#mm: Das Barcamp

©Nicola Sekler

Mini-Serie: Frameworks & Großformate

Das Format Barcamp wird auch „Unkonferenz“ genannt. Es ist ein offenes Veranstaltungsformat, bei dem die Teilnehmer:innen in einem vorgegeben Rahmen (zeitlich & inhaltlich) selbst Themen, Fragen und Ideen einbringen können, die sie interessieren. 

Wie alle Großformate lebt auch das Barcamp stark von einer guten Balance zwischen einem klar vorgegebenen Rahmen & viel Gestaltungsmöglichkeiten innerhalb dessen. Ziele eines Barcamps können sein: Wissen sichtbar machen & teilen, Dialog & Vernetzung, Partizipation ermöglichen & Selbstorganisation erlebbar machen, Innovationen anstoßen, z.B. auch, dass das Format von den Teilnehmer:innen weitergetragen wird.

Konkret heißt das…

  • Es gibt eine klare formale Struktur zur Orientierung für alle: Einen zeitlichen Ablauf mit gemeinsamem Anfang & Abschluss und dazwischen Sessions mit klar festgelegten Orten (Räume) & Zeiten inklusive Pausen.
  • Es gibt klare Ziele, was mit dem Barcamp erreicht werden soll.
  • Es gibt einen klaren inhaltlichen Rahmen mit Überthema und Leitfragen, die das Thema zuspitzen.
  • Innerhalb dieses formalen & inhaltlichen Rahmens gibt es genug Freiheit, um inhaltlichen Austausch zu ermöglichen, eine Vielfalt der Beiträge zuzulassen, eigene Betroffenheiten einzubringen und zu thematisieren, sowie Themen beteiligungsorientiert und forschend zu bearbeiten. 
  • Die Ergebnisse in den einzelnen Sessions werden visualisiert und festgehalten und im gemeinsamen Abschluss mit allen Teilnehmer:innen Highlights aus den Sessions geteilt.

Tipp: Von hinten her denken…

Also überlegen:  Welche „Ergebnisse“, welcher Output soll am Ende stehen? Dann wird viel klarer, was die Ziele sind und welcher inhaltliche & formale Rahmen das Erreichen dieser Ziele ermöglicht. Dir kommt der Tipp bekannt vor? Wahrscheinlich von hier 😉

Rollen & Zuständigkeiten

Barcamps funktionieren dann gut, wenn die unterschiedlichen Rollen sehr klar sind, d.h. wer welche Aufgaben hat und wer was entscheidet.

  • Vorbereitungsteam/Gastgeber:innen: Eine wichtige Rolle für den Gesamtrahmen spielt das Vorbereitungsteam, es legt mit dem inhaltlichen & formalen Rahmen nicht nur den Grundstein, sondern sorgt auch für eine einladende Atmosphäre – deshalb wird in beteiligungsorientierten Formaten auch häufig der Begriff Gastgeber:innen verwendet. So wie gute Gastgeber:innen achten sie darauf, dass alle, die da sind, auch „alles haben“, um sich gut beteiligen zu können. 
    Das Vorbereitungsteam setzt sich aus Auftraggeber:innen/Veranstalter:innen, Moderation, und idealerweise anderen, für das Thema relevanten Personen zusammen. Relevant kann heißen: wichtige Multiplikator:innen für das Thema oder die Vernetzung – im Thema oder Feld (z.B. Arbeitnehmer:innenvertretung) sehr erfahrene Personen, etc.. Das Vorbereitungsteam legt das Gesamtsetting fest, also den inhaltlichen & formalen Rahmen, Einladungspolitik und Ort.
  • Die Moderator:innen sind Hüter:innen des Gesamt-Prozesses, also die gemeinsame Vorbereitung, eine gute Auswahl für das Vorbereitungsteam, eine klare Zielsetzung & inhaltliche Rahmung und insbesondere die Balance zwischen Struktur & Freiheit. Vor Ort achten die Moderator:innen auf die Umsetzung & Einhaltung des inhaltlichen & formalen Rahmens und moderieren die Gesamtveranstaltung.
  • Sessiongeber:innen/Themenbringer:innen können alle sein: Sie bringen eine konkrete Frage im vorgegebenen Rahmen ein, die sie gerne gemeinsam mit anderen Teilnehmer:innen näher erkunden möchten. Ihre Aufgabe ist die Moderation „ihrer“ Session und sie sorgen für eine gute Dokumentation. Wichtig: Alle gemeinsam übernehmen Verantwortung für das Gelingen.
©Nicola Sekler

Die Frage ist also: „Konsumieren“ die Teilnehmer:innen noch oder „geben“ sie schon?

Bei einem Barcamp werden die Teilnehmer:innen auch Teilgeber:innen genannt.
Damit sich alle gut beteiligen können und sich sicher genug fühlen mit diesem für viele doch sehr ungewohnten Format, ist es wichtig, dass…

  • … der Rahmen wirklich gut & klar ist, genug Orientierung gibt, ohne das inhaltliche Programm festzulegen.
  • … es im Vorfeld eine Einladung mit Erklärung gibt, was ein Barcamp ist, und wie sich die Teilnehmenden mit einem Thema einbringen können. 
  • … es zu Beginn genügend Zeit gibt, um das Programm gemeinsam zu gestalten, d.h. Themen einzubringen, jeder Session ein Thema & ein:e Sessiongeber:in zuzuordnen.
  • … die Sessiongeber:innen mit einer neugierigen & offenen Haltung in die Sessions gehen, sich selbst aktiv einbringen, aber nicht als Expert:innen auftreten.
  • … es ein Mini-Coaching oder einen Leitfaden für Sessiongeber:innen gibt, z.B. mit Tipps, wie gemeinsam mit den Teilgebenden in eine fragende, erkundende Haltung kommen.
©Nicola Sekler

Du bist jetzt noch neugieriger geworden? Du möchtest so ein Barcamp mal live erleben? Als „Teilgebende“ oder Sessionsgeber:in? Einfach mal ausprobieren und vielleicht dann selber mal veranstalten?

Dann sei wirklich dabei, beim Barcamp der REFAK am 10.06.2026 in Wien: Anmeldung HIER.

Autorinnen: Nicola Sekler & Margret Steixner

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