MethodenMittwoch reloaded – #mm

Methoden kann man nie genug kennen…

icon_#mmZwei Jahre lang haben wir (bis auf eine Sommerpause :-)) jede Woche schön ausführlich jeweils eine Methode vorgestellt – schließlich gibt es in der Bildungsarbeit viele Mittel und Wege, um an ein bestimmtes Ziel zu kommen…

Weil wir immer wieder um Anregungen für Methoden gebeten werden und die #mm-Beiträge viel zu schade sind, um im Blog-Archiv zu versauern, lassen wir die Serie wieder hochleben! Künftig werden wir also im Abstand von ungefähr zwei Wochen mehr oder weniger regelmäßig Methodentipps wieder oder neu veröffentlichen!

Zur Einleitung und Einstimmung

Bevor es an die Methodenwahl geht, müssen das Thema und die Ziele des Seminars oder Workshops (mit dem/der AuftraggeberIn) geklärt sein: Was will ich als TrainerIn/ReferentIn eigentlich überhaupt in einem bestimmten Teil meines Seminars oder Workshop erreichen? Was sollen die TeilnehmerInnen wissen, kennenlernen, erarbeiten usw.? Erst, wenn ein grober Fahrplan für die einzelnen Teile der Veranstaltung steht, geht es an die Wahl der jeweiligen Methoden. Nur, wenn Inhalt und Methode wechselseitig zueinander passen, kann die Methode sinnvoll angewendet werden und ihre Wirkung entfalten.

Im Rahmen eines MethodenMittwoch (#mm) werden hier auf dem Refak-Blog in den nächsten Monaten unterschiedliche Methoden praxisnah und anwendungsbezogen vorgestellt. Sie alle zielen darauf ab, TeilnehmerInnen aktiv mit ihren Erfahrungen ins Seminar einzubinden, einen Austausch zu befördern, gemeinsam Themen möglichst praxisnah zu be- und erarbeiten und Strategien zu entwickeln.

Im Fokus der einzelnen Methoden steht die Beschreibung des konkreten Settings, in dem die Anwendung dieser Methode möglich ist. Neben einer Konkretisierung des Zieles und der Einsatzphase sowie Hinweisen auf die Einbettung im Sinne des Gesamtdesigns werden Planungsdetails (Dauer, Material, Vorbereitung, Raumbedingungen, Gruppengröße) beschrieben und Anwendungsbeispiele aus dem gewerkschaftlichen Kontext gegeben, die die unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen in den Zielen aufgreifen.

Um die Orientierung zu erleichtern, gehen wir mit den nachfolgenden Kategorien an einem klassischen Seminardesign entlang, in dem Phasen, übergeordnete Themen und Ziele schon geklärt sind:

Kennenlernen
Bei der Art und Weise der Gestaltung der Kennenlern- und Ankommensphase in einem Seminar oder Workshop spielt zunächst die TeilnehmerInnengruppe eine Rolle: Wer sind meine TeilnehmerInnen? Wie ist die Gruppe zusammengesetzt? Kennen sich die TeilnehmerInnen bereits? Was braucht die Gruppe, um gut arbeiten zu können? Schon die letzte Frage deutet darauf hin: Wie intensiv die Kennenlern- und Ankommensphase gestaltet wird, steht in sehr engem Zusammenhang zu den Seminarzielen und -inhalten und auch zur Seminarlänge. Handelt es sich um ein zweitägiges Seminar oder um eine zweijährige Gewerkschaftsschule? Wie wichtig ist Vertrauen aufbauen, Interesse aneinander wecken, Gemeinsamkeiten & Unterschiede aufzeigen für den Seminarverlauf?

Themeneinstieg
Das Seminarthema wird im Rahmen der Erstellung des Seminardesigns in unterschiedlich große Häppchen, Sequenzen oder Unterthemen unterteilt. Jeder von diesen einzelnen Blöcken sollte in sich abgeschlossen sein, d.h. einen Einstieg in das Thema, eine Themenbearbeitung und eine Ergebnissicherung bzw. einen Praxistransfer enthalten.
Gerade der Themeneinstieg ist eine wichtige Phase, weil hier die TeilnehmerInnen aus ihrem Alltag, mit ihren Erfahrungen usw. abgeholt und ins Thema begleitet werden. Deshalb will gut überlegt sein: An welche Erfahrungen, an welches Wissen möchte ich anknüpfen? Wie bringe ich es am Besten in Bezug zum Seminarthema? Welche Hilfestellungen kann ich den TeilnehmerInnen bieten? Wie kann ich sie für das zu bearbeitende Thema faszinieren, ihr Interesse wecken?

Sammelmethoden
Sammeln kommt in den meisten Seminaren und Workshops in irgendeiner Weise vor, ist es doch die niedrigschwelligste Möglichkeit, die TeilnehmerInnen aktiv einzubinden. Die Grundhaltung ist: Wir sammeln eure Themen, Bedürfnisse, Erfahrungen, Ideen usw… und arbeiten damit weiter. Klassischerweise steht Sammeln zu Beginn des Seminars und/oder der jeweiligen Unterthemen. Je nach konkretem Ziel und der Einbettung im Gesamtdesign können sehr unterschiedliche Sammelmethoden zum Einsatz kommen.

Auswählen | Priorisieren | Entscheiden
Sei es nach dem Sammeln von Ideen, sei es, nachdem in Arbeitsgruppen unterschiedliche Vorschläge oder Strategien erarbeitet wurden: Die „Qual der Wahl“ kann mit (spielerischen) Methoden erleichtert und eine Gruppenentscheidung herbeigeführt werden. Vor der Wahl der konkreten Methode überlegt und dann an die TeilnehmerInnen kommuniziert werden muss: Wieviele Alternativen sollen ausgewählt werden? Nach welchen Kriterien? Gibt es diese Kriterien schon oder soll die Gruppe sie festlegen? Was soll mit den ausgewählten Alternativen im Anschluss geschehen?

Themenbearbeitung in Kleingruppen
Um Kleingruppenarbeit gut für die Bearbeitung eines Themas unter möglichst hoher Beteiligung aller TeilnehmerInnen zu nutzen, muss sie gut eingeführt und durchüberlegt sein: Was genau soll bearbeitet werden? Sollen die Kleingruppen die gleichen Themen bearbeiten oder soll arbeitsteilig vorgegangen werden? Welche Ergebnisse sollen am Ende der Gruppenarbeit stehen? Mit welcher konkreten Aufgabenstellung kann ich das erreichen? Und nicht zuletzt: Wie kommen die Ergebnisse wieder zurück in das Plenum? Mit welchem Ziel? Soll mit den Ergebnissen weitergearbeitet werden?

Diskussionsformen
Nicht jedes Thema eignet sich für die Bearbeitung in Kleingruppen. Steht der Austausch von Wissen, Argumenten und Meinungen im Mittelpunkt, bieten sich Methoden an, die Diskussionen ermöglichen, aber auch strukturieren. Insbesondere die Frage der aktiven Beteiligung möglichst vieler TeilnehmerInnen in einer Plenums-Situation ist hier relevant.

Wissensvermittlung mit Aktivierung
An manchen Stellen im Seminar ist eine klare und strukturierte Vermittlung von Wissen durch eine/n ExpertIn passend. Mit Blick auf die Verankerung des Wissen bei den ZuhörerInnen ist allerdings auch hier empfehlenswert, für Momente der Aktivierung zu sorgen, in denen vorhandenes Wissen und eigene Erfahrungen eingebunden werden sowie neues Wissen an die jeweilige Arbeits- und Lebensrealität rückgekoppelt wird.

Praxistransfer | Verankern | Reflektieren
Und jetzt? Damit die TeilnehmerInnen mit dieser Frage am Ende eines Themenblocks und/oder am Ende des Seminars nicht alleine bleiben und das Erarbeitete und Gelernte gut im Arbeitsalltag umgesetzt werden kann, gibt es Methoden, die bewusst einen Bezug herstellen zur eigenen Arbeits- und Lebenspraxis: Was habe ich mitgenommen? Was sind meine nächsten Schritte? Welche konkreten Handlungsoptionen ergeben sich für mich? Wer macht was bis wann?

Feedback
Ob zwischendurch oder am Ende des Seminars: Feedback ist nicht nur wichtig für den/die TrainerIn, sondern auch für die TeilnehmerInnen eine Möglichkeit, andere Wahrnehmungen und Einschätzungen zu Inhalt und Design des Seminars mitzubekommen. Rückmeldungen können allgemein, die Gesamtstimmung oder den Gesamtinhalt betreffend, oder sehr spezifisch erfragt werden, in Situationen der Überforderung ein wichtiges Klärungsinstrument sein und dazu dienen, das eigene Design weiterzuentwickeln. Die Wahl der konkreten Methode hängt auch hier vom konkreten Ziel und Setting ab.

Problem- und Konfliktsituationen
Quer durch den Seminarablauf hindurch können Problem- und Konfliktsituationen eine Rolle spielen, die eine Intervention erfordern – sowohl als vorher geplanter inhaltlicher Schwerpunkt wie auch als spontan, im Verlauf des Seminars auftauchende Situation. Mehr oder weniger ausführlich geht es dann um Konflikterfassung, Ursachen- und Lösungssuche.

Autorin: Nicola Sekler

Creative Commons Lizenzvertrag
Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Nicht-kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz.

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