#mm: Zahlen des patriarchalen Alltags

icon_#mmZiele
** Sensiblisierung für die Geschichte des Kampfes um Gleichberechtigung von Frauen
** Sichtbarmachung der Möglichkeit Gesellschaft zu verändern

Einsatz
Erfahrungsgemäß wissen viele TeilnehmerInnen in der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit wenig über die Geschichte und Errungenschaften feministischer Kämpfe. Diese Methode eignet sich als Teaser für eine erste Beschäftigung mit Geschlechterverhältnissen. Die in der Methode verwendeten Zahlen lösen zum Teil Erstaunen aus und motivieren dadurch vielleicht zur weiteren Beschäftigung mit dem Thema.

Kurzbeschreibung
Auf einer freien Fläche werden Pole als „+“ und „-“  z. B. mit Kreppstreifen markiert. Die Pole liegen weit genug voneinander entfernt, so dass die TN sich zu den folgenden Fragen bequem auf einer gedachten Linie bzw. Skala zwischen den Polen verorten können. Den TN werden anhand von Zahlenmaterial – Statistiken, empirischen Aussagen, wissenschaftlichen Erkenntnissen – verschiedene Zahlen des patriarchalen Alltags vorgestellt, wobei sie die Übereinstimmung der genannten Zahlen (zu hohe, zu niedrige und zutreffende) mit der gesellschaftlichen Realität einschätzen sollen. Wenn die TeilnehmerInnen sich aufgestellt haben, sollte die richtige Zahl genannt werden.

Auswertung
Im Gespräch über die Zahlen kann überlegt werden, ob die genannten Lebens- und Liebesformen gesellschaftlich gleichberechtigt sind und gleichermaßen wertgeschätzt werden und welche im Quiz unbenannt geblieben sind. Die historische Veränderbarkeit von Geschlechterarrangements kann und sollte diskutiert werden. Möglich wäre z.B. auch zu fragen, was die nächsten gesetzlichen und politischen Schritte sein sollten.

Planungsdetails
Benötigt werden: mindestens 6 TeilnehmerInnen, Kreppband und vorbereitete Aussagen. Mögliche Aussagen sind hier aufgelistet. Es macht aber wenig Sinn die Aussagen immer mit den richtigen Jahreszahlen vorzulesen. Vielmehr sollte man sich falsche Jahreszahlen ausdenken und dann nach der Aufstellung jeweils die richtige Zahl sagen. Einige Zahlen können sich ändern und sollten vor dem Einsatz auf Korrektheit überprüft werden.

Bereich 1: Gleichberechtigung der Frauen

  • 1952 erhielten die österreichischen Frauen sämtliche politische Rechte, angefangen vom seit dem 2. Weltkrieg verwehrten Wahlrecht bis hin zu dem Recht, auch als Frau öffentliche Ämter bekleiden zu dürfen
  • 1975: Die Familienrechtsreform stellt Frauen und Männer rechtlich gleich: Frauen dürfen ohne Zustimmung des Mannes arbeiten, über den Wohnsitz mitentscheiden und den Familiennamen wählen.
  • Seit 1979 gibt es ein Gesetz zur Gleichbehandlung am Arbeitsplatz (‚Gleicher Lohn für gleiche Arbeit’).
  • 1989: Durch die Sexualstrafrechtsreform werden Vergewaltigung und geschlechtliche Nötigung in der Ehe oder Lebensgemeinschaft strafbar.

Bereich 2: Ungleichberechtigung(en)

  • Mädchen sind im Schnitt besser schulisch gebildet als Jungs. Dennoch haben sie einen schwereren Zugang zu Ausbildungsplätzen, schlechtere Karrierechancen und weniger Einkommen.
  • Frauen leisten in der Woche durchschnittlich 22 Stunden Hausarbeit (abhängig von Berufsausübung,Kindern etc.); Männer hingegen im Schnitt nur 10 Stunden.
  • Frauen erhalten im Schnitt 34 % weniger Rente als Männer.

Die Methode stammt aus dem Ordner „Geschlechterreflektierende Bildungsarbeit. (K)eine Anleitung. Hintergründe Haltungen Methoden“. Hrsg: Autor_innenkollektiv; DGB-Jugend NDS-HB-SAN.

(Die Aussagen sind im Original mit Jahreszahlen aus Deutschland versehen. Sie wurden daher für Seminare in Österreich angepasst.)

Autor: Jonas Weber

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