#dimi_02: Didaktik

Was ist das überhaupt und wozu soll das gut sein?

Unter Didaktik wird im Allgemeinen „Die Lehre vom Lehren und Lernen“ verstanden – es ist also die wissenschaftliche Auseinandersetzung damit, wie Lernen unterstützt und gefördert werden kann.

Ich verstehe Didaktik als etwas Lebendiges, das vom Nachdenken und Diskutieren lebt. Als Trainerin befinde ich mich in einem permanenten Forschungs- und Entwicklungsprozess. Jedes Mal, wenn ich ein Training plane oder mit meinen Kolleg*innen in der Pause entscheide, welche Anpassungen notwendig sind, erweitere ich mein didaktisches Feingefühl. Dieses baut auf dem Wissen, wie Erwachsene lernen, braucht aber immer auch den Blick auf die Lerngruppe. Lernen ist immer auch ein sozialer Prozess. Welche vielfältigen Dimensionen (Lern-) Gruppen haben können, kannst du im #grumo nachlesen.

Didaktik hat den Anspruch, die Qualität von Lernprozessen zu steigern. Der Austausch mit Kolleg*innen, das Besuchen von Weiterbildungn, das Lesen von Blogserien (wie zum Beispiel den REFAK-Blog) sind ein Teil davon.
Aber wo holst du dir deine didaktische Inspiration? Du kannst gerne einen Kommentar beim Blogbeitrag hinterlassen. 🙂

Didaktik als Ermöglichung von Lernen

Didaktik ist ein weites Feld. Ich möchte hier nur einige wichtige Aspekte aufgreifen, die mir aus meiner Erfahrung wichtig erscheinen. Einen wichtigen Zugang beschreibt Ralf Arnold in seiner Ermöglichungsdidaktik – einer Didaktik also, die den Blick darauf wirft, welche Faktoren Lernen überhaupt erst möglich machen. Hier treffen wir auf die Kernfrage der Didaktik. Um diese Frage zu beantworten, müssen wir die Lernenden in den Blick nehmen. Faktoren wie Motivation und Vorwissen beeinflussen das Lernen. Lernen ist ein aktiver Prozess, bei dem die Lernenden im Mittelpunkt stehen. Doch zum Thema Lernen gibt es einen extra #dimi_03.

Diese Haltung wird im didaktischen Verständnis oft als Lerner*innenzentrierung (auch Teilnehmer*innenorientierung oder Zielgruppenorientierung) beschrieben. Gemeint ist, dass sowohl die Planung als auch die Umsetzung von der Seite der Lernenden her gedacht und gestaltet wird. Dies ist im Kontext der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit von großer Bedeutung, weil die Zielgruppe sehr heterogen ist und die unterschiedlichen Lernvoraussetzung stärker in die didaktischen Vorüberlegungen und Reflexionen einbezogen werden sollte. Dazu mehr in #dimi_09.

Das eigenen Rollenverständnis unter die Lupe nehmen

Wie definierst du selbst deine Rolle? Wie lebst du sie? Diese Fragen sind wichtig, denn sie bringen deine didaktische Grundhaltung zum Ausdruck.

Siehst du dich selbst als Trainer*in oder als Referent*in mit einer klaren Fachexpertise? Wie lebst du deine Rolle als Coach oder Lernbegleiter*in? Wie du ein Seminar gestaltest, hängt eng mit deinem eigenen Verständnis von Lernen zusammen. Die Bezeichnung, die du dir gibst, beschreibt, wie du die Rolle für dich definierst und wie du diese im Seminarraum lebst. Für mich ist es wichtig, immer wieder mal kritisch zu überdenken, wie ich meine Rolle sehe und bei den Lernenden oder Trainerkolleg*innen nachzufragen, ob das auch so rüberkommt. Das Verständnis meiner Rolle kann sich verändern bzw. in unterschiedlichen Kontexten variieren.

Die Bedeutung der Erfahrung

Erwachsene Lernende verfügen meist über ein gefestigtes Erfahrungs- und Fachwissen. Gerade Betriebsrät*innen und Personalvertreter*innen bringen einen großen Schatz an Vorwissen über ihren Betrieb und den Kontext ihrer Branche mit. Ideen, wie du dieses Vorwissen aufgreifen und für das Lernen nutzbar machen kannst, findest du HIER. Das Vorwissen wird aber auch deutlich, wenn Teilnehmer*innen bereits im Feld der Fortbildung tätig sind. Kürzlich erzählte mir eine Teilnehmerin von einer Situation, die sie als Trainerin erlebt hat und die wahrscheinlich auch anderen bekannt vorkommt. In einem ihrer Seminare saß ein Teilnehmer, der über deutlich mehr Praxiswissen verfügte als sie selbst. Diese Situation hat sie ganz schön ins Schwitzen gebracht. Definiere ich mich als Trainer*in sehr stark über die Expert*innenrolle, kann so eine Situation schnell als Konkurrenz erlebt werden. Sehe ich die Erfahrungen der Teilnehmer*innen als Ressource, werde ich in so einer Situation zur Lernbegleiter*in. Ich versuche, an verschiedensten Stellen auf das Wissen der Teilnehmer*innen zuzugreifen und dieses für den gemeinsamen Lernprozess nutzbar zu machen.

Zur Überbewertung der Wissensweitergabe

Viele Personen, die in der Erwachsenenbildung tätig werden, tun dies zunächst in ihrer Rolle als Fachexpert*in. So ziehen viele Referent*innen die Planung von der inhaltlichen Seite her auf. Der erste (und gar nicht so selten einzige) Schritt der Planung ist das Zusammenstellen einer umfangreichen Powerpoint-Präsentation. Nicht selten strotzt diese (wider das Wissen, dass überfüllte Folien von den Lernenden nicht erfasst werden können), vor Fachbegriffen, Tabellen und Bullettpoints. Andere bemühen sich, die Folie mit Bildern aufzupeppen und nicht mehr als drei Bullettpoints anzugeben. Welcher Typ bist du? Ideen für das “Abspecken“ von Seminarinhalten findest du HIER.

Verlässt man sich auf die inhaltliche Planung als die wichtigste Säule der Planung, übersieht man gerne die Seite der Lernenden. Ohne sich intensiv in die Lernenden hineinzuversetzen bleibt ein Lernprozess nicht selten eine Einbahnstraße, deren Erfolg meist nicht langfristig ist. Einen tiefergehenden Beitrag zum Thema Lernen findest du beim #thedi_01. Im Verankern von Wissen spielt das Tun eine zentrale Rolle, dazu aber mehr im nächsten Blogbeitrag #dimi_03. Wesentlich ist daher für die Planung deiner Bildungseinheit, welche Ziele du erreichen möchtest. Mit der Frage von Zielarbeit beschäftigen wir uns im #dimi_06.

Erwachsene Lernende wollen Selbstbestimmung

Erwachsene sind es gewohnt, für sich selbst Verantwortung zu übernehmen und wollen auch im Seminarraum als Erwachsene gesehen werden. Selbstorganisation und Selbstverantwortung ist ein wesentlicher Aspekt erfolgreicher Bildungsprozesse. Was heißt das konkret? Ich kann z.B. bei Gruppenarbeiten mehrere Wahlmöglichkeiten anbieten, sodass jede*r für sich entscheiden kann, welches Thema am ansprechendsten oder relevantesten ist. Oder ich stelle es den Lernenden zwischendurch frei, eine Pause von der Gruppe zu machen und sich einem Thema ganz individuell zu widmen. Es gibt viele Möglichkeiten, wie ich einen Lernprozesse so gestalten kann, dass das Lernen auf Augenhöhe nicht nur eine leere Floskel bleibt, sondern gelebte Praxis.  

Willst du dich noch weiter mit dem Thema Didaktik befassen, dann findest du hier ein paar Links:

  • Das Online Portal wb-web hat sich um Ziel gesetzt, Ressourcen für die Entwicklung der Kompetenz von Erwachsenenbildner*innen zur Verfügung zu stellen. Einen passenden Beitrag zu unserem heutigen Thema findest du hier.
  • Am österreichischen Online-Portal erwachsenenbildung.at findest du viele spannende Artikel zum Thema Lernen von Erwachsenen aus einer gesellschaftspolitischen Perspektive. Das Magazin bietet Material zur Vertiefung von relevanten Themen. Z.B hier zum Thema Didaktik.
  • Hier ein Video, in dem Ralf Arnold sein Lernmodell Lena erklärt. Dieses baut auf der Idee der Ermöglichungsdidaktik auf und zeigt, wie dieses im Kontext des WIFI umgesetzt wird.

Weitere Literatur zum Nachlesen:

  • Arnold, Rolf (2007): Ich lerne, also bin ich. Eine systemisch-konstruktivistische Didaktik. Heidelberg: Carl-Auer Verl.
  • Hippel, Aiga von; Kulmus, Claudia (2018): Didaktik der Erwachsenenbildung. 1. Auflage. Stuttgart: UTB.

Genannte (und auch andere) Bücher können HIER im Webshop des ÖGB-Verlags versandkostenfrei bestellt werden.

Autorin: Margret Steixner

Lust auf mehr? Zu allen Beiträgen der Serie kommst du HIER!

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