#mm: Wer macht welche Arbeit?

icon_#mmZiele
**Sensibilisierung für strukturelle Benachteiligung auf dem Arbeitsmarkt
**Auseinandersetzung über gesellschaftliche Wertigkeit und Entlohnung von Tätigkeiten

Kurzbeschreibung:
Die Methode eignet sich als Einstieg in die Diskussion über ungleiche Einkommensverteilung und Diskriminierung am Arbeitsmarkt. Die TeilnehmerInnen werden in drei Gruppen aufgeteilt und erhalten vorbereitete Berufskärtchen. Jede Kleingruppe soll die Kärtchen entsprechend ihrem Arbeitsauftrag in eine bestimmte Reihenfolge bringen und die Karten entsprechend aufkleben. Jede Gruppe erhält einen anderen Arbeitsauftrag (der zunächst nicht verraten werden soll):

  • „Welche Berufe findet ihr besonders wichtig?“ (das Wichtigste oben und das Unwichtigste unten)
  • „Wie viel wird in den jeweiligen Berufen verdient?“ (den höchsten Verdienst oben und den niedrigsten Verdienst unten)
  • „Welche Berufe haben ein besonders hohes gesellschaftliches Ansehen?“ (das höchste Ansehen oben und das geringste Ansehen unten)

Auf separaten Karten sollen die TN die Gründe für die von ihnen gewählte Reihenfolge sammeln. Im Plenum werden die Kartenreihen der drei Kleingruppen nebeneinander an die Wand gehängt, ohne zu verraten welcher Arbeitsauftrag damit verbunden ist. Die Teilnehmenden schauen sich die Reihen an und versuchen Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu finden. Im Anschluss können Vermutungen über die Arbeitsaufträge geäußert werden. Danach präsentieren alle drei Gruppen nacheinander ihren Arbeitsauftrag und ihre Begründungen für ihre Reihenfolge. Die Ergebnisse werden daraufhin erneut diskutiert.

Die TN werden in zwei Kleingruppen eingeteilt und erhalten erneut die Berufskärtchen; diese sollen

  • nach dem Anteil der Frauen  in dem Beruf (niedrigster Anteil oben und höchster unten)
  • nach dem Anteil der MigrantInnen in dem Beruf (niedrigster Anteil oben und höchster unten)

sortiert werden. Im nächsten Schritt überlegen sich die TN mögliche Gründe für einen hohen bzw. niedrigen Anteil auf Kärtchen.
Im Plenum werden die beiden Reihen wieder kommentarlos nebeneinander gehängt und von den TN miteinander verglichen. Im Anschluss präsentieren die Kleingruppen ihr jeweiliges Kriterium und ihre Beweggründe. Nun können im Plenum die gemeinsamen und spezifischen Ursachen für einen hohen bzw. niedrigen Anteil von Frauen und MigrantIinnen gesucht werden. Bei allen Diskussionsprozessen ist die Analyse der gesellschaftlichen Ebenen zentral und sollte durch die TrainerInnen eingebracht werden (z.B. gesellschaftliche Ursachen und Funktionen von Ungleichverteilung von Einkommen bzw. Über- und Unterrepräsentation von bestimmten Personengruppen in Berufen).

Auswertung:
Die Reihungen aus den Phasen I und III bleiben während der Abschlussdiskussion an der Wand hängen. Folgende Fragen können diskutiert werden:

  • Wie hängen die gesellschaftliche Wertschätzung und der Anteil von Frauen und MigrantInnen zusammen?
  • Gibt es einen Zusammenhang zwischen der gesellschaftlichen Bedeutung von Tätigkeiten und dem Anteil von Frauen und MigrantInnen?
  • Wie können die Ursachen für die Benachteiligung von Frauen_ und Migrant_innen abgebaut werden?

Hinweis: Arbeitskämpfe und gewerkschaftliche Organisierung als konkretes Mittel der kollektiven Verbesserung von Arbeitsbedingungen sollten benannt werden.  

Planungsdetails:
Karten mit Berufen (Beispiel): MüllabfuhrbediensteteR, Reinigungskraft, BauarbeiterIn, IngenieurIn, Aktienhändler, VolksschulleherIn, KrankenpflegerIn, Hausfrau/-mann, SchönheitschirurgIn, Küchenhilfe, Profifußball.

Hinweis: Die TrainerInnen sollten sich im Vorhinein Informationen über die jeweiligen Berufe besorgen, vor allem zur Höhe von Gehältern und zum Frauenanteil.

Zeit: ca. 1 ½ Stunden

Material: Metaplankarten, Stifte, Kärtchen mit 10-12 Berufen, Arbeitsanweisungen

Variante: Alternativ zu einer zweiten Kleingruppenphase kann auch im Plenum überlegt werden, welche Berufe einen hohen Anteil von MigrantInnen bzw. Frauen aufweisen. Die TeilnehmerInnen können so auf Zuruf Vorschläge einbringen. Die jeweiligen Karten werden dann einfach von den TrainerInnen mit einem „F“ und einem „M“ gekennzeichnet. Häufig kommt es hierbei bei heterogenen Gruppen zu Diskussionen über die Richtigkeit der Vorschläge.

Die Methode ist dem Ordner „Geschlechterreflektierende Bildungsarbeit. (k)eine Anleitung“ entlehnt und wurde durch Erfahrungen aus der eigenen Seminarpraxis bei der IG Metall Jugend ergänzt.

Autor: Jonas Weber

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