Die Situation: Zwei Personen mit unterschiedlichen Kompetenzen, Erfahrungen und vielleicht auch Rollenverständnissen werden zu einem Trainer:innen-Team zusammengespannt, um von beiden Perspektiven und Expertisen im Seminar zu profitieren. Das ist selbst für erfahrene Trainer:innen & Referent:innen nicht immer so eine „gmahde Wiesn“. Viele sind es gewohnt, alleine oder aber mit langjährigen Co-Partner:innen zu arbeiten. Im #dimi-Beitrag „Teamteaching – Trainieren im Doppelpack“ haben wir am REFAK-Blog schon die Vorteile beschrieben, die Teamteaching bringt. In diesem Beitrag hier geht es darum, mit praktischen Fragen & Tipps die Designerstellung & das gemeinsame Agieren vor Ort anzuleiten.
Verzahnung als Bild
Ich stelle mir die gemeinsame Gestaltung von Seminaren immer wie ineinandergreifende Finger oder Zahnräder vor, sowohl Inhalte als auch Trainer:innen-Persönlichkeiten verzahnen sich und schaffen einen gemeinsamen Raum. Die Tiefe dieser inhaltlichen & sozialen Verzahnung kann variieren und sollte Teil der Auftragsklärung sein: Sollen die unterschiedlichen Inhalte und Perspektiven additiv nebeneinander stehen und überlassen wir deren Verarbeitung & Verbindung den Teilnehmer:innen? Schließen wir als Trainer:innen fließend aneinander an, greifen die Gedanken auf und weben gemeinsam einen roten Faden? Arbeiten wir beide konsequent und aus unserer jeweiligen Perspektive an denselben Themen und gestalten einen gemeinsamen Lernprozess?
Ich als Trainer:in – eine Gebrauchsanweisung
Ein erster Schritt für eine gelingende Abstimmung im Trainer:innen-Team ist, dass ich mich selbst gut kenne: Wie ticke ich? Wie tue ich am liebsten? Was geht für mich eher nicht? Je klarer ich das habe, desto besser kann ich mich mitteilen.
Hier ein paar Impulsfragen, die deine Gebrauchsanweisung verfeinern:
- Wie verstehe ich meine Rolle als Trainer:in im Lernprozess? Eher als Wissensvermittler:in, Impulsgeber:in, Lernbegleiter:in, Expert:in, Moderator:in – oder bewusst wechselnd?
- Welche Werte möchte ich neben den Inhalten vermitteln?
- Meine drei NoGos in der Trainer:innen-Rolle…
- Was ist für mich eine gute Vorbereitung für ein Training? (z.B. wie detailliert plane ich, wie genau sieht mein Design aus, wie genau gestalte ich Übergänge und Anknüpfungen …)
- Was ist mir wichtiger: ein klarer Plan oder das, was im Raum gerade entsteht? Und nach welchen Kriterien entscheide ich situativ?
- Was bedeutet für mich „gutes Lernen“?
- Wie beteiligungsorientiert/interaktiv arbeite ich? Was traue ich Teilnehmenden zu – und wo & wie greife ich steuernd ein?
- Wie gehe ich mit Nicht-Wissen um – bei mir selbst und in der Gruppe?
- Wie reagiere ich auf Widerstand oder Stille?
- Was löst bei mir Irritationen aus oder triggert mich?
- Was mache ich, wenn ich unter Druck gerate oder unsicher werde?
- Welche Erfahrungen habe ich bislang in der Zusammenarbeit in einem Trainer:innen-Team? Was ist mir da besonders wichtig?
- Welche fünf Dinge sollte eine zukünftige Co-Trainer:in unbedingt über mich wissen?
- ….
Gemeinsame Designerstellung & Absprachen
Grundsätzlich gilt: Je mehr der oben aufgelisteten Fragen zwischen euch als Co-Trainer:innen explizit besprochen sind, also, je mehr Gebrauchsanweisung ihr euch gegenseitig gebt, desto leichter ist das Agieren vor Ort und in bzw. gegenüber der Gruppe. Darüber hinaus sind in Vorbereitung & Durchführung wichtig:
1. Schritt: Grobdesign
- Inhalte gemeinsam grob strukturieren & Ziele für die einzelnen Sequenzen festlegen
Achtung: Beim Arbeiten zu zweit, und zwischendrin arbeitsteilig, ist es noch wichtiger, die Ziele wirklich klar zu haben. Achtet darauf, dass ihr inhaltliche & soziale Ziele festlegt: Also nicht nur was vermittelt werden soll, sondern auch wie und was am Ende bei den Teilnehmer:innen angekommen sein soll. - Dann: Verantwortlichkeiten für die einzelnen Sequenzen klar verteilen!
Wer übernimmt für die Gestaltung die Hauptverantwortung und bereitet bis zum nächsten Treffen die konkrete Gestaltung vor?
2. Schritt: Feindesign
- Vereinbart klare Rollen in den einzelnen Sequenzen:
Wer hat die inhaltliche Verantwortung? Wer moderiert oder schreibt mit? Liegt das alles in einer Hand oder geht ihr teilweise arbeitsteilig vor? - Gestaltet die Übergänge zwischen den einzelnen Sequenzen und die Übergaben bewusst („Verzahnungspunkte“). Darüber hinaus: Wo können inhaltliche Bezüge und Verweise zwischen den einzelnen Sequenzen immer wieder hergestellt werden, die es den Teilnehmer:innen leichter machen, die Inhalte zu verknüpfen?
- Vereinbart Nicht-Themen & Nicht-Ziele
Bei vielen Themen kennen wir schon beliebte Abbiegungen, die wir nicht nehmen wollen. Sprecht sie bewusst in der Vorbereitung an und aus, dann entsteht vor Ort keine Unsicherheit und ihr könnt klar den Teilnehmer:innen gegenüber auftreten. - Spielt „Was wäre wenn…“ im Vorfeld und verfeinert so eure Absprachen – das kann der berühmte Plan B bei Zeitmangel sein, aber auch Verhaltensweisen von Teilnehmer:innen, Situationen, in denen ihr euch unsicher fühlt…
3. Schritt: Verabredungen für das Seminar & danach
- Pausenzeit ist Trainer:innen-Zeit, d.h. kurz checken: Wie sind wir unterwegs, zeitlich, inhaltlich, methodisch, als Trainer:innen-Team und in der Gruppe? Worauf müssen wir achten? Wo nachsteuern?
- Wie kann die Trainer:in, die gerade nicht in der Verantwortung ist, inhaltliche Ergänzungen einbringen, ohne, dass sie die andere „stört“? Einfach ergänzen, am Ende ergänzen, auf Nachfrage ergänzen…
- Steuerzeit: Bei mehrtägigen Seminaren ist es am Besten, ihr reserviert auch Zeit nach Ende des Seminars für eine Tagesreflexion und nachsteuern (vor allem bei wiederkehrenden Seminaren relevant), dasselbe gilt für die Nachbesprechung des Seminars.
Die Gesamt-Kunst: explizit statt implizit…
Gerade langjährige Trainer:innen schießen viel aus der Hüfte, will heißen, dass neben den Inhalten auch die Steuerung der Gruppe sehr intuitiv läuft. Die Krux im gemeinsamen Tun ist, dass Dinge, die ich normalerweise gar nicht oder intern verhandle, explizit gemacht werden müssen. So entsteht eine gemeinsame gute Handlungsbasis, ein Vertrauen, eine Sicherheit und eigentlich dann auch ein Flow, ein ineinandergreifen und -fließen, ein sich verbinden und wieder trennen. Für alle gilt: Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten sind inkludiert 😉
Autorin: Nicola Sekler

Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen unter gleichen Bedingungen 3.0 Österreich Lizenz.
Volltext der Lizenz
