#visdo_07 – Flecken, Rechtschreibfehler, krumme Linien, Verschreiber und andere Furchtbarkeiten

Was kann man tun, wenn es beim Schreiben und Zeichnen mal voll daneben geht?

Es passiert uns allen. Wir sind voll motiviert und hoch konzentriert und wenn wir am wenigsten damit rechnen, passiert es doch. Das stumme h geht verloren, die vermeintlich gerade Linie wird zu einer Wackelpartie und der frisch mit Tinte gefüllte Stift hinterlässt schwarze Tropfen auf dem weißen Blatt. Fehler gehören zum Schreiben und Zeichnen dazu. Egal wie sehr wir uns bemühen, ganz los werden wir sie nie. Daher stellt sich die Frage: wie gehen wir mit ihnen um?

1. Nimm es nicht so schwer

Im Folgenden besprechen wir handwerkliche Tipps und Tricks, wie man Fehler korrigieren kann. Mein erster Tipp ist dennoch die persönliche Haltung zu Fehlern zu reflektieren. Es ist schade Zeit und Energie darauf zu verschwenden, sich zu ärgern oder sich Vorwürfe zu machen. Nehmt die Fehler, wenn sie passieren, hin. Lernt aus ihnen, macht das Beste draus und akzeptiert sie mit einem wohlwollenden Lächeln. Sich selbst schlecht zu reden macht den Fehler nicht ungeschehen und hilft euch auch sonst in keinerlei Hinsicht weiter.

2. Lasst die krumme Linie krumm sein

Manche vermeintliche Fehler, sind nur halb so tragisch und fallen außer euch wahrscheinlich sonst niemandem auf. Zum Beispiel Linien, die etwas krumm geraten sind oder nicht bis zur Vollendung geformte Konturen bei Icons. Wenn es inhaltlich nicht schlichtweg falsch ist (Rechtschreibung und Grammatik zum Beispiel – da geht es nicht um persönliches Schönheitsempfinden sondern es gibt klar definierte Regeln), dann muss es nicht zwangsläufig korrigiert werden.

Das betrifft vor allem Zeichnungen und grafische Elemente wie Pfeile oder Linien. Bei ihnen ist es am besten, wenn man sie, wenn sie einmal den Weg aufs Papier gefunden haben und etwas schrullig daherkommen, sein lässt. Was ihr auf jeden Fall vermeiden solltet ist, Linien doppelt und dreifach nachzufahren in der Hoffnung, dass es dadurch besser wird. Das wird es nie. Es wird nur schlimmer und zieht noch mehr Aufmerksamkeit auf die Stelle, die ihr eigentlich kaschieren wollt.

3. Mit schwarz ausmalen

Manche Zeichen-Missgeschicke lassen sich verbergen, indem man die Fläche mit schwarz ausmalt. Dabei denke ich vor allem an zu flache Köpfe bei Personen, die „eingedepscht“ wirken. Diese lassen sich ganz gut in schwarze Haare umwandeln. So könnt ihr oben noch mehr Haare dazumalen ohne, dass es auffällt. Bei einigen Icons kann man diesen Trick auch verwenden.

4. Tipp-Ex ist meine Geheimwaffe

Zu meiner Schulzeit war Tipp-Ex ganz furchtbares flüssiges Zeug, dass in kleinen Fläschchen daherkam und statt der versprochenen Korrektur meist nur Seen aus verschmierten Farben und Flecken bescherte auf denen man nicht wirklich schreiben konnte. Heute gibt es etwas ganz wundervolles, das auch Tipp-Ex heißt aber nicht als flüssigem Chaos daherkommt sondern als Roller. Für kleine Fehler (vor allem beim Schreiben) ist das die beste Lösung. Einzelne Buchstaben, die man vertauscht hat lassen sich wie durch Zauberhand korrigieren. In großer Not auch ganze Wörter. Bei großen Flächen bedarf es aber anderer Hilfsmittel.

5. Überkleben, wenn es sein muss

Will man eine große Fläche korrigieren, kann man die betroffene Stelle mit Papier überkleben. Dazu am besten das gleiche Papier benutzen (also bei einem Flipchart zum Beispiel ein anderes Flipchart-Blatt und nicht ein Moderationskärtchen) und Klebe-Roller (ähnlich wie die Tipp-Ex Roller gibt es auch Roller mit doppelseitigem Klebeband – diese halten besser als UHU Stick und hinterlassen keine hässlichen Wellen wie Flüssigkleber). Diese Lösung ist oft aber nicht die schönste, da man meistens den Rand des Blattes noch sehen kann, das aufgeklebt wurde. Wenn möglich, könnt ihr um das aufgeklebte Papierstück einen Rahmen ziehen (dort wo es Sinn macht) – dann ist es nicht mehr so offensichtlich.

6. Humor ist, wenn man trotzdem malt

Ist ein Fehler passiert, kann man ihn nicht wegzaubern. Vor allem in Situationen, wo man live vor einer Gruppe schreibt und zeichnet, fällt der Fehler ohnehin auf und kann nicht versteckt werden. Wenn es nicht in erster Linie darum geht ein schönes Endprodukt zu haben, sondern mehr darum den Prozess festzuhalten, dann ist Humor die beste Antwort auf Fehler, die sich einschleichen. Nutzt die Gelegenheit um aus dem Hoppala einen Freuden-Moment für eure Teilnehmer*innen zu machen und verwandelt den Buchstaben, der zu viel ist in eine Blume oder einen Luftballon. Ergänzt einen knappen, lustigen Kommentar oder zeichnet ein verlegenes Smiley dazu. Manchmal ist das Lachen der Zuschauer*innen mehr Wert als das perfekte Flipchart.

7. Durchstreichen ist auch eine Option

Wenn ihr zum Beispiel ein Brainstorming festhaltet und Texte schnell aufs Papier bringt ohne groß nachzudenken, können Fehler auch mal durchgestrichen und das neue Wort drübergeschrieben werden. In solchen Situationen will man die Gruppe vielleicht nicht aus dem kreativen Prozess holen indem man den Fehler thematisiert (wie beim Humor-Tipp beispielsweise) und hat auch nicht die Zeit um nach Tipp-Ex zu suchen. Da kann diese, zugegeben optisch vielleicht nicht schönste Variante, die beste Wahl sein.

8. Frisch ans Werk

Wenn es sich um ein vorbereitetes Flipchart handelt und der Teil, der euch nicht gefällt und den ihr ändern wollt, nicht mit einem Tipp-Ex Roller zu bändigen ist, dann kann es auch mal Sinn machen sich die Zeit zu nehmen von vorne anzufangen. Vor allem bei vorbereiteten Flipcharts, die ihr öfter nutzen wollt, ist das eine sinnvolle Zeitinvestition. Live vor einer Gruppe macht es weniger Sinn.

Summa Summarum

Ihr seht: es gibt viele Möglichkeiten mit Fehlern umzugehen und verschiedene Situationen erfordern oft verschiedene Herangehensweisen. Je mehr Handlungsalternativen ihr im Petto habt, desto flexibler könnt ihr reagieren und die Variante wählen, die euch in dem Moment am sinnvollsten, einfachsten oder schnellsten erscheint.

Ein Asiatisches Sprichwort sagt, dass der/die Meister*in öfter einen Fehler gemacht, als es der/die Schüler*in überhaupt je versucht hat. In diesem Sinne: möge euer Visualisierungs-Pfad noch lang sein und eure Fehler mannigfaltig, sodass ihr möglichst viel daraus lernen könnt.

Autorin: Lana Lauren

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