Einstieg in planspielbasiertes Lehren und Trainieren
Trainer:innen: Regina Czurda und Thomas Schandl
Was Planspiele können, lässt sich in zahlreichen Quellen nachlesen. Wirklich greifbar wird die Methode aber erst, wenn man selbst an einem Planspiel teilnimmt und das Geschehen anschließend gemeinsam auswertet. Genau diese Verbindung von Erleben und Analysieren stand im Mittelpunkt von „Planspiel Kompakt“.
Die Teilnehmer:innen lernten die Planspielmethode zunächst theoretisch anhand von fünf Leitfragen kennen und erlebten sie anschließend als Verhandler:innen und Beobachter:innen in einem konkreten Szenario. Abschließend ging es darum, Bedingungen für einen sinnvollen Einsatz einer von den Teilnehmer:innen eingebrachten Planspielidee in der politischen Erwachsenenbildung zu prüfen.
Von den Erfahrungen zu den Grundlagen
Zu Beginn sammelten wir die bisherigen Erfahrungen der Teilnehmer:innen mit Planspielen sowie Themen, die sie möglicherweise künftig mit einem eigenen Planspiel bearbeiten wollten.
Der folgende Grundlagenvortrag behandelte die Besonderheiten der Methode und die Frage, wann ihr Einsatz didaktisch sinnvoll ist. Als Orientierung dienten fünf Leitfragen: Wozu soll das Planspiel eingesetzt werden? Warum ist gerade ein Planspiel die passende Methode? Welches Planspiel eignet sich? Ist es unter den vorhandenen Bedingungen umsetzbar? Und wie muss es angepasst werden? Damit wurde deutlich: Ein Planspiel soll nicht als Selbstzweck eingesetzt werden, sondern diese aufwändige Methode muss mit Bedacht gewählt werden.
Das Planspiel „Samstagsbetrieb“
Anschließend wechselten die Teilnehmer:innen von der Theorie ins Spiel. Im fiktiven Planspiel Samstagsbetrieb trafen vier Stakeholder eines Industriebetriebs aufeinander: Geschäftsführung, Betriebsrat, Gewerkschaft und Zentrale des Konzerns. Die Teilnehmer:innen des Seminars wurden in diese Interessensgruppen zufällig aufgeteilt.
Das Ausgangsszenario spielte im Montagebereich des Betriebs, in dem für die Erfüllung eines zusätzlichen Auftrags vorübergehend auch samstags gearbeitet werden sollte. Wie der Samstagsbetrieb konkret gestaltet werden sollte, verhandelten die vier Gruppen aus ihren eigenen Perspektiven und mit unterschiedlichen Zielen. Die Situation war bewusst so gestaltet, dass jede Gruppe in Teilaspekten auf Kooperation mit den anderen Gruppen angewiesen war, niemand konnte eine Lösung im Alleingang durchsetzen.
Das Spiel umfasste zwei Verhandlungsrunden. In der ersten Runde verhandelten Betriebsrat und Gewerkschaft sowie Zentrale und Geschäftsführung parallel. Nach einer Reflexions- und Vorbereitungsrunde wechselten die Gesprächskonstellationen: Nun trafen Geschäftsführung und Betriebsrat sowie Gewerkschaft und Zentrale aufeinander. Einige Teilnehmer:innen verhandelten, andere beobachteten ausgewählte Aspekte des Geschehens.
Informationen, Interessen und Zwischenergebnisse mussten in den eigenen Gruppen verarbeitet und in einer neuen Gesprächskonstellation weitergeführt werden. Eine vollständige Einigung war dabei explizit nicht die einzige mögliche Form eines Ergebnisses. Auch offene Punkte und unterschiedliche Zwischenstände bieten Material für die Auswertung eines Planspiels.
Reflexion als zentraler Teil des Planspiels
Nach jeder Verhandlungsphase hielten die Gruppen ihre Beobachtungen auf Moderationskarten fest, um Erfahrungen und Emotionen für die Auswertung festzuhalten.
Als besondere Lernfelder erwiesen sich dabei die Kommunikation und Beteiligung innerhalb der Gruppen. Planspiele machen sichtbar, wer Gehör findet, wie Entscheidungen zustande kommen und welche Formen der Gesprächsführung Zusammenarbeit fördern oder erschweren. Faire Einbeziehung, Sprechdisziplin und konfrontative Fragen erwiesen sich dabei als besondere Beobachtungspunkte. Damit wurde nicht nur das Verhandeln zwischen Interessengruppen, sondern auch die interne Gruppendynamik zum Lerngegenstand.
Weiters wurde der Einsatz unterschiedlicher Verhandlungstechniken analysiert. Eine der angewendeten Strategien bestand darin, bei den Gesprächspartner:innen zunächst Betroffenheit herzustellen – etwa über persönliche Schicksale – und diese anschließend für die Argumentation zu nutzen. Unterbrechungen und Pausen wurden ebenfalls als taktische Mittel benannt. Dabei wurde nicht nur über das Ergebnis gesprochen, sondern auch darüber, wie Wirkung erzeugt und ein Gespräch gesteuert wurde.
Die Reflexion zeigte auch, dass klare Rollen und Aufträge für die Handlungsfähigkeit wesentlich sind. Bei ungewohnten oder konfrontativen Positionen hilft ein bewusster Rollenabschluss, um gespielte Rolle und persönliche Haltung zu trennen.
Schließlich wurde das Verhältnis zwischen Spielmodell und Realität thematisiert. Ein Planspiel bildet politische oder betriebliche Strukturen notwendigerweise vereinfacht ab; Abweichungen von der Realität können daher selbst zu wichtigen Lernanlässen werden. Aufgabe der Trainer:innen ist es, solche Hinweise aufzunehmen, den laufenden Durchgang fortzuführen und Erkenntnisse für Überarbeitungen des Planspiels zu sichern.
Blick hinter den Vorhang
Nach dem eigenen Spielerlebnis und dessen Auswertung folgte der Wechsel auf die Meta-Ebene. Das Planspiel Samstagsbetrieb diente nun als Ausgangspunkt für die Gestaltung potenzieller eigener Planspiele der Teilnehmer:innen. Wir analysierten den Aufbau des Planspiels Samstagsbetrieb und untersuchten, was nötig wäre, um in der gleichen Struktur andere Inhalte in anderen Rollenkonstellationen zu verhandeln.
Um die nötigen Adaptierungen klarzumachen, griffen wir ein aus der Gruppe eingebrachtes Thema für ein potenzielles Planspiel auf: „Religion(-sunterricht) in Schulen – ja oder nein?“ Im Plenum prüften wir, ob es in diesem Setting eine offene Entscheidung gibt, die in einem Planspiel verhandelt werden kann. Gleichzeitig sammelten wir Interessensgruppen, die in einem solchen Szenario beteiligt sein könnten. Als erste Beispiele wurden Religionslehrer:innen, Bildungsdirektion und Kirchenvertreter:innen genannt. Unsere Überlegungen zeigten: Ein gesellschaftlich kontroverses Thema wird nicht allein dadurch zum Planspiel, dass verschiedene Meinungen vorhanden sind. Es braucht Akteur:innen mit unterschiedlichen Interessen und eigenen Handlungs- und Entscheidungsmöglichkeiten. Für das vorliegende Szenario erschien uns letztlich eine Debattierübung mit Rollenspielelementen geeigneter.
Was bleibt?
Planspiele können politische und gesellschaftliche Prozesse erfahrbar machen. Teilnehmer:innen müssen Informationen einordnen, Interessen vertreten, andere Perspektiven berücksichtigen und unter Bedingungen handeln, die sie nicht allein bestimmen. Dadurch werden nicht nur Sachfragen sichtbar, sondern auch Aushandlung, Macht, Kooperation und die Wirkung institutioneller Regeln.
„Planspiel Kompakt“ verband diese Erfahrung mit einem Meta-Blick auf die Methode selbst. Die Reflexion der beiden Verhandlungsrunden, die Hinweise zur Spielleitung und der Blick hinter den Vorhang machten deutlich: Ein Planspiel ist dann besonders lernwirksam, wenn Ziel, Szenario, Rollen, Ablauf und Auswertung zusammenpassen – und wenn das Erlebte anschließend im Kontext der Realität eingeordnet wird.

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