#mm: Kartenabfrage | Clustern

icon_#mmZiel
**Sammeln von Erwartungen, Ideen, Erfahrungen, Problemen, Meinungen, Widerständen usw. (#mm: Sammelmethoden)

Kurzbeschreibung
Die TeilnehmerInnen schreiben Stichworte zur genannten Fragestellung auf Karten. Die Karten können entweder alleine oder in Kleingruppen (z.B. nach Murmeln, #mm) geschrieben werden. Wichtig dabei ist:

  • eine konkrete Fragestellung, die das Ziel des Sammelns umsetzt
  • der Hinweis an die TeilnehmerInnen, dass immer nur ein Thema oder ein Stichwort auf eine Karte groß lesbar geschrieben werden sollte
  • die Karten pro Person oder Gruppe zu beschränken. So gelingt es, die Beiträge zu fokussieren und den Überblick zu bewahren
  • eine sinnvolle Weiterarbeit mit den Karten mit Blick auf das Ziel des Sammelns

Die Karten werden anschließend gesammelt. Das geschieht klassischerweise durch kurzes Vorlesen der Karten durch die TeilnehmerInnen und dann Anpinnen an eine Pinnwand, Wand oder Tafel. Alternativ kann aber auch am Boden, in der Mitte des Sesselkreises gesammelt werden – z.B. wenn es keine Pinnwand gibt oder aber die Gruppe sehr klein ist.
Der Vorteil der Kartenabfrage gegenüber anderen Sammelmethoden ist, dass die TeilnehmerInnen Zeit zum Überlegen haben, bei Einzelarbeit unabhängig von anderen Meinungen zunächst ihre eigenen Einfälle im Mittelpunkt stehen und, dass die Kartenabfrage auch anonym durchgeführt werden kann, z.B. durch Mischen der eingesammelten Karten. Alle Beiträge haben gleiche Gewichtung und alle TeilnehmerInnen, unabhängig ihrer rhetorischen Fähigkeiten oder Geschwindigkeit, werden einbezogen. Allerdings sollte die Kartenabfrage nur als Sammelmethode gewählt werden, wenn wirklich genug Zeit dafür vorhanden ist. Auch hier: Nie Sammeln als Form der Beteiligung, ohne mit dem Ergebnis dann weiterzuarbeiten, das ist nicht stimmig.

Clustern
Eine häufige Form der Weiterarbeit mit den Ergebnissen der Kartenabfrage ist das Clustern, also das thematische Sortieren der Karten. Dazu werden die Karten, die zum gleichen Unterthema gehören, als Wolke, Haufen oder in Säulen gruppiert. Dies ist v.a. dann notwendig, wenn später einzelne Themen bearbeitet werden sollen. Bei sehr offenen Fragen und ausreichend Zeit können die Karten zunächst alle an der Pinnwand gesammelt und dann geordnet werden. Für die gefundenen Cluster/Gruppen von Karten können dann am Ende übergeordnete Begriffe gesucht werden. Zeitsparender ist es, die TeilnehmerInnen zu bitten, sinnverwandte Karten schon beim Pinnen zu gruppieren. Am Ende sollte dann nur noch einmal kontrolliert werden, ob alle Karten „richtig“/stimmig zugeordnet sind. Eine andere Möglichkeit ist, das Cluster-Schema schon fürs Sammeln vorzugeben, z.B., weil sowieso nach Vor- und Nachteilen, Pro- und Contra-Argumenten o.ä. gefragt wird. Wichtig ist, dass die Sortierung von den TeilnehmerInnen vorgenommen wird und die Seminarleitung diesen Prozess lediglich moderiert. In Ausnahmefällen wäre es auch möglich, die Karten in der Pause zu sortieren (z.B. Moderator/in + ein paar TeilnehmerInnen) und im Anschluss der Gruppe diesen Vorschlag zu unterbreiten. Wichtig ist, dass alles nochmals gemeinsam durchgegangen wird und sicher gestellt ist, dass alle Karten am richtigen Platz sind.

Einsatz

Sammeln_ErwartungenWünscheAbfrage von Wünschen und/oder Erwartungen an das Seminar zum Einstieg, am Besten verknüpft mit der Vorstellungsrunde
Ziel wäre, ein Gesamtbild der im Raum befindlichen Wünsche und Erwartungen zu erfassen. Zur besseren Übersichtlichkeit bietet sich hier an, die TeilnehmerInnen zu bitten, ähnliche Aspekte zu gruppieren. Weiterarbeit: Die TrainerInnen sollten in jedem Fall im Anschluss und am Ende des Seminars Bezug darauf nehmen im Sinne: Was werden wir hier machen, was nicht? Welche Schwerpunkte sind schon gesetzt, was kann trotzdem noch aufgenommen werden und wo ist es schon zum Einstieg wichtig, keine falschen Hoffnungen zu wecken? Diese (kurze) Stellungnahme zu den Wünschen/Erwartungen bietet einen guten Übergang zur Vorstellung der Agenda des Seminars, also dem, was sicher gemacht wird.

Kartenabfrage_EU-WahlSammeln konkreter Aspekte oder Fragen, die die TeilnehmerInnen bezogen auf ein Überthema am meisten interessieren
Ziel dieser Sammlung ist, dass die TeilnehmerInnen sich selbst bei der Schwerpunktsetzung innerhalb eines vorgegebenen Themas einbringen können; idealerweise wird am Ende mit allen Aspekten/Fragen weitergearbeitet (siehe z.B. ExpertInneninterview, #mm). Hier ist das thematische Clustern wichtig, damit die anschließende Bearbeitung der Unterthemen/-fragen in Blöcken und damit strukturiert ablaufen kann. Im Beispiel (siehe Foto) war im Rahmen eines Seminars für BetriebsrätInnen zur EU-Wahl die Frage, „Mit welchen Vorurteilen und Aussagen zur EU wirst Du in Deinem Betrieb konfrontiert“?, und das verfolgte Ziel, im Anschluss an das Sammeln und Clustern Argumentationshilfen und Fakten zu liefern, die diese Vorurteile widerlegen.

Kartenabfrage_interventionenbreites Sammeln von Ideen, Maßnahmen usw., von denen dann nur einzelne tiefgehender diskutiert/weiterbearbeitet werden
Ziel in diesem Fall und durch eine sehr offen gestellte Frage ist einerseits das Darstellen des breiten Spektrums; andererseits bietet es für TrainerInnen auch die Möglichkeit, das vorhandene Wissen zu einem Thema abzufragen und eventuell zu ergänzen. Im Beispiel wurde im Rahmen eines Gender-Kompetenz Trainings mit der Frage „Welche geschlechterpolitischen Interventionen kennst Du“? letzteres Ziel verfolgt. Die Sammlung wurde im Gespräch durch die TrainerInnen ergänzt und die Beispiele, die diskutiert wurden, frei auf Zuruf ausgewählt. Bei größeren Gruppen kann die Auswahl einzelner Karten durch Rosinen picken (#mm) oder Punkten (#mm) erfolgen.

Planungsdetails
Dauer: Sehr abhängig von der Zielsetzung und der Weiterarbeit. Zu bedenken ist: die TeilnehmerInnen sollten Zeit zum Denken und Schreiben haben; sowohl die Präsentation der eigenen Karten als auch, so geplant, das Clustern müssen eingerechnet werden. Einige Eckpunkte zur Berechnung: Überlegen und Schreiben: bei Gruppenarbeiten mindestens 5min bei spontanem Sammeln von Ideen; ist die Beschriftung der Karten das Ergebnis einer Kleingruppendiskussion, dann muss hier mindestens 15min eingerechnet werden; bei Einzelarbeit 3-5min. Präsentation der Karten: pro Person/Gruppe mindestens 2-5min Zeit. Clustern im Anschluss: 10-15min; wenn ausführlicher diskutiert werden soll, weil das Sortieren Teil der Themenbearbeitung ist, dann durchaus deutlich länger planen.
Material: Moderationskarten (können auch durch entsprechend groß zugeschnittenes, buntes Papier ersetzt werden), genügend Stifte; Pinnwand + Nadeln oder Whiteboard + Magnete. Wenn keine Pinnwand vorhanden ist, können Karten auch mit Tixo an Wand, Tafel oder Flipchartpapier befestigt werden.
Vorbereitung: Beim Clustern nach vorher festgelegten Kategorien sollte die Pinnwand schon mit den Kategorien versehen werden.

Varianten

  • Mehrfachkartenabfrage: Das bedeutet, dass in einer Kartenabfrage gleichzeitig mehrere Fragen zu beantworten sind. Um hier kein Durcheinander entstehen zu lassen, bietet es sich an, je Frage eine bestimmte Farbe zu wählen und diese auch gut sichtbar zu kommunizieren, z.B. durch Aufkleben der entsprechenden Farbkarte neben der Frage.
  • Anonyme Varianten: (1) Die Karten werden in einen Korb o.ä. gegeben und die Moderation liest die Karten vor und entscheidet gemeinsam mit der Gruppe, wo die jeweilige Karte angepinnt wird. (2) Die TeilnehmerInnen beschriften ihre Karten und pinnen sie, sobald fertig, an eine Pinnwand, die mit dem Rücken zu den TeilnehmerInnen steht. Diese Variante ist mit und ohne Clusterauftrag möglich, hat nebenbei den Vorteil, dass sie sehr zeiteffizient ist, allerdings den Nachteil, dass Unruhe im Raum entsteht.

Tipps und Tricks
Ulli Lipp gibt zur Kartenabfrage folgende Tipps:
**Lieber mit A5-Karten arbeiten als mit den kleineren, typischen Moderationskarten, damit die Karten lesbar und selbsterklärend sind. Zusätzlich kann noch die Anzahl der Worte pro Karte vorgegeben werden.
**Die Kartenzahl sollte 40 insgesamt nicht überschreiten, weil es sonst beim Sammeln unübersichtlich wird.
**Grundsätzlich ist es v.a. bei größeren Gruppen ratsam, Kartenabfragen nicht als Einzelarbeit, sondern in Kleingruppen umzusetzen, nicht nur wegen der Zeit, sondern da es sonst zu viele Dopplungen gibt.
**Gerade bei einer sehr breiten Sammlung von Ideen rät er dazu, nicht zu clustern, weil es zu lange dauert, wenn alle Karten, ob interessant oder nicht, sortiert werden. Hier bietet sich das Rosinen picken (#mm) an, bei dem TeilnehmerInnen aussuchen, was besprochen werden soll.

Autorin: Nicola Sekler

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