Buchtipp: „Schade, dass so wenig Frauen da sind“

icon_literaturGertrud Hovestad: „Schade, dass so wenig Frauen da sind“. Normalitätskonstruktionen der Geschlechter in männerdominierter Bildungsarbeit. Westfälisches Dampfboot, Münster 1997, 197 Seiten.

Dieses Buch beschäftigt sich exemplarisch mit Geschlechterverhältnisse in den Seminaren der IG-Metall.

Der Titel „Schade, dass so wenig Frauen da sind“ bezieht sich auf die geringe Teilnehmerinnenanzahl in den Seminaren (der IG Metall) aber auch auf den Wunsch der TeilnehmerInnen und TrainerInnen nach einem höheren Frauenanteil. Insbesondere bei TrainerInnen geht bei der Anmeldeliste des eigenen Seminars häufig der erste Blick auf die Vornamen, um sich zu vergewissern, wieviele Frauen teilnehmen. Frauen gelten im Seminar häufig als Garantinnen für eine angenehmere Atmosphäre. Nicht zuletzt deshalb untersucht die Autorin die soziale Funktion von Frauen in gewerkschaftlichen Seminaren. Das Buch ist sehr anschaulich geschrieben und spannend zu lesen, da sich die dichte Beschreibung ihrer Teilnehmenden Beobachtung mit Interviewtexten und Analysen abwechseln. Hovestadt zeigt, dass scheinbar neutrale Lehrinhalte einen „heimlichen Lehrplan des Sexismus“ enthalten. Für TrainerInnen ist das Buch wirklich nützlich, um das eigene Verhalten im Seminar und die Erwartungen an Frauen zu reflektieren und vielleicht auch zu überdenken.

Autor: Jonas Weber

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