Mini-Serie: Frameworks & Großformate
Das Format Barcamp wird auch „Unkonferenz“ genannt. Es ist ein offenes Veranstaltungsformat, bei dem die Teilnehmer:innen in einem vorgegeben Rahmen (zeitlich & inhaltlich) selbst Themen, Fragen und Ideen einbringen können, die sie interessieren.
Wie alle Großformate lebt auch das Barcamp stark von einer guten Balance zwischen einem klar vorgegebenen Rahmen & viel Gestaltungsmöglichkeiten innerhalb dessen. Ziele eines Barcamps können sein: Wissen sichtbar machen & teilen, Dialog & Vernetzung, Partizipation ermöglichen & Selbstorganisation erlebbar machen, Innovationen anstoßen, z.B. auch, dass das Format von den Teilnehmer:innen weitergetragen wird.
Konkret heißt das…
- Es gibt eine klare formale Struktur zur Orientierung für alle: Einen zeitlichen Ablauf mit gemeinsamem Anfang & Abschluss und dazwischen Sessions mit klar festgelegten Orten (Räume) & Zeiten inklusive Pausen.
- Es gibt klare Ziele, was mit dem Barcamp erreicht werden soll.
- Es gibt einen klaren inhaltlichen Rahmen mit Überthema und Leitfragen, die das Thema zuspitzen.
- Innerhalb dieses formalen & inhaltlichen Rahmens gibt es genug Freiheit, um inhaltlichen Austausch zu ermöglichen, eine Vielfalt der Beiträge zuzulassen, eigene Betroffenheiten einzubringen und zu thematisieren, sowie Themen beteiligungsorientiert und forschend zu bearbeiten.
- Die Ergebnisse in den einzelnen Sessions werden visualisiert und festgehalten und im gemeinsamen Abschluss mit allen Teilnehmer:innen Highlights aus den Sessions geteilt.
Tipp: Von hinten her denken…
Also überlegen: Welche „Ergebnisse“, welcher Output soll am Ende stehen? Dann wird viel klarer, was die Ziele sind und welcher inhaltliche & formale Rahmen das Erreichen dieser Ziele ermöglicht. Dir kommt der Tipp bekannt vor? Wahrscheinlich von hier 😉
Rollen & Zuständigkeiten
Barcamps funktionieren dann gut, wenn die unterschiedlichen Rollen sehr klar sind, d.h. wer welche Aufgaben hat und wer was entscheidet.
- Vorbereitungsteam/Gastgeber:innen: Eine wichtige Rolle für den Gesamtrahmen spielt das Vorbereitungsteam, es legt mit dem inhaltlichen & formalen Rahmen nicht nur den Grundstein, sondern sorgt auch für eine einladende Atmosphäre – deshalb wird in beteiligungsorientierten Formaten auch häufig der Begriff Gastgeber:innen verwendet. So wie gute Gastgeber:innen achten sie darauf, dass alle, die da sind, auch „alles haben“, um sich gut beteiligen zu können.
Das Vorbereitungsteam setzt sich aus Auftraggeber:innen/Veranstalter:innen, Moderation, und idealerweise anderen, für das Thema relevanten Personen zusammen. Relevant kann heißen: wichtige Multiplikator:innen für das Thema oder die Vernetzung – im Thema oder Feld (z.B. Arbeitnehmer:innenvertretung) sehr erfahrene Personen, etc.. Das Vorbereitungsteam legt das Gesamtsetting fest, also den inhaltlichen & formalen Rahmen, Einladungspolitik und Ort. - Die Moderator:innen sind Hüter:innen des Gesamt-Prozesses, also die gemeinsame Vorbereitung, eine gute Auswahl für das Vorbereitungsteam, eine klare Zielsetzung & inhaltliche Rahmung und insbesondere die Balance zwischen Struktur & Freiheit. Vor Ort achten die Moderator:innen auf die Umsetzung & Einhaltung des inhaltlichen & formalen Rahmens und moderieren die Gesamtveranstaltung.
- Sessiongeber:innen/Themenbringer:innen können alle sein: Sie bringen eine konkrete Frage im vorgegebenen Rahmen ein, die sie gerne gemeinsam mit anderen Teilnehmer:innen näher erkunden möchten. Ihre Aufgabe ist die Moderation „ihrer“ Session und sie sorgen für eine gute Dokumentation. Wichtig: Alle gemeinsam übernehmen Verantwortung für das Gelingen.

Die Frage ist also: „Konsumieren“ die Teilnehmer:innen noch oder „geben“ sie schon?
Bei einem Barcamp werden die Teilnehmer:innen auch Teilgeber:innen genannt.
Damit sich alle gut beteiligen können und sich sicher genug fühlen mit diesem für viele doch sehr ungewohnten Format, ist es wichtig, dass…
- … der Rahmen wirklich gut & klar ist, genug Orientierung gibt, ohne das inhaltliche Programm festzulegen.
- … es im Vorfeld eine Einladung mit Erklärung gibt, was ein Barcamp ist, und wie sich die Teilnehmenden mit einem Thema einbringen können.
- … es zu Beginn genügend Zeit gibt, um das Programm gemeinsam zu gestalten, d.h. Themen einzubringen, jeder Session ein Thema & ein:e Sessiongeber:in zuzuordnen.
- … die Sessiongeber:innen mit einer neugierigen & offenen Haltung in die Sessions gehen, sich selbst aktiv einbringen, aber nicht als Expert:innen auftreten.
- … es ein Mini-Coaching oder einen Leitfaden für Sessiongeber:innen gibt, z.B. mit Tipps, wie gemeinsam mit den Teilgebenden in eine fragende, erkundende Haltung kommen.

Du bist jetzt noch neugieriger geworden? Du möchtest so ein Barcamp mal live erleben? Als „Teilgebende“ oder Sessionsgeber:in? Einfach mal ausprobieren und vielleicht dann selber mal veranstalten?
Dann sei wirklich dabei, beim Barcamp der REFAK am 10.06.2026 in Wien: Anmeldung HIER.
Autorinnen: Nicola Sekler & Margret Steixner
Lust auf mehr? Zu allen Einträgen der Serie #mm kommst du HIER!

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