder die andere Zuspitzung/Formulierung an. Grundsätzlich gilt: Formulierungen ohne Fragezeichen wirken auf/fordernder als Fragen.

  • Was habe ich erfahren und gelernt? Was habe ich mitgenommen?
    Oder: Das habe ich erfahren und gelernt …
  • Was nehme ich neues in meinen Alltag mit?
    Das nehme ich mir neues in meinen Alltag mit …
  • Welche konkreten Handlungsoptionen ergeben sich für mich?
    Diese konkreten Handlungsoptionen ergeben sich für mich …
  • Für welche Situationen in meinem Arbeits/Alltag habe ich Information, Inspiration, Hinweise erhalten?
  • In welchen konkreten Situationen nehme ich mir was vor? (kann auch als einzige Frage formuliert werden und unterteilt werden in „Situation: …“; „Vorhaben: …“)
  • Welche Schritte nehme ich mir vor, wenn ich wieder im Alltag bin?
    Das ist mein nächster Schritt …
    Das sind meine nächsten 3 Schritte …
  • Was bringt mich noch ins Grübeln?
    Das will ich mir noch genauer Überlegen …
    Das möchte ich mit meinen KollegInnen nochmals diskutieren …
  • Das möchte ich verändern …
    Das möchte ich beibehalten …
  • Welches Thema möchte ich gerne weiterverfolgen? Wie, wo und mit wem?
    Dieses Thema möchte ich gerne weiterverfolgen …
    Dieses Thema möchte ich mit … weiterverfolgen:
  • Mit wem möchte ich mich gerne in den kommenden Wochen austauschen? Zu welchem Thema?

Konkrete Beispiele

  • „Brief an mich“: Die TeilnehmerInnen werden aufgefordert, einen Brief an sich zu schreiben, in dem sie formulieren, was sie sich für die nächste Zeit vornehmen. Der Brief wird von den TeilnehmerInnen in einen Briefumschlag gesteckt, mit ihrer Adresse versehen und an die TrainerInnen zurückgegeben. Zu einem vorher angekündigten Zeitpunkt (4-8 Wochen später) wird er den TeilnehmerInnen per Post zugesandt. Die Methode „Brief an mich“ hat den Vorteil, dass es 2 Phasen des Verankerns und Reflektierens gibt: 1. die Phase im Seminar, wo der direkte Praxisbezug hergestellt wird; 2. die Phase beim Lesen des Briefes, wo es noch einmal darum geht: Was wurde tatsächlich umgesetzt, was nicht? Warum nicht? Usw…
  • Reflexionsschema/-raster: Die TeilnehmerInnen erhalten ein Arbeitsblatt mit einzelnen Fragen/Sektoren, z.B.:Reflexionsschema
    das war neu für mich
    das hat mich überrascht
    das war das Wichtigste, was ich heute/die letzten 2 Tage/XX zum Thema YY gelernt habe
    das habe ich bislang noch nicht mit dem Seminarthema in Verbindung gebracht
    auf das möchte ich in Zukunft/bei der nächsten Diskussion/in meinem Alltag achten
    Die Bearbeitung findet in Einzelarbeit statt und ist im Wesentlichen eine Selbstreflexion. Sie kann aber auch der Ausgangspunkt für einen nochmaligen Austausch in Kleingruppen (#mm) oder für ein kurzes Blitzlicht (#mm) im Plenum sein (das Beispiel wurde in einem Gender-Training verwendet).
  • Mein erster Schritt: Eine Variante, bei der die TeilnehmerInnen gebeten werden, kurz in sich zu gehen und sich zu überlegen, was sie als erstes unternehmen werden. Zur schriftlichen Fixierung können einfach Karteikarten ausgeteilt und beschriftet werden. Eine anschließende Runde, in der dieser erste Schritt benannt und damit „veröffentlicht“ wird, kann die Umsetzungsmotivation erhöhen.
  • Schwerpunkt Umsetzung: Soll wirklich die ganz konkrete Umsetzung geplant werden, bietet sich ein Maßnahmen- oder Tätigkeitskatalog (#mm) an.

Planungsdetails
Dauer: Arbeitsblatt oder Brief werden in Einzelarbeit geschrieben, dafür mindestens 15-20min einrechnen. Zusätzlich kann im Anschluss noch ein Austausch in der Gesamtgruppe oder aber in Kleingruppen stattfinden – entweder inhaltlich oder „wie ging es mir mit dem Transfer“? Gerade bei Gruppen, die diese Form der Reflexionsarbeit nicht so gewohnt sind, ist diese Einbettung und das Abholen auch der Unsicherheiten wichtig!
Material: Wenn Brief dann Briefbogen + Umschläge und eine Box, um die Briefe zu sammeln; Arbeitsblätter

 

Autorin: Nicola Sekler

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